Richtiges Greifen, oder wie Sie mit der weiten Griffart am Cello zurecht kommen

Spielen Sie Cello?

Finden Sie das Greifen auf diesem großen Instrument anstrengend?

Macht es Mühe?

Ja, das Cello ist ein großes Instrument, das kann man wohl sagen. Und darauf die einzelnen Töne wirklich zu treffen, das ist für machen schon eine kleine Herausforderung.

Und genau deshalb sollten Sie sich den folgenden Tip wirklich zu Herzen nehmen.
Ein sehr großer Prozentsatz aller Verkrampfungen und mangelnder Beweglichkeit beim Cellospiel resultiert aus einer falsch verstandenen Haltung der linken Hand.

Und dieses Problem kann man lösen! Damit müssen Sie nicht leben!

Und ich spreche da aus Erfahrung heraus, schließlich habe ich schon so etliche Schüler durch die Anfänge geleitet und dabei so einiges erlebt.

Aber eines kann ich auch sagen: Wenn man am Anfang die richtigen Grundlagen anlegt, erschafft man sich ein freudiges Leben mit dem Instrument, weil man sieht, hört und spürt, wie es wirklich weiter geht.

Aber nun zum Problem, das es zu lösen gilt:

Auf einem normalen Cellogriffbrett müssen Sie ihre Finger, um die jeweiligen Töne zu treffen, etwa 3 bis 3,5 cm voneinander entfernt aufstellen. Das klingt jetzt nicht besonders aufregend, aber machen Sie das mal auf einem Tisch. Sie werden merken, das ist gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass dabei die Finger auch noch frei und schnell beweglich bleiben sollen.
Dazu kommt noch die sogenannte „weite Lage“, eine Handstellung bei der die ersten beiden Finger auch noch den doppelten Abstand einnehmen.

Erkannt, worum es geht?

Wir müssen uns also etwas einfallen lassen, damit Sie sich trotz dieser Anforderungen eine bewegliche, und gefühlvolle Hand bewahren, und sogar schulen können.

Ich denke, jetzt ist es Zeit, dass Sie sich einmal den Film ansehen, in dem ich Ihnen das genau beschreibe.

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Und hier noch einmal die wesentlichen Punkte zum „mitschreiben“:

  • Die erste Grundlage: Sie brauchen eine Handstellung bei der die Finger lotrecht auf der schiefen Ebene des Griffbretts stehen. Stellen Sie die Finger so auf, dass es aussieht, als stände der erste Finger auf der höchsten Stufe einer gedachten Treppe. Sie erreichen diese Handstellung dadurch dass Sie den Arm leicht einwärts drehen (so als würden Sie auf Ihre Armbanduhr schauen).
  • Platzieren Sie Ihren Daumen so unter dem Hals, dass er gegenüber dem zweiten Finger steht. Nur so wird Ihre Hand in der Lage sein sich genügend für die weite Lage zu „öffnen“.
  • Nun strecken Sie den ersten Finger aus. Der richtige Tonabstand entsteht durch das „Strecken des Fingers“. Nicht die Spreizfähigkeit der Finger macht den Abstand, sondern das Strecken. Sie erinnern sich ja an oben, hier geht es um immerhin 7 cm Abstand zwischen den zu greifenden Tönen. Nicht mehr und nicht weniger fordert die weite Lage
  • Um sich richtig ausstrecken zu können, muss auch die Hand in den richtigen Winkel zum Cellohals gebracht werden. Nehmen Sie dazu den Ellbogen leicht nach vorn. Sie sehen auch im Video wie nun der erste Finger quasi in der Verlängerung des Unterarms steht. (so wie der erhobene Zeigefinger von Lehrer Lämpel)

Und wenn Sie diese Angaben beherzigen, werden Sie sich sehr bald über Ihr eigenes  Spiel freuen, bei dem Ihre Hand einfach richtig mitgeht und das macht, was Sie sich vorstellen. Und das, obe sie nun in der engen oder der weiten Lage auf dem Cello unterwegs sind.Vielleicht ist es so ähnlich wie wenn man zum ersten mal über richtig gutes Werkzeug verfügt, mit dem man seine Produkte herstellen will.

Viel Vergnügen bei Ihren Übungen und alles Gute beim Experimentieren, wünscht Ihnen

Ihr

Felix Seiffert

p.S.: und ich würde mich freuen, wenn Sie mir einmal von Ihren Resultaten Ihrer Übungen berichten würden.

 

4 Kommentare

  1. Avatar

    sehr schöne erklärung! Danke!nachdem sich die erweiterte Lage bisher sehr verkrampft anfühlte, denke ich nun auf dem richtigen weg zu sein. Großes Lob für diese ausfürhliche und nachvollziehbare Einführung!

    • Avatar

      Aber gerne,

      man muss manchmal die Anatomie einfach genau analysieren, dann kommt man auf Bewegungsarten, die letztlich zum Ziel führen, auch wenn man es rein intuitiv ganz anders machen würde.

  2. Avatar
    Johannes Eggenberger

    Schönen gutenTag Herr Seiffert, ich habe Ihre Beiträge, auch bei Youtube, mit Gewinn für mich wahrgenommen.Ein herzliches Danke dafür! Ich benutze das Cello hauptsächlich improvisatorisch, und habe daher ein gesteigertes Interesse an einem möglichst variabelem Konzept der Spieltechnik. Im Gegensatz zum spielen vorgefertigter Literatur ist es dem improvisierenden nicht möglich Fingersätze(die sozusagen zum „Ziel“ führen) in dieser Weise zu nutzen.
    Der „Fingersatz“ des Improvisateurs hat der Intuition und der Erfahrung zu folgen.
    These: So ökonomisch als möglich spielen,- die Phrasen“vordenken“ und bei der Realisierung auf den Erfahrungsschatz der Bewegungsmöglichkeiten (die es stehts zu erweitern gilt) zurückgreifend, dieselben ausführen. Alles ist, wenn es denn dem zu verwirklichenden Gedanken dient, erlaubt, wenn nicht sogar zwingend nötig wenn es keinen „besseren“oder einfacheren Weg gibt der Phrase ins „Leben“zu verhelfen. Also auch das, was die klassische Schule angeht,“abwegige“……?
    Ich würde mich freuen eine wie auch immer gearteten Kommentar im Sinne einer Ergänzung von Ihnen zu bekommen.
    Sonnige Grüße aus Leverkusen
    Johannes Eggenberger

    • Avatar

      Hmm, darauf eine Antwort zu geben ist nicht leicht, vor allem, wenn man die klassische Aufbildung genossen hat. Sie haben auf der einen Seite vollkommen recht. Will man improvisatiorisch spielen, muss man zusehen, dass man vorausschauend Fingersätze machen muss um in die Phrase hinein zu finden und ohne Holpern durchkommen. Das verlangt eine Menge an Erfahrung.
      Ich kann Ihnen allerdings versichern, dass man auch als klassisch ausgebildeter Spieler, der nach Noten lernt und zunächst recht stur seine Lagen einsudiert, irgendwann an genau diesen Punkt kommt, dass man intuitiv spielt. Man kommt dahin, dass man nicht mehr an die Lagen oder Fingersätze denkt, sondern intuitiv der Melodie folgt. Viel mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen.
      Dieses vielleicht stur wirkende rationale Erfassen der Griffmöglichkeiten wird durch die Spielpraxis aufgeweicht und sozusagen intuitiv.

      Herzliche Grüße aus dem schönen Bayern

      Felix Seiffert

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