Schnelles Greifen – Teil 1 – die Handstellung bei Geige und Bratsche

Die Handstellung?

Im letzten Beitrag haben wir uns um den Bogenstrich gekümmert und festgestellt, dass die Geschwindigkeit von Noten nicht durch viel Aktion zu erreichen ist, sondern viel mehr durch kleine Bewegungen. Nun wird aber auf den Streichinstrumenten die Musik nicht nur mit dem Bogen gemacht.

Und es öffnet sich gleich ein ganzes Themengebiet, wenn einmal die Frage in den Raum geworfen wird:

Was machen wir eigentlich mit der linken Hand, wenn es schnell wird?

Oder anders gefragt: Wie sollen wir mit unserer linken Hand umgehen, damit unser Spiel so richtig schnell wird?

Nun, ich glaube, wir kommen der Sache näher, wenn wir die Sache von mehreren Gesichtspunkten aus betrachten.

Da wäre einmal die Grundstellung der Greifhand, die Beweglichkeit überhaupt erst ermöglicht. Man muss die Hand auf eine ganz bestimmte Art auf das Griffbrett stellen, damit die Finger in der Lage sind, genau die Töne zu treffen und auch genügend Bewegungsfreiheit zu haben.

Der zweite Aspekt wäre das, was in unserem Gehirn abläuft, wenn man greift. Sehr viele „Hänger“ im Bewegungsablauf von schnellen Tonfolgen passieren dadurch, dass es in der Vorstellung der Bewegung „blinde Flecken“ gibt. Sie ahnen gar nicht, wie vieles sich durch eine klare Vorstellungsarbeit erlernen lässt.

Und schließlich muss man sich um den korrekten zeitlichen Ablauf von Bewegungen kümmern.

Das sind Themen für mehrere Blogartikel, scheint mir.

Fangen wir dieses mal mit dem ersten Punkt an:

Bewegungsfreiheit in der Handstellung, ist das Stichwort um das es wohl gehen wird. Ein eigentlich ganz einfacher Punkt, möchte man meinen. Es ist doch logisch, dass man Bewegungsfreiheit braucht, um sich bewegen zu können. Man könnte es auch „Bewegungsraum“ nennen.

Nur wenn man sich die Praxis ansieht, ist es des öfteren der Fall, dass dies doch nicht so selbstverständlich zu verwirklichen ist, wie man meinen möchte.

Sehen wir uns einmal die Anatomie der Hand, und wie sie mit Saiten und Griffbrettern umgeht, an:

Da haben wir die Finger, die mit ihrer Kuppe die Saite auf das Griffbrett niederhalten. Diese Finger sollen nun einerseits die Saite abgreifen, und andererseits auch wieder empor gehoben werden, und das mitunter recht schnell. Außerdem sollen sie in der Lage sein, blitzschnell die Tonhöhe zu variieren, also entlang der Saite zu rutschen, bzw. an verschiedenen Stellen der Saite aufzutreffen.

Und wenn man sich diese Forderung ansieht, kommt man zu dem Schluss; dass dies nur möglich ist, wenn sämtliche Finger in einer Stellung auf dem Griffbrett stehen, in der kein Gelenk am Anschlagspunkt seiner Bewegungsmöglichkeit ist. Jedes Gelenk sollte sowohl in der Streckung als auch in der Beugung noch Bewegungsmöglichkeit besitzen

Einfacher Satz: Kein durchgedrücktes Gelenk!

So einfach ist das auszusprechen, aber was kostet es uns dies wirklich zu realisieren?

Wollen wir beim Spielen beweglich bleiben, müssen wir es schaffen, federnd mit den Fingern auf die Saite zu treffen. Jedes Aufklopfen des Fingers ist ein gleichzeitiges Abfedern des Armgewichtes auf dem Finger. Am Kontrabass und am Cello will dieses trainiert sein, immerhin sind hier die Saiten dick und es bedarf einiger Kraft, diese Saiten überhaupt auf dem Griffbrett zu halten.

Bei der Geige und der Bratsche, um die es im heutigen Video gehen soll, brauchen wir nicht so viel an Kraft. Die Saiten sind dünner und nicht so weit vom Griffbrett entfernt wie bei den großen Streichinstrumenten. Allerdings entsteht bei diesen Instrumenten aufgrund ihrer Haltung eine Handstellung, bei der der linke Arm sehr weit in sich verdreht ist. Bei der Geigen- und Bratschenhaltung hat die Greifhand daher von vornherein schon eine gewisse Spannung, die die Beweglichkeit hemmen kann, wenn man mit ihr nicht richtig umgeht.

Es wird daher nötig sein gerade hier zu einer Handstellung zu finden, in der Sie alle Gelenke dennoch beweglich halten können.

Und wie das bei Geige und Bratsche möglich ist, sehen Sie hier im Video:

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Fassen wir noch einmal die wichtigsten Punkte zusammen:

  • Üben Sie die Stellung des Arms zunächst ohne Instrument. finden Sie heraus, wie Sie die Hand einwärts drehen können und dabei nicht die Schulter verkrampfen. Setzen Sie dabei den Ellbogen mit ein, der weit genug unter der Geige hindurch wandern muss, bis sich der Arm ohne Verkrampfung zur richtigen Handhaltung hin verdrehen lässt.
  • Finden Sie die Handstellung, in der das Handgelenk eine gerade Grundstellung hat. Im Prinzip soll der Handrücken in der direkten Verlängerung zum Unterarm stehen, ähnlich der Stellung, wenn Sie den Arm natürlich herunter hängen lassen.
  • Die Finger greifen gegen die Saite und das Griffbrett, nicht gegen den Daumen. Der Gegengriff des Daumens (für den wir als Primaten konditioniert sind) versteift unsere Gelenke und macht die Finger unbeweglich. Daher schalten Sie den Gegendruck des Daumens aus, so weit Sie können.
  • Der Hals der Geige liegt bisweilen mit seinem Gewicht auf dem Daumen. Der Finger klopft auf die Saite und federt auf ihr ab.
  • Dieses Federn geschieht durch eine Beugebewegung in den vorderen beiden Fingergelenken und der gleichzeitig leichten Streckbewegung in Grundgelenk des Fingers. Aber Achtung! Kein Gelenk bewegt sich zum Anschlag.
  • Insbesondere der 4. Finger bedarf besonderer Beachtung. Er ist der dünnste Finger und muss im Verhältnis zu seiner Größe die meiste Kraft aufbringen, um die Saite nieder zu halten. Finden Sie eine Handstellung, in der das Grundgelenk des 4. Fingers nah genug am Griffbrett steht. Nur so kann der Finger eine Stellung einnehmen, in der er mit gekrümmten Gelenken auf der Saite steht.

Und nun wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei Ihren eigenen Experimenten am Instrument. Behalten Sie bitte immer das Gespür für Ihren Arm, er wird Ihnen immer wieder sagen, wann Sie ihn in eine gute Stellung zum Spielen gebracht haben.

herzliche Grüße

Felix Seiffert

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