Schlagwort: Haltung

Die Cellohaltung – was Du für Dein bewegliches Spielen wissen musst

Wie ist es mit der Cellohaltung?

Erinnerst Du Dich an den Beitrag, bei dem es um die Haltung der hohen Streichinstrumente ging?

Ich denke die Hauptaussage darin war, dass man sich nur in einem ausbalancierten Zustand wirklich frei bewegen kann. Und wie das beim Cello geht, möchte ich Dir heute zeigen. Weiterlesen

Leichtigkeit am Streichinstrument – so findest Du sie

Fühlst Du Dich manchmal auch etwas verspannt?

Du packst Dein Instrument aus, beginnst zu spielen und merkst dass es irgendwo kneift. Irgendwo in Deinem Körper will sich etwas nicht frei bewegen.

Eingerostete Knochen?

So nennt man das manchmal, wenn man sich unbeweglich fühlt. Hast Du dich manchmal gefragt, was da wirklich dahinter stecken könnte? Weiterlesen

Die Bratsche – was weiß ich über die Bratsche?

Als ich die Artikel dieses Blogs neulich einmal durchsah, entdeckte ich mit Schrecken, dass hier noch fast überhaupt nichts über die Bratsche geschrieben steht.

Warum führt dieses Instrument sogar hier, wo es doch ausdrücklich um alles vier Streichinstrumente geht, so ein verstecktes Dasein? Warum tritt sie so wenig in Erscheinung?

Das scheint mal wieder typisch zu sein für dieses Instrument, das ja sowieso das Image des eher belächelten Instrumentes für unterbemittelte Musiker trägt. Über kaum ein Instrument und deren Spieler werden im Orchester so viele Witze gerissen, wie über die Bratsche.

Wie kommt das eigentlich?

Was hat es mit diesem Instrument auf sich?

Wenn wir den Namen des Instrumentes betrachten, kommen wir schon darauf. „Viola da Braccio“ heißt das Instrument in Italien. Ihre kleinere Schwester heißt „Violino da Braccio“ „Viola“, scheint mir dabei wohl das Ursprungswort des Instrumentes zu sein und  „Violino“ die Verkleinerungsform. Aha, ist die Viola wohl das ursprüngliche Instrument?

Wahrscheinlich eher nicht, denn erwähnt werden beide Instrumente in der alten Literatur zusammen. Wichtig ist aber der Zusatz „da Braccio“. Braccio ist das Italienische Wort für „Arm“. Das Instrument wird auf dem Arm getragen.

Daher stammt wohl der Name “Bratsche“. In meiner Wahlheimat Bayern, gibt es das umgangssprachliche Wort für die Hände, die „Bratzen“. Woher diese Bezeichnung wohl kommt?

Halten wir also einmal fest: es handelt sich um das größere der beiden auf dem Arm gepielten Instrumente.

Wenn wir uns das Instrument betrachten, fällt abgesehen von seiner Größe als erstes auf, dass es wesentlich tiefer klingt. Die Stimmung der Saiten lautet c, g, d‘ und a‘. Vergleicht man das mit der Stimmung der Geige (g, d‘, a‘ und e“), dann sieht man, dass ihre unteren drei Saiten mit den höchsten drei Seiten der Bratsche übereinstimmen.

Man hat also der Geige eine tiefere Saite hinzugefügt und die Oberste weg gelassen. Damit das Instrument mit diesen tiefen Saiten klingen kann, muss es größer sein, als die Geige. Und jetzt passiert etwas merkwürdiges: Im Grunde müsste dieses Instrument aufgrund seiner Tonlage noch wesentlich größer sein, um einen der Geige wirklich ähnlichen Ton produzieren zu können. Da aber die menschliche Armlänge gewisse Grenzen aufweist, mussten sich die Geigenbauer auf eine gewisse Größe beschränken.

Und aufgrund dieses Kompromisses büßt die Bratsche etwas vom klaren und durchdringenden Charakter des Geigentons ein und bekommt ihren etwas herben, rauchigen Ton. Dieses ist aber gerade das spezifische Merkmal, das den Ton der Bratsche ausmacht.

Wenn Sie einmal eine Bratsche in der Hand haben und vielleicht die Geige gewohnt sind, werden Sie als erstes ganz deutlich merken, dass Sie ein schwereres und größeres Instrument auf Ihrer Schulter liegen haben. Die schwingende Saitenlänge, (das ist der Abstand vom Steg, bis zum Obersattel) ist bei der Bratsche um einiges größer.

Die schwingende Saitenlänge beträgt bei der Geige ungefähr 33 cm und bei der Bratsche schwankt sie je nach Modell von 36 bis sogar 43 cm. Sie sehen schon, die Geigenbauer verwenden durchaus verschiedene Modelle. Es wird bei der Bratsche viel mit der Größe herumexperimentiert. Zwar gilt die grundsätzliche Annahme, dass ein größeres Instrument auch besser klingt. Andererseits ist es nicht für jeden Spieler geeignet. Und deswegen lassen sich die Geigenbauer alle möglichen baulichen Tricks einfallen, damit auch ein kleineres Instrument einen großen und schönen Bratschenton bekommt. Und – sie haben oft Erfolg damit. So kommt es, dass es durchaus verschiedene Größen von Bratschen gibt, die gut klingen. Als Bratscher sollte man sich daher sehr genau überlegen, was für ein Instrument für einen wirklich geeignet ist.

Aber was muss nun eine Bratschist auf seinem Instrument anders machen, um es zum Klingen zu bringen? Sehen Sie sich einmal das folgende Video an. Es sind vor allem zwei Dinge, die man auf diesem Instrument beachten sollte.

