Schlagwort: Übung

Tonleitern üben – magst Du Das?

Tonleitern? Was soll der Mist eigentlich? Ich will doch musizieren.

Fragst Du Dich das auch? Da möchtest Du Dir endlich einen Wunsch erfüllen und auf einem Streichinstrument musizieren, und dann das. Du willst Dir doch was Gutes tun. Du willst doch musizieren, lebendig spielen, am besten mit Gleichgesinnten zusammen.

Und jetzt?- Tonleitern üben? Weiterlesen

Beweglichkeit beim Geigen? – 4 Übungen trainieren sie

Kennst Du das? Du übst seit Monaten auf Deiner Geige und bestimmte schwere Stellen bringen Dich immer wieder zur Verzweiflung. Geht so Beweglichkeit?

Deine Finger fühlen sich fest an und Du hast das Gefühl, Du müsstest mit einem enormen Kraftaufwand die Steifheit Deiner Finger überwinden.

Weiterlesen

Wie Sie mit dieser Methode Ihr Üben am Instrument deutlich effektiver machen

Kennen Sie das?

Sie üben an einem Stück und an einer Stelle, will es und will es einfach nicht gelingen.

Das kann eine Stelle sein, an der zum Beispiel ein etwas komplizierterer Griffvorgang mit einem ganz bestimmten Bogenwechsel oder am Ende sogar noch mit einem Saitenwechsel einher geht.

Kurz: Sie kennen das, es begegnet Ihnen ständig. Weiterlesen

Greifen auf dem Cello – wie erlangt man Unabhängigkeit der Finger?

Liebe Leser,

In diesem Beitrag möchte ich gerne einmal auf die Zuschrift von Herrn Pelzer eingehen.

Herr Pelzer schrieb:

„Hallo Herr Seiffert, vorab vielen Dank für Ihre vielen sehr hilfreichen Tipps. Seit etwa 6 Monaten lerne ich Cello ohne Lehrer. Folgende Hürde ist dabei aufgetaucht: 1. und 2. Finger liegen auf e und f  1. Lage D-Saite. Jetzt soll g und danach fis gespielt werden. Versuche ich jetzt den 3. und 4. Finger zusammen aufzusetzen, berühre ich mit dem 3. Finger zuerst fis, was insbesondere beim Legato zum falschen Ton führt. Setze ich erst nur den 4. Finger auf g, dann landet der 3. Finger anschliessend zu eng zum 2. Finger, also fis zu tief. Das liegt vielleicht auch daran, dass meine Finger relativ kurz und noch nicht elastisch genug bzw. nicht unabhängig genug sind. Haben Sie hier einen Tipp oder eine spezielle Fingerübung? Ich freue mich sehr auf Ihre Antwort.“

Wenn Sie anfangen, Cello zu spielen, werden Sie ganz bestimmt in genau diese Lage kommen, die Herr Pelzer beschreibt.

Es ist in der Tat so, dass Sie, wenn Sie Cello lernen, die Unabhängigkeit Ihrer Finger trainieren müssen. Bei den anderen Streichinstrumenten hat man ähnliche Dinge zu bewältigen, aber bleiben wir zunächst einmal beim Cello.

Wenn Sie auf einem Griffbrett eines Streichinstruments greifen, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, den Ton um feine Nuancen zu verändern. Schon die kleinste Veränderung der Fingerstellung, etwa wenn Sie den Finger ein klein wenig über die Saite rollen, bewirkt eine Veränderung der Tonhöhe. Nun können Sie sich auch vorstellen, dass es beim Greifen von Tönen auf einem Streichinstrument auf Millimeterarbeit ankommt.

Bitte erschrecken Sie nicht, das kann man lernen! Ihre Finger und Ihre Ohren werden mit der Zeit so feinfühlig werden, dass Sie auf kleinste Veränderungen der Tonhöhe reagieren und einen Ton, der nicht sofort stimmt, in Bruchteilen einer Sekunde korrigieren können.

Aber zunächst müssen Wir einmal etwas für die Unabhängigkeit Ihrer Finger grundsätzlich tun.

Beim Cello geht es zunächst einmal darum, dass Sie Ihre vier Finger in gleiche Abstände bringen. Genau, wie Herr Pelzer oben beschrieben hat, stehen die vier Finger auf der D-Saite auf den Tönen e, f, fis, und g. Diese Töne liegen jeweils genau einen Halbton voneinander entfernt, sodass man nun eine Fingerstellung finden sollte, bei der alle vier Finger gleich weit voneinander entfernt stehen.

