Detachè und Martelé, zwei verschiedene Arten, einen Ton anzustreichen

Ist Ihnen beim Beobachten eines Streichers einmal aufgefallen, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, Töne zu gestalten? Wie viele verschiedene Klangfarben man einem Streichinstrument entlocken kann? Bei all der Vielfalt, wird Ihnen da fast schwindelig, wenn Sie daran denken, was Sie noch alles lernen wollen?

Nun, Ihnen kann aber geholfen werden.

Es gibt zum Glück grundsätzlich zwei verschiedene Arten, Töne zu behandeln. Man kann sie anstoßen oder man kann sie weich anstreichen. Diese zwei Arten der Gestaltung bilden die Grundlage, auf der sich noch verschiedene andere verfeinerte Formen der Tongestaltung aufbauen lassen. Aber wenn Sie erst einmal diese zwei Arten beherrschen, haben Sie schon die wichtigsten Gestaltungsmöglichkeiten im Repertoire.

Zunächst gibt es einmal die Möglichkeit, Töne klar voneinander abzusetzen. Und wenn man Töne voneinander absetzen möchte, dann braucht man kleine Pausen zwischen den Tönen.

Beim Marcato oder Martelè haben wir genau diese Situation. Sie streichen einen deutlich angesetzten Ton, halten danach an und machen eine minimale Pause zum nächsten Ton, der dann auch wieder einen deutlichen Ansatz (ich nenne ihn hier einmal „Anstoß“ auch wenn das vielleicht etwas hart klingt) hat.

Um einen Ton mit einem solchen Ansatz beginnen zu lassen, ist es wichtig, dass Sie den Bogen vorher auf die Saite stützen und mit genügend Gewicht unter Spannung bringen. So entsteht ein Haftwiderstand, der beim Los – streichen die Saite sozusagen „anspringen“ lässt. Und schon haben Sie einen klar akzentuierten Ton.

Das Wichtigste ist aber hierbei, dass sie in dem Moment, wo der Ton beginnt das Gewicht des Bogens auf der Saite verringern zu einem normalen Bogengewicht, wie es bei jeden schön klingenden Ton gebräuchlich ist. Sie werden sich ganz schnell darauf einstellen, Sie kennen ja das Gefühl, wie ein Bogen auf der Saite liegt und sie wirklich gut mitnimmt.

Die Falle: Versuchen Sie bloß nicht, den Anstoß des Tons aktiv zu machen. Wenn Sie den ton aktiv anstoßen wollen werden Sie immer zu viel Druck beim Anstrich geben und so den Ton mit einem Kratzen anstreichen. Das Ergebnis wird immer sein, dass Sie erstens leicht ermüden und zweitens nie einen zufrieden stellenden Ton beginnen werden. Sie müssen sich also gleich zu Beginn Ihrer Übungen mit diesem Strich in Ihrer Vorstellung umstellen, dann wird es gelingen. Es ist aber gar nicht so schwer, wie es zunächst scheint.

Am besten Sie sehen sich die Sache einmal im Video an.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die zweite Art, den Ton anzustreichen ist der weiche Tonbeginn. Im Détaché vermeiden Sie so gut es geht diesen klaren Tonansatz und beginnen den Ton in seiner warmen Klangfarbe direkt.

Und um dies zu schaffen, sollten Sie den Bogen mit einer sehr flexiblen Hand führen. Damit der Ton weich beginnen kann, sollte der Haftwiderstand des Bogens mit Ihren flexiblen Fingern abgemildert werden. Beginnen Sie die Bogenbewegung mit Ihrem Arm und geben Sie mit Ihren Fingern am Bogen der Bewegung noch, bis sich ganz von selbst der Bogen in Bewegung setzt. Auf diese Weise sperren sich die Finger nicht gegen die Bewegung und der Bogen kann den Ton ohne einen Stoß beginnen.

Wenn Sie nun die Wechsel der Töne immer mit dieser Ausgleichsbewegung versehen, wenden Sie sehen, dass die Töne fast nahtlos ineinander übergehen können. So lassen sich Melodien gestalten, die aus flexiblen und weichen Noten bestehen, und daher äußerst verbunden klingen. Der Zuhörer nimmt nun nicht mehr die einzelnen Noten sondern vor allem die Bewegung wahr, die in der Melodie steckt.

Viel Erfolg bei Ihren Übungen wünscht Ihnen

Felix Seiffert

 

4 Kommentare

  1. Goldstein Sibylle

    Sehr geehrter Herr Seifert,

    Ihr Video zum staccato und détaché hat mir sehr geholfen, warum ich als Vorübung zu einer Sonata con Canone von Tessarini
    so blöde Bogenübungen mit Achteltriolen machen muss, wobei immer ein blödes „Nachfedern“ des Bogens die Rhythmik beeinträchtigt. D.h. wohl immer zu viel Druck.
    Leider erschliessen sich mir nicht immer alle Übungen meines Lehrers unmittelbar, und ich verstehe manchmal einfach nicht die Progression von so „einfach“ aussehenden Übungen im Spektrum der jeweiligen Tonart zu den wirklich tollen darauffolgenden Stücken. Das Scheitern an solchen Bogenübungen ist frustrierend, wenn man sich fortgeschritten wähnt.
    Das mit der Fingerbewegung ist elementar und hat mein Lehrer auch schon oft bemerkt, aber es ist so schwer, das als Erwachsener zu verinnerlichen bzw. zu automatisieren.
    Schade, dass Sie in Süddeutschland tätig sind. Sie können wunderbar erklären, denn nur durch Vormachenlernt mans auch nicht unbedingt, da das Vorbild desGeigenlehrers ja unerreichbar ist und man daran von vornherein scheitert.

    Mit den besten Geigergrüssen

    Sibylle Goldstein

    • Felix Seiffert

      Guten Tag Frau Goldstein,

      so ganz einfach ist Ihr Problem aus dem Kommentar nicht zu erfassen. Im Prinzip meine ich, hat Ihr Lehrer schon recht, wenn er Bogenübungen die zu einem bestimmten Strich in einem Stück führen, anhand einer Tonleiter empfiehlt. Nichts anderes würde ich auch mit meinen Schülern tun. Das „Nachfedern des Bogens“ könnte dabei aus einem Ungleichgewicht des Armes auf dem Bogen resultieren. Aber das kann man so aus der Ferne ohne Sie zu sehen gar nicht recht diagnostizieren.
      Vielleicht müssen Sie Ihren Lehrer dahingehend „löchern“ und immer wieder nachfragen, warum es bei Ihnen nicht wie gewünscht funktioniert.

      ganz herzliche Grüße

      Felix Seiffert

  2. Pascaline

    Guten Tag
    Durfte mir mit 48 Jahren einen langgehegten Wunsch erfüllen und vor 2 Monaten meine 1. Cellostunde nehmen, was für ein Glück! Habe ausser Blickflöte während der Schulzeit nie ein Instrument gespielt und stehe völlig am Anfang: so viele Möglichkeiten, dass ein Ton unschön klingt, schrecklich… Und so eine Freude, wenns mal gelingt! Ihr Beitrag war sehr hilfreich, besonders das Video dazu, herzlichen Dank! Liebe Grüsse aus der Schweiz, Pascaline

    • Hallo Pascaline,

      Vielen Dank für Ihr Interesse. Ich hoffe Sie finden in diesem blog noch einiges mehr, was Ihnen gerade am Anfang Ihrer Cellokarriere hilfreich sein könnte. Viel Erfolg und segensreiche Stunden mit Ihrem Instrument wünscht Ihnen

      Felix Seiffert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.