Es sind also diese zwei Komponenten, die beim Bratsche Spielen wirklich anders sind.

Da das Instrument insgesamt größer ist, liegen die zu greifenden Töne auch weiter auseinander als auf der Geige. Man verwendet aber grundsätzlich gesehen keine andere Greifweise als die der Geige, wie jetzt zum Beispiel beim Cello. Nein, man muss sich einfach an die größeren Griffe gewöhnen. Außerdem muss man den Arm weiter ausstrecken, um die Töne zu erreichen, schließlich ist das Instrument ja insgesamt länger.

Der wesentliche Punkt im Streichen besteht nun darin, dass Sie die längeren, schwereren und daher auch etwas trägeren Saiten mit mehr Bogengewicht angehen müssen. Gerade in diesem Punkt liegt aber auch das Reizvolle am Bratschenspiel. Wenn man es als Geiger kennt, wie leicht man einen Ton mit dem Bogen „zerdrücken“ kann, dann wird man es schätzen lernen, wenn man sich einmal mit voller Seele in die C-Saite hineinlegen kann.

Hören Sie sich einmal den Beginn des Streichquartetts „Aus meinem Leben“ von Friedrich Smetana an, dann wissen Sie, was ich meine. Oder hören sie sich die „Arpeggione Sonate“ von Franz Schubert an. Dieses Stück wird zwar genauso auf dem Cello gespielt, aber ich sagen Ihnen, Sie werden den Bratschenton lieben.

Aber wissen Sie eigentlich, woher die Bratschenspieler dieses Image des leicht unterbemittelten und immer ein wenig zu trägen Spielers mitbekommen haben?

Schon in der Mannheimer Hofkapelle, dem Orchester des Kurfürsten Karl Theodor, war es so, dass man dem jungen Geigenspieler, zunächst einmal im Orchester den Platz in der Bratschenstimme zuwies. Die Bratschenstimme ist in der Orchesterliteratur zumindest in der Barockzeit und der frühen Klassik weniger virtuos gestaltet, sodass hier der Orchesterspieler sich leichter in das Orchesterspiel einfügen konnte. Somit war damals die Bratsche sozusagen das „Lehrlingsinstrument“. Können Sie sich vorstellen, was diese Stellung für ein Licht auf das Berufsbild der Bratscher wirft?

Aber eine Sache ist interessant daran. Wenn man die Geschichte des Instrumentalspiels betrachtet, bemerkt man, dass es gerade in der Barockzeit und der Klassik wesentlich selbstverständlicher war, mehrere Instrumente zu spielen. Das ein Geiger damals auch Bratsche spielte, war völlig normal. Eine Spezialisierung, wie wir sie heute betreiben war damals undenkbar.

Und so möchte ich Sie auch gerne anregen: sofern sie Geige spielen: Probieren sie es doch auch mit der Bratsche. Sie werden es ganz bestimmt nicht bereuen. Und – Bratscher sind in Laienorchestern meistens in der Unterzahl und daher stets willkommen.

Machen Sie es gut, und haben Sie viel Vergnügen bei Ihren Experimenten an der Bratsche

Felix Seiffert

Geige lernen – oder, wie Sie einen gelungenen Start hin bekommen Folge 3

Ein kleiner Lehrgang, um gleich von Anfang an in einer natürlichen Grundhaltung das Geigenspiel zu lernen.

Jetzt haben Sie bereits 2 Blogartikel gelesen, in denen es um Vorübungen zum Geigenspiel geht. Kann es denn jetzt nicht langsam einmal losgehen? Mit einer guten Haltung alleine und mit dem Zupfen der Saiten mit dem kleinen Finger ist doch noch keine Musik gemacht. Wir wollen doch Geige spielen lernen, und nicht nur halten.

Jetzt soll es aber richtig los gehen! Wir werden heute die ersten Töne greifen. Zunächst einmal finden wir eine gute Handstellung an der Geige, die uns alles ermöglicht.

Es geht darum, dass Sie auf natürliche Weise und ganz beweglich zu ihrer ersten Handstellung auf der Geige finden. Man nennt diese Stellung die „erste Griffart“ und sie liegt innerhalb der „ersten Lage“.

Sollten Sie bereits im stolzen Besitz einer Geige oder Bratsche sein, dann kennen sie ja vielleicht den Umstand, dass man sich beim Greifen auf dem Instrument irgendwie leicht verkrampft. Ja die ganze Haltung lädt gewissermaßen dazu ein, etwas zu fest zuzupacken, und schon leicht hat man einem Krampf im Arm, oder man fühlt sich sonderbar unbeweglich bei der Sache.
Wenn Sie allerdings Geige lernen möchten, und dabei viel Freude haben wollen, dann sollten sie diesen Grundaspekt möglichst gleich von Anfang an beherzigen, und sich wirklich in die Lage bringen, sich beim Spielen wohl fühlen zu können.

Um dies zu ermöglichen, hat Paul Rolland sinngemäß den Satz geprägt, dass man „immer aus der Bewegung in eine Stellung“ finden soll. Beim Musizieren bleibt der Mensch stets in seiner Beweglichkeit. Alles starre in einer Position Verharren, (um ja nichts verkehrt zu machen) ist der Sache weniger förderlich. Und deshalb reden wir am Anfang gar nicht von einer Haltung oder von einer Stellung des Arms. Nein die Sache findet sich aus der Bewegung heraus.

Aus diesem Grund habe ich Ihnen im unten stehenden Video einmal gezeigt, wie das bei der Geige geht. Muss ich noch erwähnen, dass es im Prinzip bei der Bratsche genauso funktioniert?