Und hier geht die Schwierigkeit los. Ihre Finger werden das nicht ganz freiwillig mitmachen. Jedenfalls wird es Ihnen so gehen, wenn Sie nicht gerade riesige Hände haben.

Meistens wird es Ihnen so gehen, wie es mir persönlich auch geht, dass nämlich die mittleren beiden Finger, also der Mittel- und der Ringfinger,in entspanntem Zustand etwas enger beieinander stehen als die anderen Finger.
Es wird beim Greifen also darum gehen, dass Sie mit Ihrer Willenskraft und mit einigem Training den Mittelfinger (2. Finger) nah genug zum Zeigefinger (1. Finger) stellen und gleichzeitig den Ringfinger (3. Finger) dem kleinen Finger (4 Finger) annähern.

Hierfür ist ein Prinzip wichtig. Üben Sie das deutliche Heben des Fingers, bevor Sie ihn aufsetzten (besser gesagt aufklopfen). Wenn Sie einen Finger heben während Sie andere Finger auf dem Griffbrett liegen lassen, werden Sie merken, dass dieser Finger von den anderen unabhängig wird.

Diese Aufgabenstellung steht in scheinbarem Widerspruch zu den Forderungen, die man sonst an eine schnell bewegliche Hand stellt. Normalerweise wird nämlich gefordert, dass man mit den Fingern möglichst dicht über der Saite schweben solle, um schnell und präzise den Finger auf die Saite stelle zu können.

Was Sie aber zunächst brauchen, ist Bewegungsfreiheit und Freiheit der Finger untereinander. Und die bekommen Sie indem Sie sich Bewegungsraum schaffen. Heben Sie Ihre Finger also so hoch wie es irgend geht. Sie werden sich über kurz oder lang über die Resultate Ihrer Bemühungen freuen.

Und nun im Einzelnen zu einer Fingerübung für Ihre Unabhängigkeit:

Stellen Sie zunächst Ihrer Finger der Reihe nach auf der D-Saite auf.

1 – 2 – 3 – 4

Testen Sie danach die Tonhöhe des vierten Fingers, indem Sie den erreichten Ton mit der leeren G-Saite vergleichen.

Nebenbei: eine PDF Datei mit den hier beschriebenen Übungen als Noten bekommen Sie, wenn Sie hier klicken. Unabhaengigkeit der Finger auf dem Cello

Nun geht es darum, mit mehreren Fingern gleichzeitig aufzusetzen, und dabei alle Finger auf ihren richtigen Platz zu bringen.

Spielen Sie hierzu die Fingerfolge

0 – 2 – 1 – 3 – 2 – 4 – 3.

Merken Sie, dass es gar nicht so einfach ist, den 3. Finger mit dem 4. Finger zusammen aufzusetzen und dabei auch seine Stellung wirklich zu treffen? Versuchen Sie einmal, schon in der Luft diese beiden Finger möglichst nahe zusammen zu halten. Dann wird es recht bald gelingen.

Als nächstes noch zwei Übungen die speziell auf die Stellung des 2. und des 3. Fingers abzielen.

Zunächst für den 2. Finger:

0 – 2 – 1 – 2 – 1 – 4 – 2 – 4

Und dann noch die analoge Übung für den 3. Finger:

0 – 3 – 1 – 3 – 1 – 4 – 3 – 4

Wenn Sie diese Übungen langsam durchspielen haben Sie die Möglichkeit der ganz unmittelbaren Kontrolle Ihrer Finger. Machen Sie das so lange es notwendig ist, um die Töne wirklich zu treffen.

Wenn sie sich nach einer Weile sicherer fühlen, dann beschleunigen Sie die Übung etwas, genau so wie sie es in der PDF Datei lesen können.

Ihre Finger müssen es auch lernen, schnell auf Ihre Willensimpulse zu reagieren.

Und damit wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei ihren Übungen

herzliche Grüße

Felix Seiffert

 

 

Leichtigkeit in der Greifhand auf Geige und Bratsche

Wenn Sie mit der Geige beginnen oder schon längere Zeit dabei sind, dann werden Sie bestimmt auf einen Punkt stoßen, der sich Ihnen als ein Hindernis in den Weg stellt.

