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The Irish Washerwoman – ein traditioneller Irischer Jig

Kommen wir einmal weg von grauer Theorie oder technischem Spielen. Kommen wir zu aktivem Musizieren.

Wissen Sie was ein Irischer „Jig“ ist?

Der Jig ist ein ausgelassener Irischer Tanz, der meist zu Geigenmusik getanzt wurde. Bekannt ist der Jig bereits seit dem 16. Jahrhundert.
Tänze haben meist ähnliche Rhythmen, und so findet man den Jig, meist in zusammengesetzten Dreiertaken. Weiterlesen

Ein einfaches Stück auf der Geige – experimentieren Sie gerne?

Jetzt haben Sie so viel Theorie mitbekommen. Nun wollen wir es doch einmal ganz praktisch angehen. Wie wäre es, wenn wir zusammen einmal ein einfaches Stück einüben.

Im Wesentlichen geht es mir dabei darum, das Sie sehen, welche verschiedenen Teilbewegungen bei einem Stück miteinander koordiniert werden, und wie hernach daraus ein einfaches Stück wird.

Und Sie werden sehen, dass die Sache dadurch dermaßen einfach wird, dass Sie sie ohne weiteres selbst am Instrument heraus bringen können, und nicht einmal einen Lehrer brauchen, der es Ihnen unmittelbar zeigt. Sehen wir uns dieses mal das Stück auf der Geige an. Was man dann auf einem anderen Instrument anders machen muss, darauf soll dann der nächste Blogartikel eingehen.

Wenn man mit einem Instrument beginnt, wählt man zunächst Stücke, die in Ihren Anforderungen auf jeden Fall bewältigbar sind. Auf jeden Fall sollten sie aber gleich von vornherein Spielfreude aufkommen lassen. Sie sind ja nicht am Instrument angetreten um erst einmal durch das Tränenreich ewiger Fingerübungen zu gehen, sondern Sie wollen ja wohl gleich von Anfang an musizieren.

Und da habe ich in einer alten, aber immer noch aktuellen Violinschule ein ungarisches Kinderlied gefunden, das mit für diesen Zweck sehr geeignet scheint.

Sie werden lachen, es kommt nur mit vier verschiedenen Tönen aus. Das heißt, Sie können sich auf dem Griffbrett die Finger auf einer Saite sehr schon in Position bringen, und lernen gleichzeitig einen recht schwungvollen Strich.

Lassen wir uns einmal mit den Tönen, die Sie greifen, beginnen. Am Besten Sie nehmen zunächst einmal Ihre Geige in der Gitarrenhaltung. Können Sie sich noch an den Blogartikel erinnern, in dem es darum ging, wie man auf der Geige zu einer guten Handstellung findet?

Hier finden Sie ihn, falls Sie noch einmal nachlesen möchten.

Wenn Sie nun das Stück beginnen wollen, dann machen Sie einmal diese Übung dazu. Setzen Sie 3 Finger auf die D-Saite Ihres Instruments auf und verschieben Sie die Hand, damit sie in Bewegung bleibt. Nun halten Sie in dem Moment in der Bewegung inne, in dem Sie mit dem 3. Finger den Ton g‘ erreichen. Dieser Ton liegt genau eine Oktave über der leeren G-Saite, sodass Sie ihn nun durch Vergleichen kontrollieren können. Wenn Sie sich nicht so ganz sicher sind, dann kleben Sie sich doch einen Punkt auf das Griffbrett, oder machen Sie eine kleine Markierung mit dem Bleistift, die Sie jederzeit wieder entfernen können.

wie das geht? Hier die Lösung

So, und wenn Sie nun diese Stelle erreicht haben, dann ziehen Sie noch Ihren ersten Finger etwas nach hinten um den Ton e‘ zu greifen. Auch hierfür könnte man wieder einen Punkt auf das Griffbrett kleben. Sie werden aber gleich ganz leicht merken, dass man sehr gut beim Spielen hört, ob man den richtigen Ton trifft.

Mit dieser kleinen „Trockenübung“ haben Sie nun einmal Ihre Greifhand in die richtige Stellung gebracht. Und nun geht es an das Lied. Das Stück besteht aus Viertelnoten, die ungefähr das Tempo von Schritten bei einem Spaziergang haben und halben Noten, die doppelt so lang sind.

Spielen Sie nun das Stück einfach ab, wie im Video beschrieben. Die Folge der Finger steht über den Noten gedruckt, sodass Sie sich gleich von vornherein ganz nebenbei einprägen, welcher Finger welche Note spielt.