Die Sache beginnt mit eben jener Harfenpizzicato Übung, die Sie schon kennen, allerdings jetzt in Spielhaltung. Sie halten die Geige auf dem Arm, sichern sie mit der rechten Hand und jetzt geht es vor allem darum, dass der Ellbogen unter dem Instrument frei schwingen kann.

Diese Pendelbewegung des Ellbogens ist der Garant, dass Sie später auf den verschiedenen Saiten greifen können, ohne sich im Handgelenk verbiegen zu müssen. Eine sehr sinnvolle Maßnahme ist das. Es entsteht sozusagen ein Pendel, und über dem Griffbrett ein kleines Gegenpendel, das die Finger über die verschiedenen Saiten bringt.

Nun gibt es aber eine weitere wichtige Bewegung, nämlich die des Arms, dem Griffbrett entlang auf- und abwärts. Diese Bewegung ist später nötig, um die Hand in die verschiednen Lagen auf dem Griffbrett zu bringen. Im Kleinen korrigieren Bewegungen in dieser Richtung die Tonhöhe, also die Intonation. Und außerdem ist das Vibrato, auf welche Weise man es am Ende auch immer macht, eine Bewegung in eben dieser Richtung. Zunächst benötigen wir allerdings diese Bewegung, um aus der Bewegung heraus eine gute Handstellung für unseren ersten Griff zu finden.

Gleiten Sie also zunächst mit der linken Hand bei nach oben gestreckten Fingern am Griffbrett entlang.
Als Zweites lassen Sie Ihre Finger leicht auf der Saite hin und her gleiten und halten Sie an, wenn der 3. Finger am 2. Punkt zu liegen gekommen ist. Nun drücken Sie die Saite mit ihren Fingern leicht auf das Griffbrett. Kümmern Sie sich dabei zunächst einmal nicht um die Abstände der Finger. Es geht einfach darum, zu spüren, wie Ihre Finger die Saite auf das Griffbrett bringen. Sie brauchen dabei kaum Kraft. Versuchen Sie es so leicht wie möglich zu machen. In dieser Stellung haben Sie zumindest die Stellung von 2. und 3. Finger gefunden. Wollen Sie die erste Griffart vervollständigen, müssen Sie nur noch den 1. Finger leicht zum ersten Punkt zurück ziehen.

Es mag Ihnen vielleicht etwas absonderlich erscheinen. Aber bei dieser Methode, die Stellung vor allem alleine zu finden, ist es sehr gut, wenn man zunächst mit ein paar geklebten Orientierungspunkten auf dem Griffbrett arbeitet. Auf diese Punkte kann man bald verzichten, aber die erste Orientierung ist wirklich sehr viel leichter zu bewerkstelligen.

möchten Sie noch einmal sehen, wie das geht mit den Klebepunkten?

Markierungen auf dem Griffbrett

Viel Vergnügen mit dem Video. Ich hoffe, es gibt Ihnen genügend Aufschluss darüber, wie Sie sich die Beweglichkeit am Instrument gleich von Anfang an bewahren können.

In diesem Sinne: frohes und bewegliches Üben wünscht Ihnen

F. Seiffert

Folge 1   Folge 2

Geige lernen – oder, wie Sie einen gelungenen Start hinbekommen Folge 2

Ein kleiner Lehrgang, um gleich von Anfang an in einer natürlichen Grundhaltung das Geigenspiel zu lernen.

Nachdem Ihre erste Übung im letzten Video gezeigt wurde, und Sie schon etwas selbstverständlicher Ihre Geige im Arm halten, möchte ich Ihnen den Übergang zu der wirklichen Spielhaltung zeigen.

Wie man ja weiß wird die Geige auf dem Arm getragen, und diese Haltung bedarf etwas Vorbereitung.

Nebenbei bemerkt: Wissen sie dass italienische Ursprungswort der Geige „Viola da braccia“ heißt? Daraus leitet sich auch der Name der etwas größeren Geige – der „Bratsche“ ab. „Braccia“ heißt nichts anderes als der „Arm“. Es geht also um die Geige, die auf dem Arm getragen wird.
Hier in Bayern, wo ich wohne, verwendet man für die Arme oder Hände das Wort „Bratzen“. Woher das wohl kommen mag?
Im Gegensatz dazu steht die Familie der „Gamben“ Gamba bedeutet das „Bein“. Die Viola da Gamba ist die Geige, die auf dem Knie gespielt wird. (Was jetzt aber nicht bedeutet, dass das Violoncello dadurch automatisch den Gamben zugeordnet wird)

Aber nun zu unserer Spielhaltung: Es gibt verschiedene Wege, zu dieser Haltung zu finden. Einen anatomisch besonders wertvollen Weg möchte ich Ihnen hier zeigen, wobei sie diesen Weg niemals sehen, wenn ein Geiger seine Geige anlegt. Er ist vielmehr am Anfang sehr gut dazu geeignet, den Spieler zu einer gewissen Leichtigkeit beim Halten der Geige zu führen.

Halten Sie die Geige zunächst mit der Linken Hand am Halsansatz und mit der Rechten am Schlussknopf. Jetzt halten Sie die Geige über ihrem Kopf, sodass Ihre Arme nach oben gestreckt sind. Gute wäre es auch, die Hände mit der Geige über dem Kopf ins Schwingen zu bringen. Gute Haltung entsteht immer aus Bewegung, nie aus Starrheit.

Nun lassen Sie die Geige nach unten auf Ihre Schulter sinken. Sobald die Schulterstütze auf der Schulter angekommen ist, dürfen Sie die rechte Hand loslassen und das Kinn leicht auf den Kinnhalter legen.