Bestimmt haben sie an irgend einem Zeitpunkt gemerkt, dass Ihr linker Arm sich durch die Verdrehung, die die Geigen- oder Bratschenhaltung mit sich bringt, irgendwie verspannt oder kraftlos anfühlt.

Vielleicht haben Sie auch gemerkt, wie Ihre Finger beim Spielen müde werden.

Nun, wenn wir mit dieser Sache klar kommen wollen, dann hier müssen wir uns den Gegebenheiten, die die Geigenhaltung mit sich bringt, auf sinnvolle Weise anpassen.

Die Geige ist ein Instrument, dass nun mal diese verdrehte Haltung der linken Hand mit sich bringt. Daran lässt sich zunächst nichts ändern.

Wenn es aber keine Möglichkeit gäbe, damit sinnvoll umzugehen, dann gäbe es keine geschickten und beweglichen Geiger auf der Welt.

Der Weg zu einem geschickteren Umgang mit uns selbst, führt dabei über das hinein spüren in unsere Gliedmaßen. Spüren Sie einmal in Ihrem Arm, was Sie tatsächlich an Spannung benötigen, um Ihre Hand in die erforderliche Stellung zu bringen.

Andernfalls passiert folgendes:

Die hauptsächliche Schwierigkeit für uns als Spieler besteht zunächst darin, dass wir immer geneigt sind, wenn wir uns an einer bestimmten Stelle unwohl fühlen, dass wir uns gerne an irgendetwas festhalten möchten.

Kennen Sie das?

Sie stehen an einer Uferpromenade, vielleicht irgendwo an der Nordsee. Sie möchten auf das Meer hinaus schauen, und es weht Ihnen ein Wind ins Gesicht, der Sie fast umwirft.

Auf der anderen Seite möchten Sie gerne diese wunderbare Aussicht genießen. Was tun Sie also?

Na klar: Sie halten sich an der Reling fest. Das würde doch jeder so machen.

Das ist ein psychologisches Moment, das hier eintritt. Schon die Vorstellung davon, oder die kurze Erfahrung, über längere Zeit Ihre Muskeln anspannen zu müssen um dem Wind zu trotzen, bringt Sie dazu, nach einer angenehmeren Möglichkeit zu suchen.

Was Sie sich aber dadurch verwehren, ist die Möglichkeit, einmal auszuloten, was es in Ihrem Halteapparat wirklich bedarf, um aus eigenem Stand heraus dem Wind so viel Widerstand zu leisten, wie nötig ist, damit sie nicht umfallen. Eventuell ist es ja gar nicht so viel, wie zunächst angenommen. wer weiß es?

Aber was hat das Ganze nun mit dem Geigenspiel zu tun?

Bei sehr vielen Schülern des Geigenspiels sehe ich genau diese Komponente:

Sie fühlen sich ein wenig unwohl, mit ihrem verdrehten Arm. Dann kommen sie in die Lage, an dem sie einen Ausweg suchen. Und der Ausweg ist das Festhalten mit der Hand am Instrument.

Aber dies ist nur ein scheinbarer Ausweg. Leider!

Denn das Festhalten mit den Fingern bringt auf jeden Fall weniger Beweglichkeit der Finger mit sich. Man kann sich das ganz leicht vorstellen: Wenn Sie sich mit Ihrem Fingern irgendwo festhalten, ist es auch gar nicht so einfach sich aus diesem Zustand wieder zu lösen. Wie einfach ist es dagegen, wenn Sie Ihren Finger einfach irgendwo hinstellen und wieder hoch heben. Das hat eine ganz andere Qualität.

Zum Anderen wird durch das Festhalten in der Hand auch wieder eine Spannung aufgebaut, die den Arm nicht unbedingt entlastet.

Sie sehen schon, wir sollten nach einem Weg suchen, mit dem Arm so um zu gehen, dass sich die Spannung der Verdrehung nicht negativ auf die Hand auswirkt.

Und wie man da hin kommen, kann, das zeig ich Ihnen im Video.

Fassen wir noch einmal kurz zusammen.