Zupfen Sie also auf der D-Saite und greifen Sie:

0 – 1 – 2- 3 – 3 – 3 – 3 und so weiter, bis Sie durch das Stück durch sind. Und das Ganze machen Sie ein paar mal, bis Ihnen das Stück geläufig wird. Sie werden merken, es fällt Ihnen von mal zu mal leichter.

Dieses ist auch nötig, denn Sie wollen ja am Ende das Stück auch mit dem Bogen streichen. Und dabei ist es hilfreich, wenn man sich nicht auf jedes Detail seiner Aktion voll konzentrieren muss. Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten beim Autofahren ständig neu überlegen, in welche Richtung Sie nun den Schaltknüppel bewegen müssen um in den nächsten Gang zu kommen. Sie haben doch weiß Gott besseres zu tun, oder?

Apropos Bogenbewegung:

Streichen Sie das Stück doch einmal mit dem Bogen, ohne mit den Finger zu greifen.

Sie erinnern sich ja noch an den Bogengriff. Nehmen Sie das Instrument nun in Spielhaltung, und setzen Sie den Bogen auf. Können Sie sich noch erinnern an die Übung mit dem Aufsetzen und dem Rollen auf den Saiten?

Setzen Sie nun den Bogen auf und spüren Sie, wie angenehm es ist, wenn sich das Armgewicht mit dem Bogen auf die Saiten stützt.

Streichen Sie nun zwei kleine Schwungstriche im Abstrich und im Aufstrich, und danach zwei lange Striche bis zu Spitze. Die Übung endet dann wieder mit zwei kurzen Strichen. Streichen Sie sie nicht zu kurz, sie sollen schon richtig mit Schwung durch gestrichen werden.

Im Prinzip streichen Sie diese Prozedur einfach vier mal hintereinander und schon haben Sie das Stück gestrichen.

Sie können es aber auch in einer „Endlosschleife“ so oft wiederholen, bis Ihnen diese Bewegung vollkommen selbstverständlich durch den Arm läuft. Merken Sie den Schwung, den Sie im Arm haben und im Bogen? So soll es sein.

Was bleibt am Schluss? Na wenn Sie die beiden Komponenten so ausgiebig geübt haben sollten Sie die ganze Sache einmal zusammensetzen. Bringen Sie dazu Ihr Instrument in Spielhaltung.

Setzen Sie nun auch wieder Ihre Finger auf die D-Saite und verschieben Sie die Hand, um beweglich zu sein Halten Sie nun wieder auf dem richtigen Platz an.

Setzen Sie den Bogen auf, und es kann los gehen.

Greifen und Steichen Sie jetzt einfach zusammen. Sie glauben nicht das es geht? Probieren Sie es! Sie werden sehen, es kann gar nicht daneben gehen, weil Sie die Teilbewegungen schon so weit in Ihrem Unterbewusstsein haben, dass es einfach laufen muss.

Und wenn nicht? Dann wieder holen Sie noch einmal ohne greifende Finger und zupfen Sie die Tonfolge noch einmal (aber jetzt in Spielhaltung) durch.

Also, wenn es jetzt nicht geht. Haben sie es gemerkt? Irgendwie hat das Koordinieren doch etwas zu tun mit Selbstüberlistung. Oder was meinen Sie?

Viel Vergnügen bei Ihren eigenen Experimenten

wünscht Ihnen

Felix Seiffert

p.S.: gehören Sie auch zu der Spezies Mensch, die so ein Stück gerne von Noten spielt? Hier bekommen Sie sie zum Ausdrucken. Ungarisches Kinderlied für Geige

 

Detachè und Martelé, zwei verschiedene Arten, einen Ton anzustreichen

Ist Ihnen beim Beobachten eines Streichers einmal aufgefallen, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, Töne zu gestalten? Wie viele verschiedene Klangfarben man einem Streichinstrument entlocken kann? Bei all der Vielfalt, wird Ihnen da fast schwindelig, wenn Sie daran denken, was Sie noch alles lernen wollen?

Nun, Ihnen kann aber geholfen werden.

Es gibt zum Glück grundsätzlich zwei verschiedene Arten, Töne zu behandeln. Man kann sie anstoßen oder man kann sie weich anstreichen. Diese zwei Arten der Gestaltung bilden die Grundlage, auf der sich noch verschiedene andere verfeinerte Formen der Tongestaltung aufbauen lassen. Aber wenn Sie erst einmal diese zwei Arten beherrschen, haben Sie schon die wichtigsten Gestaltungsmöglichkeiten im Repertoire.