Wichtig hierbei: Drücken Sie nicht mit dem Kopf auf die Geige! Wenn Sie den Kopf leicht mit seinem Eigengewicht auf die Geige legen, reicht es vollkommen aus.

Als weiteres sollten Sie beachten: Lassen Sie die Schulter in ihrer ganz natürlichen Höhe. Ziehen Sie sie nicht nach oben um die Geige zu halten. Sollte es der Fall sein, dass Sie entweder die Schulter hoch ziehen oder den Kopf zu sehr neigen müssen, ist wahrscheinlich die Schulterstütze zu tief eingestellt. Je nach Länge des Halses eines Menschen, muss man die ideale Höheneinstellung der Schulterstütze heraus finden.

Aber warum verwenden wir diesen Trick, die Geige von weit oben aufzusetzen?

Nun, bei vielen Anfängern auf der Geige ist zu beobachten, dass sie eine gewisse Mühe haben, das Instrument hoch genug zu halten. Oft wird der Arm schwer und dann soll auch noch die Geige waagrecht gehalten werden. Dem soll durch das Aufsetzen der Geige von oben entgegen gewirkt werden. Probieren Sie es einmal aus. Sie werden merken, wie leicht sich die Geigen Haltung anfühlt, wenn Sie die Geige zuerst weit über dem Kopf gehalten haben.

In diesem Sinne wünsche ich frohe Stunden mit Ihrem Instrument.

F.Seiffert

Folge 1  Folge 3

 

Geige lernen – oder, wie Sie einen gelungenen Start hinbekommen Folge 1

Ein kleiner Lehrgang, um gleich von Anfang an in einer natürlichen Grundhaltung das Geigenspiel zu lernen.

Haben Sie sich entschlossen, Geige zu lernen? Oder liebäugeln Sie damit? Nun, es ist ja immer so eine Sache, sich auf etwas Neues einzulassen und nicht richtig zu wissen, was auf einen zu kommt. Diese kleine Folge von Blogbeiträgen soll etwas Licht in die Sache bringen. Sie soll Ihren Fokus aber auch auf einen wesentlichen Punkt richten: auf Ihre eigene Körperwahrnehmung. Bestimmt ist Ihnen aufgefallen, dass ausgebildete Musiker die Sache immer mit großer Leichtigkeit angehen. Oft wirkt es, als mache das Instrumentalspiel dem Musiker überhaupt keine Mühe.

Diese Leichtigkeit, die man bei den Musikern beobachten kann, kann man durch intensives Üben erzielen. Früher wurde gesagt, dass dieses geduldige Üben, über viele Jahre hin, und am besten vom frühesten Kindesalter an, überhaupt die einzige Lösung ist, die zu solch einem Resultat führt. Heute haben sich hingegen Lehrmethoden entwickelt, die diesen Prozess differenzierter betrachten. Sie richten ihr Augenmerk wesentlich mehr darauf, was genau die Aktionen sind, die wir bei Musizieren anwenden und wie wir dies tun, ohne uns gleichzeitig an anderer Stelle dabei zu behindern.

Alles, was Sie am Instrument tun, sollte in jeder Hinsicht gefühlvoll und zielgerichtet sein. Geige lernen bedeutet unter anderem, dass Sie Bewegungen kennen lernen, die genau das bewirken, was Sie tun wollen, nämlich Streichen und Töne greifen. Sie werden lernen, wie Sie dies kraftvoll und zugleich mit Leichtigkeit tun können. Sie werden sich aber auch mit anderen Bewegungen befassen, die Ihre eigene Beweglichkeit steigern und erhalten. Und Sie werden dabei merken, dass es von entscheidender Bedeutung ist, dass Sie sich Ihrer Bewegungen bewusst werden. Ihre Bewegungen werden gerade durch diese innere Aufmerksamkeit flexibel und einfach, so dass Sie sich beim Instrumentalspiel wohl und voller Leichtigkeit fühlen können.

Wenn Sie jetzt mit dem Erlernen des Geigenspiels beginnen und dabei gleich auf die richtigen und ausgewogenen Bewegungen achten (und dabei gut angeleitet werden) können Sie bemerken, dass Sie mit der Zeit immer mehr Beweglichkeit entwickeln. Sie werden merken, dass Sie das Instrument nach einer Weile immer selbstverständlicher in die Hand nehmen, und Ihnen das Wesentliche, die Gestaltung des Tons immer leichter fallen wird. Vielleicht werden Sie zuerst ein paar kleinere Hürden überwinden müssen, aber dann werden Sie mit Leichtigkeit die Saiten abgreifen und Ihrem Instrument die angenehmsten Klänge entlocken.

Und das Beste: Sie werden bemerken, was es für eine Freude macht, wenn Sie mit Gleichgesinnten, in einem Orchester oder in einer anderen kleineren Formation miteinander musizieren.

Habe ich Ihnen bereits Lust dazu gemacht?

Dann wollen wir einmal damit beginnen, Geige zu lernen.

Zuerst müssen Sie ein Gefühl dafür bekommen, was Sie da für ein Instrument in der Hand halten.

Dafür eine kleine Übung. Nehmen Sie die Geige, und halten Sie sie, ähnlich wie eine Gitarre, vor Ihre Brust. Die Schnecke des Instruments halten Sie in etwa auf der Höhe der Schulter.
Nun geht es darum, dass Sie mit Ihrer linken Hand um das Instrument herum greifen und mit Ihrem kleinen Finger alle vier Saiten der Reihe nach anzupfen. Dabei legen Sie den Daumen in die Beuge am unteren Ende des Halses. Dieses Anzupfen machen Sie nicht einzeln Saite für Saite, sondern in einer Bewegung. Dadurch ergibt sich eine harfenähnliche Tonfolge. Wichtig hierbei: Die Bewegung muss aus dem ganzen Arm kommen. Begeben Sie sich dabei mit dem Ellbogen unter die Geige, und ziehen Sie ihn bei der Zupfbewegung nach hinten. So erlangen Sie sowohl die Stabilität im Handgenk, also auch die Stärkung des kleine Fingers. Wenn Sie Geige lernen möchten, ist es wichtig, dass Sie gleich am Anfang einen beweglichen Umgang mit dem Instrument bekommen und es wie selbstverständlich und mühelos im Arm tragen.