  • Bauen Sie langsam und gefühlvoll die Verdrehung im Arm auf. Sperren Sie sich nicht gegen die Spannung, die entsteht. Am Ende werden Sie merken, es ist gar nicht so tragisch, wie man gemeinhin annimmt.
  • Halten Sie Ihre Geige oder Bratsche in „Gitarrenhaltung“
  • Jetzt nähern Sie sich schrittweise der Spielhaltung am Instrument.
  • Zunächst stehen drei Finger in engem Abstand auf dem Griffbrett. der 3. Finger auf dem Oktavpunkt.
  • Dann ziehen Sie den 1. Finger leicht nach hinten sodass er im Ganztonabstand zum 2. steht.
  • Als letztes legen Sie den 4. Finger auf und achten dabei genau auf die Spannungen in Ihrem Arm. Passen Sie bitte auf, dass Sie keinen übermäßigen Druck in der Hand aufbauen. Die Finger so kräftig auf die Saite stellen, sodass diese gezupft klingt, reicht völlig.
  • Klopfen Sie sich immer wieder mit dem Daumen frei.
  • Und als Hilfsmittel, mit dem Sie die Leichtigkeit in der Hand am besten spüren können, dient das Anlehnen an die Wand.

Und nun wünsch ich Ihnen viele gute Erkenntnisse bei Ihrem eigenen Experimentieren, viel Leichtigkeit und Freude bei Ihrem Spiel

Felix Seiffert

Richtiges Greifen am Cello

Wenn wir uns einmal ansehen wollen, wie eine sinnvolle und gute Haltung der linken Hand am Cello aussieht, dann sollten wir zunächst überlegen, was wir mit der linken Hand eigentlich bezwecken wollen.

„Ist doch eigentlich klar“, werden Sie sagen: „Wir wollen Töne auf der Saite greifen. Wir wollen die Saite auf das Griffbrett drücken und somit die Saite abgreifen, sodass sie in einer anderen Länge und damit auf einem anderen Ton schwingt“.

Wenn Sie das aber zum ersten mal tun, dann werden Sie eventuell entdecken, dass schon diese Aktion mit etwas Kraft verbunden ist. Die Saiten sind nämlich gar nicht so leicht auf das Griffbrett zu bringen, wie beispielsweise bei einer Geige oder Bratsche. Von einer Gitarre wollen wir hier gar nicht reden. Und je nachdem, wie Ihre Hand gebaut ist (Kinder die sehr jung anfangen Cello zu spielen werden Ihnen ein Lied davon singen) kann es auch zunächst recht anstrengend sein, eine gegriffene Saite zum Klingen zu bringen.

Deshalb meine ich, ist es äußerst wichtig, sich gleich zu Beginn eine Haltung der Hand anzugewöhnen, mit der das möglichst leicht geht.

Es kommen noch weitere Forderungen hinzu. Wir wollen:

  • möglichst beweglich schnelle Läufe mit den Fingern spielen können
  • mit der Hand vibrieren können
  • die Stellung der ganzen Hand auf dem Griffbrett möglichst leicht verändern (Lagenwechsel)
  • und schließlich allerlei Verzierungen wie zum Beispiel Triller oder Vorschläge mit Leichtigkeit ausführen.

Und dies alles schaffen wir am leichtesten, wenn wir uns klar machen, dass wir uns mit der Hand auf das Griffbrett aufstützen. Bemerken Sie die Analogie zu den Bogenführungsartikeln in diesem Blog?

Gute Bogenführung durch „Stützen“

Ja, besonders beim Cello ist fast alles mit der Gewichtskraft zu machen, auch das Greifen von Tönen.
Wir stellen uns also mit den Fingern auf das Griffbrett, aber wir hängen uns nicht daran, wie man glauben könnte. (und wie es viele leider am Beginn ihrer Cellokarriere tun)

Sehen Sie sich einmal das unten stehende Video an, es wird Ihnen den Sachverhalt noch besser erläutern können als der reine Text.

Wenn Sie möchten, dann machen Sie doch einmal die Aufstellübung für die Finger am Tisch. Sie können die Übung gerne mit beiden Händen gleichzeitig machen. Für die rechte Hand ist im Prinzip die gleiche Übung notwendig, um zu einer flexiblen Bogenhaltung zu kommen.

Halten sie den Arm waagrecht über der Tischplatte und lassen Sie Ihre Hand einfach hängen. Nun senken sie den Arm ab, bis die Finger die Tischplatte berühren. Dabei krümmen sich die Finger, und Sie stehen schließlich mit den 4 Fingern auf der Tischplatte.

Wichtig ist es dabei, dass Sie wirklich merken, wie Ihre Finger das Gewicht abfedern. Die Grundregel hierbei: Die Finger stehen auf der Fingerspitze, die vorderen beiden Gelenke sind gekrümmt und dis Grundgelenke der Finger federn das Gewicht des Arms ab. so tragen die Finger die Hand und den ganzen Arm.

