Die Cellohaltung – was Du für Dein bewegliches Spielen wissen musst

Wie ist es mit der Cellohaltung?

Erinnerst Du Dich an den Beitrag, bei dem es um die Haltung der hohen Streichinstrumente ging?

Ich denke die Hauptaussage darin war, dass man sich nur in einem ausbalancierten Zustand wirklich frei bewegen kann. Und wie das beim Cello geht, möchte ich Dir heute zeigen.

Wenn Du jemals hinter einem Cello gesessen hast, wirst Du gemerkt haben, dass man dieses Instrument im Gunde gar nicht halten muss. Das Cello steht auf einem Stachel und es wird leicht gegen den eigenen Brustkorb gelehnt. Damit es seitlich seinen Halt findet, wird es von den Beinen leicht gestützt, und das war es auch schon.

Cellohaltung

Ausbalanciertes Sitzen – leicht gegen das Cello angelehnt

Und welche Konsequenz hat das? Stell Dir vor: Du hast wirklich beide Hände und Arme frei. sie brauchen sich nur um das eigentliche Spielen zu kümmern. Du brauchst das Instrument mit den Armen nicht halten! Unglaublich, nicht? Aber so läuft es bei der Cellohaltung.

Die Basis der Cellohaltung

Natürlich brauchst Du auch am Cello eine ausbalancierte Körperhaltung um wirklich mit den Armen frei beweglich zu sein. Das will Dir das unten gezeigte Video erklären.

Wenn hier von einer aufrechten Beckenhaltung die Rede ist, und von Beinen, die senkrecht auf dem Boden stehen, dann könnte man auf der anderen Seite auch sagen: Nimm eine Sitzposition ein, von der aus Du jederzeit leicht aufstehen kannst. Das funktioniert nicht, wenn Du Dich anlehnst. Das funktioniert auch nicht, wenn sich Deine Füße unter dem Stuhl überkreuzen. Nein, es funktioniert dann am besten, wenn Du beim Sitzen alle Körperteile gut spüren kannst. Spüre, wie die Fußballen und die Hacken gleichermaßen den Fußboden berühren. Spüre, wie Du tief ins Becken atmen kannst, während Du in dieser aufrechten Position auf dem Stuhl sitzt. Halte Deinen Körper in einer natürlichen Aufrechte. Aus dieser Grundposition heraus kannst du Deine Arme und Hände am besten so einsetzen, dass Sie größtmögliches Gefühl für die Ansprache des Tons oder auch das richtige Greifen besitzen.

 

 

Punkt für Punkt

Fassen wir noch einmal kurz zusammen, um was es bei der Cellohaltung geht.

  • Setz Dich so auf einen möglichst geraden Stuhl, dass Du ohne Mühe aufrecht sitzen kannst. „Erden“ Deine Füße, und halte Deine Wirbelsäule aufrecht. Dabei ist es wichtig, dass Du nicht krampfhaft versuchst, gerade zu sitzen. Spüre mit Deinem Körpergefühl in Dich hinein und nimm die Haltung ein, die sich frei beweglich und ausbalanciert anfühlt.
  • Stell den Stachel Deines Instruments so ein, dass der Obersattel auf der Höhe des Ohres (eher des Ohrläppchens) steht.
  • Die kleine Beuge im unteren Bügel des Cellos kommt hinter dem Kniegelenk zum Sitzen. Je nach dem, wie Du gebaut bist, musst Du das Instrument aber tiefer zwischen die Beine, oder eben etwas weiter außen am Knie halten. Ich habe es auch schon erlebt, dass Menschen mit sehr kurzen Unterschenkeln und sehr langem Oberkörper das Cello mit dem Boden auf das Knie gelegt haben um zu einer ausbalancierten Haltung zu kommen. Diesen Kompromiss würde ich allerdings nur eingehen, wenn es absolut nicht anders geht. Immerhin würde so das Knie den Boden etwas am Schwingen hindern.
  • Auf der rechten Seite wird das Instrument etwas tiefer ins Bein hinein genommen, um es ein klein wenig nach rechts zu drehen. Das erleichtert das Streichen auf den hohen Saiten und gleichzeitig das Greifen.
  • Wenn Du nun so hinter dem gut eingestellten Instrument sitzt, sieh bitte zu, dass Du nicht mit der linken Schulter dem Instrument ausweichst. Stell Dir vor, dass das Instrument auch zwei „Schultern“ hat, dann könnte man sagen, dass Deine Schultern und die des Instruments in etwa parallel stehen sollten.

Wenn Du diese Haltung am Instrument eingenommen hast, wirst Du merken, dass Du Deine Hände vollkommen frei für Dein Spiel hast. Gewöhne Dich an den Gedanken, dass Du Dein Instrument mit Deiner linken Hand nicht fest halten musst.

Alles was Du aus dieser Cellohaltung heraus tust, kann auf der Basis der Gewichtskraft Deiner Arme geschehen.

Aber das ist ein Thema, für einen anderen Artikel.

Herzlichen Dank für Deine Aufmerksamkeit, und alles Gute für Dein bewegliches und ausbalanciertes Cellospiel.

Felix Seiffert

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4 Kommentare

  1. Avatar
    Gisela Homann

    Hallo Felix,
    ich genieße es, mir die Beiträge immer mal wieder anzuhören/schauen oder auch schnell zu lesen, um mich zu kontrollieren.
    Vielen Dank dafür
    Gisela

    • Avatar
      Felix Seiffert

      Hallo Gisela,

      ich denke auch, dass das sinnvoll ist. Warum übe ich denn noch heute den immer leichteren und dennoch immer kraftvolleren Anstrich von Tönen? Weil es immer weiter in die Tiefe geht mit allem, was wir am Instrument tun. Das ist da schöne Geheimnis an der Sache.

      ganz herzliche Grüße

      Felix

  2. Avatar

    Hallo Felix
    Sehr gut erklärt, macht nicht mal meine Lehrein so .
    Danke für die ausführliche Erklärung.
    Mit freundlichen grüßen
    Xenja

    • Avatar
      Felix Seiffert

      Hallo Xenia,

      vielen Dank für Die Blumen 😉

      in der Streicherschule, dem kostenlosen Bereich für registrierte Mitglieder findest du übrigens noch eine wesentlich ausführlichere Darstellung über die Cellohaltung.

      herzliche Grüße

      Felix

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