Habe ich etwas vergessen? Ja klar: Die vier Saiten heißen von unten nach oben: G D A E

 

Wenn Sie wollen, schauen Sie sich das Ganze einfach noch einmal im Video an:

Ich hoffe, diese kleinen Übungen helfen Ihnen beim Vorankommen. Im nächsten Beitrag (Teil 2 der Folge) befassen wir uns mit der leichtesten Methode, mit der Sie zu einer ausbalancierten Spielhaltung kommen.

bis dahin herzlichst

Ihr Felix Seiffert

Folge 2  Folge 3

 

Gute Bogenführung durch Stützen – 2

Erinnern wir uns daran, dass wir mit unseren Bewegungen, dann zu einer guten Tonbildung finden, wenn wir es schaffen, während des Streichens in unseren Gelenken beweglich zu bleiben. Wir wollen ja schließlich spüren, wie unser Bogen die Saite anstreicht. Es ist eine der besten Erfahrungen, die wir beim Streichen machen können, zu spüren, wie wir einerseits uns einen Ton vorstellen, ihn dann ausführen und dabei spüren wie er entsteht. Und letztlich hören und spüren wir das gleichzeitig das Resultat, und sind so auf mehreren Ebenen mit dem Entstehen der Musik verbunden. Ein wirklich erhebendes Gefühl, so im Fluss des Geschehens zu sein. Möchten Sie dazu das voranstehende Kapitel noch einmal zu Gesicht bekommen? Gute Bogenführung durch Stützen

Erinnern wir uns außerdem daran, dass wir in unseren Bewegungen größtmögliche Beweglichkeit erlangen, wenn wir uns in einem ausbalancierten Zustand befinden. Und Balance ist, wie wir alle wissen ein Zustand zentrierten Gewichts auf einem Auflagepunkt. Nennen wir es „Stützen“. Und wenn wir uns nun grundsätzlich mit der Thematik des aufgestützten Streichens (Link) auseinandersetzen, müssen wir uns überlegen, wie denn nun das notwendige Gewicht des Bogens auf der Saite zustande kommt.

Nun ist die Sache einfach zu verstehen, wenn man sich beispielsweise mit den Fingern der rechten Hand auf einer Tischplatte aufstützt. Diese Übung ist nun zunächst für die Bogenhand gedacht, aber es würde Sinn machen, die gleich mit beiden Händen auszuführen. Welche positive Auswirkung die auf die Funktion der linken „Greifhand“ hat, darüber in einem anderen Kapitel. Tragen Sie zunächst Ihre Hand einige Zentimeter über der Tischplatte. Spüren sie das Gewicht Ihres Arms? Sie tragen nun Ihren Arm und die Hand.

Arm trägt Hand

Ein ganz anderer Zustand tritt ein, wenn Sie nun ihre Hand auf die Tischplatte stellen. Stellen Sie dabei Ihre Finger mit den Fingerspitzen so steil auf die Tischplatte dass sie beim Aufsetzen das Gewicht des Arms abfedern können. Bei diesem Abfedern beugen sich die vorderen Fingergelenke und die Grundgelenke federn durch, biss sie auf einen Anschlag treffen. Zunächst ist es leichter, diese Übung ohne Mitwirkung des Daumens zu machen; wichtig ist aber hier noch einmal, dass die Fingerspitzen steil genug auf dem Tisch stehen, damit die vordersten Fingergelenke sich beim Abfedern, beugen können und nicht die Tendenz haben, sich durch zu drücken.

ohne Daumen

so sollte es nicht aussehen

Machen Sie jetzt die gleiche Übung und nehmen Sie den Daumen dazu. Sehen Sei bitte zu dass sich auch der Daumen beim Abfedern biegt. Alle Gelenke des Daumens sind flexibel und in der Lage, sich durch zu biegen. Versuchen Sie es. Das Schöne an dieser Übung ist, das sie sich sozusagen überall durchführen lässt. Am Schreibtisch, während einer Arbeitspause, oder wo Sie auch wollen. Und ich würde Ihnen auch empfehlen eine solche Übung auch sehr oft zu üben, da es für das ganze Spielen des Instrumentes enorm förderlich ist, wenn die grundlegenden Bewegungen völlig selbstverständlich ablaufen können. Und das ist auch ohne große Mühen möglich , wenn man sie sich auf einfache Weise eintrainiert.

aufsetzen

„Eintauchen“ mit den Grundgelenken

Spüren Sie, wie sich das Gewicht des Arms auf der Hand abstellt? Spüren Sie, wie sich die Muskulatur des Schultergelenks bei dieser Aktion entspannen kann. Man kann regelrecht das Gefühl bekommen, dass der Oberarm ein kleines Stück weit aus dem Schultergelenk „herausfällt“ Dies ist nun der Zustand, an dem das Armgewicht von der Hand getragen wird.

Machen wir uns noch einmal die beiden Zustände bewusst.