Viel Erfolg beim Umsetzen der Übungen (sofern Sie denn zufällig Cello spielen)

wünscht Ihnen

Felix Seiffert

Die ersten gegriffenen Töne auf Cello, Geige, Bratsche oder Kontrabass

So, da haben sie jetzt also eine Geige geliehen oder gekauft. Oder ist es vielleicht ein Cello? Oder ein Kontrabass?

Und jetzt packen Sie das Instrument aus, und dann sehen Sie es an und überlegen sich: „Oha, hier haben wir ein vollkommen ebenes Griffbrett ohne jeden Hinweis, wo ich welche Töne greifen kann. Wie um Himmels Willen soll ich darauf als vollkommener Neuling die Töne greifen?

Ja, ich glaube vor dieser Frage steht jeder einmal, der mit einem Streichinstrument beginnt. So ging es mir auch als ich begann Geige zu spielen. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie es gehen kann, dass man hier auf den Millimeter genau Töne treffen kann, die so sauber klingen, als würde der Tölzer Knabenchor ein Weihnachtslied singen.

Irgendwann merkte ich natürlich, dass es eben doch geht. Aber was war dazu nötig?

Zunächst lernte ich im Unterricht nach der damals vorherrschenden Unterrichtsmethode Geige. Ich lernte die erste Lage mit ihren Griffarten, dann die zweite Lage und so weiter. Und ich probierte herum, übte mich durch verschiedenste Stücke durch, und es gelang dann und wann, und auch immer besser. Aber erst einige Zeit später wurde mir wirklich klar, dass das Treffen der Töne dadurch zustande kommt, dass unser Körper ein phänomenales Gedächtnis besitzt.

Ich meine nicht das intellektuelle Gedächtnis, mit dem wir uns Telefonnummern und Gedichte merken. Nein, ich meine eine Form von Gedächtnis, die es uns beispielsweise ermöglicht, morgens schlaftrunken die Zahnbürste zu finden, und das, ohne die Augen richtig auf zu machen. Kennen sie das?

Der Körper ist in der Lage, sich die Stellungen seiner Gliedmaßen und ihre Bewegungen über das innere Gefühl zu merken. Beobachten Sie sich einmal, wie oft Sie, ganz ohne innerlich dabei zu sein, bestimmte Routinearbeiten erledigen. Sehen Sie sich selbst einmal zu, mit welcher Präzision, Sie diese Tätigkeiten oft haargenau gleich ausführen. Wie stecken Sie Ihren Schlüssel ins Zündschloss Ihres Autos?

Es fragt sich nur, wie wir es unserem Körper beibringen, mit sinnvollen Bewegungen dem Instrument das zu entlocken, was wir uns klanglich so wünschen.

Machen Sie einmal einen kleinen Test:

Nehmen Sie ihre Geige, Ihre Bratsche, Cello oder was Sie eben spielen möchten einmal zur Hand. Sie kennen ja bestimmt den Kanon „Bruder Jakob“. Jeder kann ihn singen. Es geht um das Treffen der ersten drei Töne. „Bru – der  Ja – kob“.

Legen Sie die Geige oder Bratsche einmal an, oder halten sie sie wie eine Gitarre vor sich. (Das ist im Moment sogar noch einfacher). Sie zupfen eine Saite an, ohne mit Fingern auf das Instrument zu greifen. (man nennt das das Anzupfen einer „leeren Saite“). Für den nächsten Ton brauchen Sie Ihren 1. Finger ,das ist der Zeigefinger. (Pianisten aufgemerkt! Bei Streichinstrumenten zählen wir die Finger anders)
Mit diesem Finger greifen wir nun den nächsten Ton. Und zwar setzen wir den Finger so auf die Saite, dass sie bei etwa 8/9 ihrer gesamten Saitenlänge abgegriffen wird. Sie werden es schon hören, ob es dann nach „Bruder Jakob“ klingt.

Wenn Sie es ganz genau haben wollen, dann müssen Sie sich einmal den Artikel über das Markieren des Griffbretts ansehen. Hier können Sie sich eine ganz genaue Vorlage für den 1 Finger auf das Griffbrett kleben.

