Schnelles Greifen – was macht die linke Hand? Teil 2 – Die Handstellung bei Cello und Kontrabass

Wenn wir jetzt in der Serie der Blogartikel über das schnelle Greifen weiter sehen, sollten wir uns die Handstellung beim Cello und beim Kontrabass einmal anschauen. Cello und Kontrabass haben eine ganz andere Handhaltung, als Geige und Bratsche, da die ganzen Instrumente völlig anders gehalten werden.

Im Grunde sieht die Handhaltung beim Cello und Kontrabass einfacher aus, als bei den hohen Streichinstrumenten. Der Arm muss nicht so sehr verdreht werden, um alle vier Finger auf dem Griffbrett zu platzieren. Allerdings erfordern die dickeren und schwereren Saiten der großen Streichinstrumente grundsätzlich mehr Kraft. Die Beweglichkeit der Spielhand wird daher entscheidend davon abhängen, wie wir es schaffen, den Krafteinsatz der Hand zu minimieren.

Soweit die Rahmenbedingungen.

Da es aber auch noch einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Umgang mit der Hand beim Cello und beim Kontrabass gibt, werden wir heute die Sache auch bei diesen Instrumenten differenziert betrachten.

Der Kontrabass hat die dicksten und schwerfälligsten Saiten aller vier Streichinstrumente. Man kann sich gut vorstellen, dass hier am meisten Andruck notwendig ist, um eine Saite auf das Griffbrett zu bringen den Ton wirklich klangvoll abzugreifen.

Nun kommt aber beim Greifen des Kontrabasses eines hinzu. Der Bass steht nahezu senkrecht auf seinem Stachel und wird gegen den Körper des Spielers gelegt. Das der Bass aber eher seitlich am Körper des Spielers ruht, kann diese Stütze nicht wie beim Cello als Gegendruck zum Fingergriff benutzt werden. Der Kontrabass muss zu einem gewissen Teil von der linken Hand gehalten werden.

Und da dies nötig ist, kommen wir beim Greifen auf diesem Instrument nicht um einen gewissen Gegendruck des Daumens herum.

Es wird hier also darum gehen, trotz relativ viel Kraftaufwand beim Greifen und zusätzlich dem Gegendruck des Daumens, zu einer Greifweise zu kommen, die durchlässig, beweglich und flexibel ist.

Und hier gilt eine alte Regel: Je kräftiger ein Finger ist, desto geringer ist der Kraftaufwand beim Greifen und desto flexibler kann eine Hand oder ein Finger sein. Es geht also um Krafttraining.
Und dieses Training bekommt man am Kontrabass am allerbesten durch Übungen zum Aufheben und Aufschlagen der Finger auf dem Griffbrett.

Beim Cello hingegen haben wir den glücklichen Umstand, dass das Instrument so gut mit dem Brustkorb des Spieler gestützt ist, dass ein Gegendrücken mit dem Daumen überhaupt nicht notwendig ist um die Saite zu Greifen.

Aber sehen Sie sich einmal im Video an, wie das auf dem Bass aussieht, und was der wesentliche Unterschied zur Greifweise am Cello ist.

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Fassen wir die Sache noch einmal zusammen:

Cello:

  • Beim Cello geht es darum, zunächst die Hand in eine Stellung zu bringen, in der die Finger „lotrecht im Raum“ stehen. Stellen Sie Ihre vier Finger auf und drehen Sie den Arm etwas einwärts.
  • Beim Greifen auf dem Cello brauchen Sie überhaupt keinen Gegendruck vom Daumen. Der Kraftschluss erfolgt über das Armgewicht durch die Finger und das Cello auf das Brustbein.
  • Das Federn der einzelnen Finger ist genau wie bei der Geige durch die Beugebewegung der beiden vorderen Fingergelenke und die Streckbewegung des Grundgelenks.
  • Sehen Sie zu, dass sie den „äußeren Teil“ der Handfläche nahe genug an das Griffbrett bringen, sodass der vierte Finger gebeugt stehen kann.