Hand in der Luft: Arm trägt Hand
Hand aufgestützt: Hand trägt Arm

Mehr davon im nächsten Beitrag

Es grüßt Sie freundlich

Felix Seiffert

Die Streichbewegung auf dem Cello

Eine wichtige Vorübung, um sich an die Streichbewegung zu gewöhnen, ist die Übung mit Stab und Röhre. Sie benötigen dazu einen Holzstab (ca. 12 mm Durchmesser; in jedem Baumarkt billig zu beziehen) und eine Pappröhre. Ich verwende am liebsten den inneren Kern einer Frischhalte- oder Alufolie. Sie hat einen schmalen Durchmesser und gibt dem Stab damit eine exaktere Führung als beispielsweise das Innere einer Haushaltsrolle

Zunächst bauen Sie am Stab Ihren Bogengriff auf.
Möchten Sie dies noch einmal nachsehen? Der Bogengriff bei Geige, Bratsche und Cello

Mit Ihrer Linken halten Sie sich nun die Röhre in Nabelhöhe etwa 30 cm quer vor Ihrem Bauch.

die Grundstellung

Diese Stellung simuliert recht genau die Stelle, an der der Bogen beim Cello auf der Saite liegt. Außerdem gibt die Röhre dem Bogen eine Führung, und zwingt ihn somit, sich auf einer Geraden zu bewegen. So stellt sich die gekoppelte Bewegung der einzelnen Teile des Arms fast von alleine ein, da sie die Basis bildet für die korrekte Streichbewegung auf dem Cello.

Eines sei hierbei noch bemerkt. Diese Übung eignet sich für das allererste Einüben von Bewegungen. Wir gehen stets vom Groben zum Feinen. Das heißt, wir schließen die feinmotorischen Bewegungen der Finger zunächst noch nicht mit ein. Der Fachmann möge mir verzeihen, dass somit die Streichbewegung auf dem Cello noch nicht in ihrer feinmotorischen Gesamtheit beschrieben ist. Meines Erachtens ist es zunächst besser, sich einmal mit der Bewegung des Armes und des Handgelenks zu beschäftigen und später erst zur Fingerbewegung zu kommen.

Also sehen Sie bitte zu, dass Sie während der ganzen Übung den Bogengriff an der Stange aufrecht erhalten. Lassen Sie es bitte nicht zu, dass die Finger auf der Stange verrutschen. Nur so ist gewährleistet, dass sich der Arm die richtige Bewegung einübt. Ziel unserer Übungen ist es immer, dass eine Bewegung selbstverständlich wird. Es soll so leicht gehen wie Sie mit Ihrem Arm beispielsweise eine Tür öffnen, oder den Schaltknüppel Ihres Autos bedienen.

Stecken Sie nun den Stab in die Röhre und begeben Sie sich mit der Bogenhand ganz bis zur Röhre. Fast automatisch wird sich Ihr Handgelenk leicht anheben. Lassen Sie es zu, aber übertreiben Sie es bitte nicht.

am „Frosch“

Wenn sie jetzt die Stange etwas aus der Röhre heraus ziehen, werden Sie sehen, dass der Handrücken in etwa mit dem Unterarm eine Linie bildet. Der Ellbogen hebt sich dabei leicht.

in der „Mitte“

Strecken Sei nun noch den Arm aus, bis sich Ihr Ellbogen durchstrecken muss. Wichtig hierbei noch einmal: Bitte verrutschen Sie mit den Fingern nicht auf der Stange. Die Stellung der Hand am Bogen sollte unbedingt aufrecht erhalten werden. Es bewegen sich dadurch während der Bewegung der Oberarm, die Schulter etwas, der Ellbogen und natürlich das Handgelenk. Dies sind die Hauptkomponenten, die die Streichbewegung auf dem Cello ausmachen.

Wenn Sie nun bei der Armstreckung angekommen sind, achten Sie bitte darauf, dass das Handgelenk nicht „einsinkt“. Der Handrücken soll mit dem Unterarm eine Linie bilden und das Handgelenk darf nicht darunter hängen.

Nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen bei dieser einfachen Übung. Versuchen Sie die Bewegung flüssig auszuführen. Die Röhre wird Ihren Arm perfekt führen und sie werden damit eine wichtige Hürde für die Streichbewegung auf dem Cello gleich zu Beginn überwinden.

Herzlichst

Felix Seiffert

Der Bogengriff beim Kontrabass

Mit dem Kontrabassbogen verhält sich die Sache nun ganz anders, als bei den übrigen Streichern. Er wird hierzulande im „Untergriff“ gehalten. Sieht man einmal nach Frankreich, wird man feststellen, dass dort in den Orchestern, der Kontrabass ähnlich gespielt wird wie hierzulande das Cello (also mit dem Obergriff auf einem Bogen, der dem des Cellos doch abgesehen von seiner Stärke recht ähnlich ist).

Auch Das Unterrichtsmaterial, das ich in meiner Arbeit mit Streicherklassen verwende, beschreibt beide Haltungen, sodass ich zunächst einmal geneigt war, sogar den Bassisten den französischen Obergriff, um der Einheitlichkeit Willen, beizubringen. Als ich dann einmal einen solchen französischen Bassbogen in den Hand bekam, wurde mir allerdings sehr schnell klar, um wie viel leichter es ist, den Deutschen Bogen im Untergriff zu führen. Und so möchte ich (die Fans der französischen Spielweise mögen mir bitte verzeihen) sowohl in den Streicherklassen als auch in meinen Erwachsenenkursen gerne beim Deutschen Bogen mit dem Untergriff bleiben.

Aber auch hier gibt es eine Menge Varianten den Bogen zu halten. Ich verlege mich daher auf eine recht bewährte Methode, die aber wie gesagt, nur eine von verschiedenen Möglichkeiten darstellt.