So, wenn sie Geige oder Bratsche spielen wollen, dann nehmen Sie für den nächsten Ton den 2. Finger. (Mittelfinger) Der Cellist benützt den 3. und der Kontrabassist den 4. Finger. Legen Sie nun den jeweiligen Finger im selben Abstand zum 1. Finger auf das Griffbrett wie der zur oberen Begrenzung der leeren Saite steht. (wir nennen das den Obersattel)

Haben Sie es? Jetzt können Sie mit 0 – 1 – 2 – 0 (bei Geige und Bratsche) den Anfang von Bruder Jakob spielen. Hören Sie einmal genau hin! Stimmen die Töne? Wenn nicht, dann können Sie Ihre Finger leicht auf dem Griffbrett verschieben bis es stimmt.

So, und wenn Sie das dann hin bekommen und am ersten Tag mindestens 7 mal wieder holen, dann haben sie recht gute Chancen, am nächsten Tag die Griffstellen wieder zu finden. Wenn Sie das dann noch einmal wiederholen und noch einmal 3 Tage in Folge so weiter, dann haben Sie die Griffplätze unter Ihren Fingern gesichert.

Sie sehen schon, die Speicherfunktion Ihres Körpers funktioniert nicht ganz so schnell und leicht wie das Diskettensymbol (Speichern) ihres Computers. Es braucht mehrere identische Wiederholungen einer Tätigkeit. Aber es funktioniert.

Das Dumme ist nur, es funktioniert bei uns wirklich genauso wie bei einem Computer: Speichern Sie einen fehlerhaften Text ab, dann ist er genauso gespeichert wie einer ohne Fehler.

Auf das Instrument übertragen: Je genauer Sie beim Aufstellen Ihrer Finger von vornherein auf die korrekte Tonhöhe achten, desto schneller werden Sie sauber spielen.

Sie merken schon, Ihre ganze Aufmerksamkeit ist gefragt. Aber ist das nicht gerade das Schöne an der ganzen Sache? In voller Aufmerksamkeit aufgehen in unserer Tätigkeit und sich dann der Resultate erfreuen.

Viel Freude bei Ihren Experimenten wünscht Ihnen

Felix Seiffert

Geige lernen – oder, wie Sie einen gelungenen Start hin bekommen Folge 3

Ein kleiner Lehrgang, um gleich von Anfang an in einer natürlichen Grundhaltung das Geigenspiel zu lernen.

Jetzt haben Sie bereits 2 Blogartikel gelesen, in denen es um Vorübungen zum Geigenspiel geht. Kann es denn jetzt nicht langsam einmal losgehen? Mit einer guten Haltung alleine und mit dem Zupfen der Saiten mit dem kleinen Finger ist doch noch keine Musik gemacht. Wir wollen doch Geige spielen lernen, und nicht nur halten.

Jetzt soll es aber richtig los gehen! Wir werden heute die ersten Töne greifen. Zunächst einmal finden wir eine gute Handstellung an der Geige, die uns alles ermöglicht.

Es geht darum, dass Sie auf natürliche Weise und ganz beweglich zu ihrer ersten Handstellung auf der Geige finden. Man nennt diese Stellung die „erste Griffart“ und sie liegt innerhalb der „ersten Lage“.

Sollten Sie bereits im stolzen Besitz einer Geige oder Bratsche sein, dann kennen sie ja vielleicht den Umstand, dass man sich beim Greifen auf dem Instrument irgendwie leicht verkrampft. Ja die ganze Haltung lädt gewissermaßen dazu ein, etwas zu fest zuzupacken, und schon leicht hat man einem Krampf im Arm, oder man fühlt sich sonderbar unbeweglich bei der Sache.
Wenn Sie allerdings Geige lernen möchten, und dabei viel Freude haben wollen, dann sollten sie diesen Grundaspekt möglichst gleich von Anfang an beherzigen, und sich wirklich in die Lage bringen, sich beim Spielen wohl fühlen zu können.

Um dies zu ermöglichen, hat Paul Rolland sinngemäß den Satz geprägt, dass man „immer aus der Bewegung in eine Stellung“ finden soll. Beim Musizieren bleibt der Mensch stets in seiner Beweglichkeit. Alles starre in einer Position Verharren, (um ja nichts verkehrt zu machen) ist der Sache weniger förderlich. Und deshalb reden wir am Anfang gar nicht von einer Haltung oder von einer Stellung des Arms. Nein die Sache findet sich aus der Bewegung heraus.