Zunächst gibt es einmal die Möglichkeit, Töne klar voneinander abzusetzen. Und wenn man Töne voneinander absetzen möchte, dann braucht man kleine Pausen zwischen den Tönen.

Beim Marcato oder Martelè haben wir genau diese Situation. Sie streichen einen deutlich angesetzten Ton, halten danach an und machen eine minimale Pause zum nächsten Ton, der dann auch wieder einen deutlichen Ansatz (ich nenne ihn hier einmal „Anstoß“ auch wenn das vielleicht etwas hart klingt) hat.

Um einen Ton mit einem solchen Ansatz beginnen zu lassen, ist es wichtig, dass Sie den Bogen vorher auf die Saite stützen und mit genügend Gewicht unter Spannung bringen. So entsteht ein Haftwiderstand, der beim Los – streichen die Saite sozusagen „anspringen“ lässt. Und schon haben Sie einen klar akzentuierten Ton.

Das Wichtigste ist aber hierbei, dass sie in dem Moment, wo der Ton beginnt das Gewicht des Bogens auf der Saite verringern zu einem normalen Bogengewicht, wie es bei jeden schön klingenden Ton gebräuchlich ist. Sie werden sich ganz schnell darauf einstellen, Sie kennen ja das Gefühl, wie ein Bogen auf der Saite liegt und sie wirklich gut mitnimmt.

Die Falle: Versuchen Sie bloß nicht, den Anstoß des Tons aktiv zu machen. Wenn Sie den ton aktiv anstoßen wollen werden Sie immer zu viel Druck beim Anstrich geben und so den Ton mit einem Kratzen anstreichen. Das Ergebnis wird immer sein, dass Sie erstens leicht ermüden und zweitens nie einen zufrieden stellenden Ton beginnen werden. Sie müssen sich also gleich zu Beginn Ihrer Übungen mit diesem Strich in Ihrer Vorstellung umstellen, dann wird es gelingen. Es ist aber gar nicht so schwer, wie es zunächst scheint.

Am besten Sie sehen sich die Sache einmal im Video an.

Die zweite Art, den Ton anzustreichen ist der weiche Tonbeginn. Im Détaché vermeiden Sie so gut es geht diesen klaren Tonansatz und beginnen den Ton in seiner warmen Klangfarbe direkt.

Und um dies zu schaffen, sollten Sie den Bogen mit einer sehr flexiblen Hand führen. Damit der Ton weich beginnen kann, sollte der Haftwiderstand des Bogens mit Ihren flexiblen Fingern abgemildert werden. Beginnen Sie die Bogenbewegung mit Ihrem Arm und geben Sie mit Ihren Fingern am Bogen der Bewegung noch, bis sich ganz von selbst der Bogen in Bewegung setzt. Auf diese Weise sperren sich die Finger nicht gegen die Bewegung und der Bogen kann den Ton ohne einen Stoß beginnen.

Wenn Sie nun die Wechsel der Töne immer mit dieser Ausgleichsbewegung versehen, wenden Sie sehen, dass die Töne fast nahtlos ineinander übergehen können. So lassen sich Melodien gestalten, die aus flexiblen und weichen Noten bestehen, und daher äußerst verbunden klingen. Der Zuhörer nimmt nun nicht mehr die einzelnen Noten sondern vor allem die Bewegung wahr, die in der Melodie steckt.

Viel Erfolg bei Ihren Übungen wünscht Ihnen

Felix Seiffert

 

Selbst Musik machen?

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was das Ganze soll? Warum soll man denn selbst Musik machen, wenn es doch ein Überangebot an Musik aus allen möglichen Quellen gibt?

Warum gibt es jede Menge Menschen, die Gefallen daran finden, selbst Musik zu machen?

Warum dieses Interesse?

Und warum sind Sie auf diesen Blog gestoßen und interessieren sich für dieses Thema?

Teilnehmer bei einem Workshop für Streicher

Nun, diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten wie es zunächst scheint. Als Musiker, der dies seit dem Kindesalter betreibt, kann ich Ihnen aber eines sagen:

Wenn man jung ist, hat man ein paar Gründe dies zu tun, die sich eventuell später wieder verflüchtigen. Ich würde sogar sagen, dass sie sich zum Glück verflüchtigen, da es nur scheinbare Motivationen zum Musizieren sind.