Das Grundgerüst der Bogenhaltung lässt sich recht einfach an einem Holzstab üben. Lassen Sie den rechten Arm im Stehen gerade herab hängen und betrachten Sie Ihre Hand. Sehen Sie sich an, welche Stellung Ihre Finger natürlicher Weise einnehmen. Beim einen Spieler stehen sie etwas gebeugter , beim Anderen etwas gerader. Legen Sie sich nun den Holzstab in die Beuge zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger. Wichtig ist hierbei, dass Sie das Handgelenk nicht kippen. Der Handrücken steht in direkter Verlängerung zum Unterarm. Dies soll beim Bogengriff so bleiben. Den Holzstab hingegen halten Sie zunächst mit der linken Hand so, dass er waagrecht im Raum steht. Nun kommt Ihr Mittelfinger, krümmt sich, und balanciert den Stab, sodass zwischen ihm und dem Arm ein rechter Winkel entsteht. Also Arm senkrecht – Holzstab waagrecht.

Hand senkrecht – Stab waagrecht

auf dem Mittelfinger balanciert

Versuchen wir genau das Gleiche mit dem Bassbogen, so legen wir ihn hinter dem Frosch in die Beuge des Daumens. Der Mittelfinger balanciert den Bogen am vorderen Ende. Nun kommt der Zeigefinger dazu und legt sich zum Mittelfinger.

Der Bassbogen auf Mittel- und Zeigefinger

Also nächstes kommt der kleine Finger dran. Er hat die wichtige Funktion, die „Kantung“ des Bogens zu kontrollieren. Die Kantung meint den Winkel den die Haare im Verhältnis zur Schräge der Saiten einnehmen. Vergleichen Sie es ganz einfach mit der Kantung beim Skifahren. Möchten Sie quer zum Berg einmal stehen bleiben, dann sind Sie gut beraten, die Skier zu kanten, da Sie sonst seitlich den Berg hinunter rutschen würden. Das nennt man Kantung, und sie ist auch beim Streichinstrument je nach Anforderung an den Ton mehr oder weniger angesagt. Stellen Sie nun den kleinen Finger gekrümmt mit seiner Spitze auf die Unterseite des Frosches. Der Ringfinger hat nun eher die Funktion eines „Mitläufers“ er legt sich an den Mittelfinger und kommt so im „Maul“ des Frosches zu liegen.

Der Kleine stützt

Wichtig ist es nun, dass die Finger so weit gebeugt an der Bogenstange anliegen, dass durch das Beugen und Strecken der Finger der Frosch des Bogens in Strichrichtung verschoben werden kann. Erst dies ermöglicht einen flexiblen Anstrich der Saite. Hier sind wir wieder beim Thema „Durchlässigkeit“ der Gelenke der Hand und des Arms. Nur mit der Möglichkeit, dem Reibungswiderstand der Saite unter dem Bogen in gewisser Art nach zu geben, sind wir in der Lage den Anstrich auch zu spüren und entsprechend bewusst zu formen.

gebeugte Finger

gestreckte Finger

Auf einen oft gesehenen Kapitalfehler sei hier noch aufmerksam gemacht. Bitte richten Sie die Handfläche so ein, dass sie zunächst zum Bogen in einem 90 Grad Winkel steht. Andernfalls werden Sie sich im Bemühen um einen gut gestrichenen Ton das Rückgrad verbiegen und nicht glücklich werden. Die Höhe des Basses sollte möglichst so eingestellt werden, dass es möglich ist bei waagrecht gehaltenem Bogen und ausgestrecktem Arm in etwa in der Mitte zwischen Griffbrett und Steg zu streichen. Stellen Sie sich Ihren Arm wie ein großes Pendel vor. In etwa streichen Sie mit einer solchen Bewegung auf dem Bass gerade. Versuchen Sie allerdings durch eine Beugebewegung im Ellbogen zu streichen, kommt es zwangsläufig zu der oben beschriebenen Fehlhaltung mit sowohl körperlichen als auch tonlichen Konsequenzen.

Bitte nie so!

Es grüßt Sie herzlich

Felix Seiffert

Der Bogengriff bei Geige, Bratsche und Cello

Kommen wir zu den Funktionen der einzelnen Finger beim Bogengriff.

Übung 1

Beginnen wir mit einer einfachen Übung: Sie bilden mit dem Mittelfinger und dem Daumen der rechten Hand einen Ring. Dieser Ring wird gebildet, indem der Daumen sich mit seiner äußersten Spitze in die Falte des vordersten Gelenks des Mittelfingers stellt.

alle Gelenke gebeugt

Wichtig hierbei: Sehen Sie zu, dass alle Gelenke leicht gebogen sind. Alle Gelenke benötigen, um beweglich zu bleiben, Bewegungsspielraum in beide Richtungen; zum Beugen und zum Strecken. Ein Gelenk, das sie auf Anschlag bringen, wie etwa einen durchgedrückten Daumen, wird die Bewegungsfähigkeit des entsprechenden Fingers außer Kraft setzen.