Aus diesem Grund habe ich Ihnen im unten stehenden Video einmal gezeigt, wie das bei der Geige geht. Muss ich noch erwähnen, dass es im Prinzip bei der Bratsche genauso funktioniert?

Die Sache beginnt mit eben jener Harfenpizzicato Übung, die Sie schon kennen, allerdings jetzt in Spielhaltung. Sie halten die Geige auf dem Arm, sichern sie mit der rechten Hand und jetzt geht es vor allem darum, dass der Ellbogen unter dem Instrument frei schwingen kann.

Diese Pendelbewegung des Ellbogens ist der Garant, dass Sie später auf den verschiedenen Saiten greifen können, ohne sich im Handgelenk verbiegen zu müssen. Eine sehr sinnvolle Maßnahme ist das. Es entsteht sozusagen ein Pendel, und über dem Griffbrett ein kleines Gegenpendel, das die Finger über die verschiedenen Saiten bringt.

Nun gibt es aber eine weitere wichtige Bewegung, nämlich die des Arms, dem Griffbrett entlang auf- und abwärts. Diese Bewegung ist später nötig, um die Hand in die verschiednen Lagen auf dem Griffbrett zu bringen. Im Kleinen korrigieren Bewegungen in dieser Richtung die Tonhöhe, also die Intonation. Und außerdem ist das Vibrato, auf welche Weise man es am Ende auch immer macht, eine Bewegung in eben dieser Richtung. Zunächst benötigen wir allerdings diese Bewegung, um aus der Bewegung heraus eine gute Handstellung für unseren ersten Griff zu finden.

Gleiten Sie also zunächst mit der linken Hand bei nach oben gestreckten Fingern am Griffbrett entlang.
Als Zweites lassen Sie Ihre Finger leicht auf der Saite hin und her gleiten und halten Sie an, wenn der 3. Finger am 2. Punkt zu liegen gekommen ist. Nun drücken Sie die Saite mit ihren Fingern leicht auf das Griffbrett. Kümmern Sie sich dabei zunächst einmal nicht um die Abstände der Finger. Es geht einfach darum, zu spüren, wie Ihre Finger die Saite auf das Griffbrett bringen. Sie brauchen dabei kaum Kraft. Versuchen Sie es so leicht wie möglich zu machen. In dieser Stellung haben Sie zumindest die Stellung von 2. und 3. Finger gefunden. Wollen Sie die erste Griffart vervollständigen, müssen Sie nur noch den 1. Finger leicht zum ersten Punkt zurück ziehen.

Es mag Ihnen vielleicht etwas absonderlich erscheinen. Aber bei dieser Methode, die Stellung vor allem alleine zu finden, ist es sehr gut, wenn man zunächst mit ein paar geklebten Orientierungspunkten auf dem Griffbrett arbeitet. Auf diese Punkte kann man bald verzichten, aber die erste Orientierung ist wirklich sehr viel leichter zu bewerkstelligen.

möchten Sie noch einmal sehen, wie das geht mit den Klebepunkten?

Markierungen auf dem Griffbrett

Viel Vergnügen mit dem Video. Ich hoffe, es gibt Ihnen genügend Aufschluss darüber, wie Sie sich die Beweglichkeit am Instrument gleich von Anfang an bewahren können.

In diesem Sinne: frohes und bewegliches Üben wünscht Ihnen

F. Seiffert

Folge 1   Folge 2

Geige lernen – oder, wie Sie einen gelungenen Start hinbekommen Folge 1

Ein kleiner Lehrgang, um gleich von Anfang an in einer natürlichen Grundhaltung das Geigenspiel zu lernen.

Haben Sie sich entschlossen, Geige zu lernen? Oder liebäugeln Sie damit? Nun, es ist ja immer so eine Sache, sich auf etwas Neues einzulassen und nicht richtig zu wissen, was auf einen zu kommt. Diese kleine Folge von Blogbeiträgen soll etwas Licht in die Sache bringen. Sie soll Ihren Fokus aber auch auf einen wesentlichen Punkt richten: auf Ihre eigene Körperwahrnehmung. Bestimmt ist Ihnen aufgefallen, dass ausgebildete Musiker die Sache immer mit großer Leichtigkeit angehen. Oft wirkt es, als mache das Instrumentalspiel dem Musiker überhaupt keine Mühe.