Kontrabass

  • Die Handstellung ist der des Cellos sehr ähnlich. Allerdings besteht ein grundlegender Unterschied:
  • Da der Kontrabass nicht komplett vom Körper des Spielers gehalten wird wie beim Cello bedarf es des leichten Gegendrucks des Daumens um die Saite mit den Fingern abzugreifen.
  • Die Finger stehen eher senkrecht zum Griffbrett und greifen somit gegen den Daumen. Hier wird es heraus zu bringen sein, mit wie wenig Gegendruck vom Daumen man auf dem Instrument spielen kann.
  • Versuchen Sie aber auch hier mit den Fingern abzufedern. Dies ist möglich, wenn der Daumen nur leicht den Hals des Instrumentes stützt und Sie nicht mit aller Gewalt „zupacken“. Auf diese Weise sollte ein federndes und flexibles Greifen auch auf diesen großen Instrumenten möglich sein.

Bitte betrachten Sie dies aber nicht als Kurzanleitung nach dem Motto: „einmal kapiert, und dann läuft es für den Rest des Lebens“.
Nein, diese Fertigkeiten der Hand und der Finger beruhen auf teilweise monate- oder sogar jahrelangem Training. Die Muskeln der Finger und der Hand müssen sich entwickeln, Kraft aufbauen bis sie dieses schnelle flexible Greifen selbstverständlich ausüben können.

Machen Sie sich also bitte keine Gedanken, wenn es nicht sofort läuft. Es kann am Anfang gar nicht anders, als recht mühevoll gehen. Die oben gezeigten Gedanken geben Ihnen daher ein Bild, wohin die Reise geht.

Manchmal kommt man nämlich vor lauter eifrigem Üben in die Lage, in der man unbedingt etwas schwieriges durch bekommen will. Und dann kann es leicht passieren, dass genau die oben beschriebene Flexibilität auf der Strecke bleibt und die Sache anstrengend wird.
Nehmen Sie sich daher bitte in solchen Augenblicken etwas zurück und beschauen Sie noch einmal die Lage und machen Sie sich klar, dass das oben Beschriebene auf jeden Fall der Weg ist, wie Sie zum selbstverständlichen Spiel Ihrer schnellen Partien finden werden.

Und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute bei Üben. Lassen Sie die Freude beim Spielen und die innere Gelassenheit auf jeden Fall an erster Stelle stehen.

herzlichst

Felix Seiffert

2 Kommentare

  1. Avatar

    Lieber Felix,

    Ich habe leider die Schwaeche mich leicht zu Ueberanstrengen mit fast allem was ich tue. Und so nun auch beim Ueben. Da schmerzt mir mal der linke Daumen , auch wenn ich ihn beim Cellospielen nicht brauchen sollte. Dann mal der L Zeigefinger und so fort.
    Dann nehme ich mir nur Streichuebeungen vor, bis mir da wieder was weh tut.
    Ich meine immer dass man lieber zu viel als zu wenig tun soll. Aber es kommt wahrscheinlich auf die Balance an!

    Lieber Gruss
    C

    • Avatar

      Liebe Cornelia,

      Puh, das ist gar nicht leicht zu beantworten, ohne Dein Spielen gesehen zu haben. In der Regel tut ein Finger oder ein Körperteil weh, wenn man ihn übermäßig belastet. Und dies tut man meist dann, wenn man an anderer Stelle das Gleichgewicht nicht gefunden hat. Das sind sozusagen Kompensationsbewegungen. Du hältst Dich sozusagen an einer Stelle fest, weil Du glaubst, an anderer Stelle zu schwach zu sein. (ich weiß, sehr allgemein gesprochen).
      Gut ist es ganz bestimmt, einmal auf dieses Körperteil ganz zu verzichten, und beispielsweise nur Bogenübungen zu machen. Du musst Dich der Sache aber auch in der linken Hand stellen und zusehen, mit wie wenig Kraft es eventuell auch gehen kann. Versuche einmal zu spüren, wie wenig Kraft die Finger eigentlich doch brauchen, um die Saiten nieder zu halten.

      herzliche Grüße

      Felix

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