Übung 2

Sie bilden wieder den Ring, setzen aber einen dicken Buntstift zwischen die Daumenspitze und den Ringfinger. Der Stift fungiert hier als Stellvertreter für den Bogen. Mit ihm können Sie spielerisch ausprobieren, wie leicht und flexibel man einen Gegenstand in die Hand nehmen kann. Selbst wenn er ihnen dabei versehentlich aus der Hand fallen sollte, wäre das kein Unglück.
Sehen Sie zu, dass der Daumen mit seiner vordersten Spitze den Bleistift berührt. Nur so ist gewährleistet, dass das vorderste Gelenk des Daumens nicht durchgedrückt wird. Versuchen Sie, mit den Fingern beweglich zu bleiben; rollen Sie den Bleistift zwischen Daumen und Mittelfinger etwas hin und her. Rollen Sie den Stift aber bitte nur so wenig, dass sich der Daumen nicht mit der flachen Daumenkuppe auf den Stift stellt, sondern stets mit seiner Spitze.

von vorne

Übung 3

von der Seite

Legen Sie nun den Ringfinger auf den Bleistift auf. Hier kommen wir zu einem ersten Unterschied des Greifens am Geigen- bzw. Bratschenbogen und dem Cellobogen. Bei der Geige (und auch Bratsche, der Griff ist bei beiden Instrumenten im Prinzip gleich) wird der Ringfinger einfach neben den Mittelfinger gelegt. Der Ring zwischen Mittelfinger und Daumen bleibt erhalten. Wichtig ist es, an dieser Stelle noch einmal zu betonen, dass es sich hierbei nie um einen starren Ring handeln darf. Flexibilität ist oberstes Gebot!
Beim Cellobogen hingegen verschiebt sich die Stellung des Mittelfingers in so fern, als er, aus der Sicht des Spielers, etwas mehr Links zu liegen kommt. Legt man nun den Ringfinger auf, steht der Daumen zwischen ihm und dem Mittelfinger.

Geige: Daumen hinter dem Mittelfinger

Cello: Daumen zwischen Mittel- und Ringfinger

Übung 4

Nun kommt der kleine Finger dran. Hier liegt der größte Unterschied in der Haltung zwischen Geigen- und Cellobogen. Aufgrund der unterschiedlichen Haltung der hohen und der tiefen Streichinstrumente ergeben sich unterschiedliche Funktionen des kleinen Fingers. Er wird beim Geigenbogen auf die Stange gestellt; seine Hauptfunktion ist das Gegenstützen in bestimmten streicherischen Situationen. Achten Sie hierbei wieder darauf, dass die Gelenke des Fingers leicht gebeugt sind. Idealer weise steht der Finger rund auf der Stange. Dies wird umso leichter  möglich, wenn der Bogen schließlich beim Spielen auf das Instrument gestützt wird.
Beim Cellobogen hingegen muss der kleine Finger zusätzlich zum Stützen die Funktion des Ziehens übernehmen. Mit dem kleinen Finger hält der Cellist den Bogen in „Stegnähe“ Daher legt sich der kleine Finger wie die übrigen Finger ein wenig über die Stange. Allerdings nicht so weit wie die anderen. Er sollte mit seinem vordersten Fingerglied die Bogenstange (oder hier eben den Stift) berühren.

Geige: kleiner Finger steht auf der Stange

Cello: kleiner Finger ragt über die Stange hinaus

Übung 5

Als letztes wird der Zeigefinger auf die Stange gelegt. Er berührt die Stange kurz unterhalb seines mittleren Fingergelenks. An dieser Stelle sei erwähnt, dass über die Jahrhunderte des Violinspiels immer wieder verschiedene Auflagepunkte des Zeigefingers gewählt wurden. So legt beispielsweise die Russische Geigenschule den Finger weiter über die Stange, sodass das mittlere Fingergelenk noch über die Stange geschoben wird. Das verleiht dem Ton etwas mehr Kraft, schränkt aber meines Erachtens die Beweglichkeit etwas ein.
Egal auf welche Weise Sie den Zeigefinger einsetzen möchten; eines vollzieht sich in jedem Bogengriff unabhängig vom gespielten Instrument. Dadurch dass der Zeigefinger weiter über die Stange geschoben wird, als die anderen Finger, kann sich die Hand auf diesen Finger stützen und so das Armgewicht auf den Bogen übertragen. Durch ein Heben und Senken des Ellbogens kann so das Gewicht auf dem Bogen verstärkt oder abgeschwächt werden. Im Fachbegriff nennt man dies „Pronation“

Der fertig angelegte Griff sieht nun so aus:

Geige

Cello

Ein weiterer Hinweis:

Sehen Sie sich einmal die Stellung Ihrer Hand von oben an. In dieser Perspektive ist es wichtig, dass die Finger und damit die und damit die Ausrichtung der ganzen Hand im 90 Grad Winkel zur Bogenstange stehen. Dies ist eine feste Vorgabe, die nach einer gewissen Zeit des Lernens präzisiert und verfeinert werden muss, aber zunächst für die motorische Ausrichtung des Bogenstrichs von herausragender Bedeutung ist. Zunächst führt man sozusagen den Bogen mit einer an der Stange fixierten Hand. Dies gibt einem die Möglichkeit, die Richtung des Bogenstrichs zunächst relativ grobmotorisch nur aus der Bewegung des Arms und der gesamten Hand heraus einzuüben. Nur bitte ich Sie, diese Vorgabe nicht als eine allgemeine Regel anzusehen. Für einen differenzierten Bogenstrich ist, sobald die Strichrichtung im Arm einmal eingestellt ist, ein ganz bestimmter Einsatz der einzelnen Finger unbedingt von Nöten. Aber davon ein andermal mehr…

Nebenbei sei hier angemerkt, dass im Laufe der Ausbildung von guten und ausbalancierten Bewegungen am Streichinstrument zunächst immer von den eher grobmotorischen Bewegungen der Arme ausgegangen wird. Sind die Bewegungen so erst einmal gut einstudiert, macht es Sinn, sich um die feineren Bewegungen der Hand und der einzelnen Finger genau zu kümmern. Wir gehen stets vom Groben zum Feinen.

Seien Sie hiermit herzlich gegrüßt

Felix Seiffert