Diese Leichtigkeit, die man bei den Musikern beobachten kann, kann man durch intensives Üben erzielen. Früher wurde gesagt, dass dieses geduldige Üben, über viele Jahre hin, und am besten vom frühesten Kindesalter an, überhaupt die einzige Lösung ist, die zu solch einem Resultat führt. Heute haben sich hingegen Lehrmethoden entwickelt, die diesen Prozess differenzierter betrachten. Sie richten ihr Augenmerk wesentlich mehr darauf, was genau die Aktionen sind, die wir bei Musizieren anwenden und wie wir dies tun, ohne uns gleichzeitig an anderer Stelle dabei zu behindern.

Alles, was Sie am Instrument tun, sollte in jeder Hinsicht gefühlvoll und zielgerichtet sein. Geige lernen bedeutet unter anderem, dass Sie Bewegungen kennen lernen, die genau das bewirken, was Sie tun wollen, nämlich Streichen und Töne greifen. Sie werden lernen, wie Sie dies kraftvoll und zugleich mit Leichtigkeit tun können. Sie werden sich aber auch mit anderen Bewegungen befassen, die Ihre eigene Beweglichkeit steigern und erhalten. Und Sie werden dabei merken, dass es von entscheidender Bedeutung ist, dass Sie sich Ihrer Bewegungen bewusst werden. Ihre Bewegungen werden gerade durch diese innere Aufmerksamkeit flexibel und einfach, so dass Sie sich beim Instrumentalspiel wohl und voller Leichtigkeit fühlen können.

Wenn Sie jetzt mit dem Erlernen des Geigenspiels beginnen und dabei gleich auf die richtigen und ausgewogenen Bewegungen achten (und dabei gut angeleitet werden) können Sie bemerken, dass Sie mit der Zeit immer mehr Beweglichkeit entwickeln. Sie werden merken, dass Sie das Instrument nach einer Weile immer selbstverständlicher in die Hand nehmen, und Ihnen das Wesentliche, die Gestaltung des Tons immer leichter fallen wird. Vielleicht werden Sie zuerst ein paar kleinere Hürden überwinden müssen, aber dann werden Sie mit Leichtigkeit die Saiten abgreifen und Ihrem Instrument die angenehmsten Klänge entlocken.

Und das Beste: Sie werden bemerken, was es für eine Freude macht, wenn Sie mit Gleichgesinnten, in einem Orchester oder in einer anderen kleineren Formation miteinander musizieren.

Habe ich Ihnen bereits Lust dazu gemacht?

Dann wollen wir einmal damit beginnen, Geige zu lernen.

Zuerst müssen Sie ein Gefühl dafür bekommen, was Sie da für ein Instrument in der Hand halten.

Dafür eine kleine Übung. Nehmen Sie die Geige, und halten Sie sie, ähnlich wie eine Gitarre, vor Ihre Brust. Die Schnecke des Instruments halten Sie in etwa auf der Höhe der Schulter.
Nun geht es darum, dass Sie mit Ihrer linken Hand um das Instrument herum greifen und mit Ihrem kleinen Finger alle vier Saiten der Reihe nach anzupfen. Dabei legen Sie den Daumen in die Beuge am unteren Ende des Halses. Dieses Anzupfen machen Sie nicht einzeln Saite für Saite, sondern in einer Bewegung. Dadurch ergibt sich eine harfenähnliche Tonfolge. Wichtig hierbei: Die Bewegung muss aus dem ganzen Arm kommen. Begeben Sie sich dabei mit dem Ellbogen unter die Geige, und ziehen Sie ihn bei der Zupfbewegung nach hinten. So erlangen Sie sowohl die Stabilität im Handgenk, also auch die Stärkung des kleine Fingers. Wenn Sie Geige lernen möchten, ist es wichtig, dass Sie gleich am Anfang einen beweglichen Umgang mit dem Instrument bekommen und es wie selbstverständlich und mühelos im Arm tragen.

Habe ich etwas vergessen? Ja klar: Die vier Saiten heißen von unten nach oben: G D A E

 

Wenn Sie wollen, schauen Sie sich das Ganze einfach noch einmal im Video an:

Ich hoffe, diese kleinen Übungen helfen Ihnen beim Vorankommen. Im nächsten Beitrag (Teil 2 der Folge) befassen wir uns mit der leichtesten Methode, mit der Sie zu einer ausbalancierten Spielhaltung kommen.

bis dahin herzlichst

Ihr Felix Seiffert

Folge 2  Folge 3