Da wäre zum Einen der Drang nach Anerkennung: Gibt es etwas Schöneres, als den Applaus nach einem gelungenen Konzert? Ist man nicht ein gemachter Mann, wenn man von so vielen anderen Menschen bewundert wird? …..

Zum Anderen fällt mir die Konzertgage ein. Ist es nicht erhebend, wenn man sein Geld durch müheloses Musizieren einstreicht? ….

Ist es der sportliche Aspekt, der Aspekt des Wettkampfes? Ist das die Motivation, dass ich mir immer wieder beweise, wie gut ich es kann, wenn ich mich mit anderen Musikern vergleiche? ….

Nein, wenn ich genauer darüber nachdenke, ist keiner dieser Punkte stark genug, mich wirklich dauerhaft am Musizieren zu halten. Der wahre Grund, der mich ständig zum Instrument greifen lässt, fehlt noch.

Aber was ist es dann?

Warum erlebt man es immer wieder, dass Menschen, die musizieren, sei es auf der Bühne oder einfach im Freundeskreis, so glücklich dabei sind?

Lassen Sie mich hier einmal den Versuch einer Erklärung unternehmen.

Zum Einen ist es die Herausforderung: In vielerlei Hinsicht fordern Sie sich selbst. Wir kommen noch in einem weiteren Artikel ausführlich zu diesem Thema. Alle diese unten stehenden Punkte bringen Sie beim Musizieren zusammen. Sie gehen gleichzeitig mit ihnen um und begeben sich aktiv in das kreative Geschehen.

  • Sie bemühen Ihren Intellekt (Noten lesen und verstehen)
  • Ihr Körperbewusstsein (Sie bringen Ihre Feinmotorik in Schwung und bleiben dabei in innerer Balance)
  • Sie fordern Ihr Gehör (sowohl Ihr inneres, als auch Ihr äußeres Gehör).
  • Sie begeben sich in das Gefüge von Rhythmus und Takt.
  • Sie werden aufmerksam darin, mitzubekommen, was um Sie herum geschieht, gehen beweglich darauf ein und tragen so zum Gelingen der Musik bei.

Als weiteren Punkt würde ich das Erlebnis des wirklichen Zusammenwirkens im positivsten Sinn beim gemeinsamen Musizieren sehen. Wenn Sie einmal erlebt haben wie es ist, in der Musik, die Sie gemeinsam mit anderen machen, eingebettet zu sein, dann wissen Sie, was ich meine. Das Schöne daran: Es funktioniert, egal ob Sie Profi sind, oder Laie. Selbst wenn Sie erst drei Töne spielen können, dann können Sie in den Genuss dieses Erlebnisses kommen.

Das Spannende dabei ist: Es geht um mehr als nur körperliche Beweglichkeit. Es geht auch nicht nur um Musikgenuss oder um intellektuelles Verstehen. Es geht um all das in Kombination. Ich möchte an dieser Stelle einmal einen gewagten Begriff ins Feld werfen. Musik fordert und fördert Sie überall, in Körper, Geist und Seele. Kann man so etwas nicht auch als Wellness im besten Sinne sehen?

Haben Sie den Film „Noten und Neuronen“ schon gesehen? Er befasst sich wieder auf andere Weise mit dem Thema. Vor allem wird hier der Zusammenhang zwischen dem Musizieren und den Vorgängen in unserem Gehirn dargestellt. Sehr sehenswert und durchaus anregend!

Und weiter? Sie als Erwachsener brauchen sich einer Konkurrenz überhaupt nicht stellen. Sie brauchen sich als Mensch, der dies einfach nur für sich tut, keinem übertriebenen Druck aussetzen. Sie müssen nicht davon leben oder irgendwelchen Ansprüchen, die an Profis gestellt werden, Genüge leisten. Sie können einfach anfangen zu musizieren. Sie können sich dem, was Ihnen gut tut, einfach hingeben.

Und was haben Sie nun für Gedanken zu dieser Sache? Was zieht Sie an das Musizieren hin, oder was lässt Sie davor zurückschrecken?

Ich möchte hier mit diesem Artikel gerne mit der unten stehenden Möglichkeit zur Kommentierung eine Diskussion eröffnen. Sind Sie dabei? Es würde mich wirklich sehr freuen zu lesen, wie Sie darüber denken.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Felix Seiffert