Greifen auf dem Kontrabass – die Geographie des Griffbretts

Die Reihe von Beiträgen über die Griffweise auf den verschiedenen Instrumenten wäre nicht komplett ohne den Kontrabass.

Der Kontrabass, das wurde ja schon in einigen Beiträgen thematisiert, ist nur bedingt der Violinfamilie zuzuordnen. Seine Form und auch die Stimmung seiner Saiten rührt von der Gambenfamilie her, einer Instrumentengattung die in der Renaissance und der Barockzeit, neben der Violinfamilie bestand hatte. Etwa ab dem Zeitalter der klassischen Musik wurden diese Instrumente aber nicht mehr benutzt, da sie aufgrund ihres eher leisen und feinen Klangs nicht in das Klangbild eines damals modernen Orchesters passten.

So setzte sich letztlich die Violinfamilie durch. Nur als es darum ging, dass man ein großes Bassinstrument brauchte, einen Kontrabass, der seine Stimme noch einmal eine Oktave tiefer spielt als das Violoncello, da gab die Violinfamilie ein solch großes Instrument nicht her.

Und dies hat folgenden Grund: Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden ein großes Bassinstrument bauen, das klingen soll wie eine Violine. Das Instrument sollte den gleichen Abstand der Saiten zueinander haben, also von einer Saite zur nächsten 5 Töne. (die bekannte Stimmung in Quinten, die Geige, Bratsche und Cello besitzen)

Können Sie sich vorstellen, dass das mit der Hand eines „normalsterblichen“ Menschen überhaupt nicht mehr möglich ist, auf einem solchen Instrument eine Tonleiter zu greifen, ohne ständig mit der Hand zwischen verschiedenen Lagen hin und her zu rutschen? Genau dieses ist nämlich der Fall, weshalb den Bassisten die Bauart der Gambe sehr entgegen kommt.

Die Gambe ist in Quarten gestimmt. Möchten Sie ausgehend von einer leeren Saite eine Tonleiter bis hinauf zur nächsthöheren leeren Saite spielen, haben Sie noch zwei Töne dazwischen zu greifen. Und das schafft ein Bassist. Dies ist ein wichtiger Grund, warum der Kontrabass als Relikt der Gambenfamilie zum Streichorchester dazu stieß.

Aber kommen wir jetzt ganz konkret zur Greifweise auf dem Kontrabass. Das Instrument muss sehr groß sein, damit die tiefen Saiten genügend klang entwickeln können. Die Saitenlänge eines Basses in normaler Größe beträgt etwas mehr als einen Meter. Nun kann man sich vorstellen, dass dadurch die Abstände der einzelnen Halbtöne auf dem Griffbrett ebenfalls sehr groß sind.

Die Spreizfähigkeit der menschlichen Hand ist aber bei allen Unterschieden zwischen den verschiedenen Spielern doch gewissen Grenzen unterworfen. So ergibt sich am Kontrabass eine Greifweise, die sich in der Zuordnung der Finger zu den einzelnen Tönen in ganz massiver Weise von den anderen Instrumenten unterscheidet.

Aber sehen Sie sich die Sache einmal im Video an.

Fassen wir also noch einmal zusammen:

Aufgrund der Größe des Instruments und insbesondere der Länge der schwingenden Saiten ergibt sich auf dem Kontrabass nur die Möglichkeit, zwischen dem 1. und 4. Finger einen Ganzton abzugreifen.

Um dieses zu bewältigen, müssen der 1. und der 2. Finger in einen großen Abstand gebracht werden. Anatomisch ähnelt dieses Griffbild dem der weiten Lage am Cello. Der 1. Finger hat einen größeren Abstand zum 2. als die übrigen Finger untereinander. Dieser Größere Abstand bewirkt aber, dass die Töne, die diese beiden Finger greifen können, im Halbtonabstand zueinander stehen. Der zweite Halbton wird nun zwischen dem 2. und dem 4. Finger gegriffen. Der 3. Finger bleibt in dieser Greifweise ohne Funktion.

Da der Kontrabass in Quarten gestimmt ist, reichen diese Griffmöglichkeiten aber aus, um einige Tonarten in einer Lage durchzuspielen.

1. Lage: der erste Finger steht einen Ganzton über der leeren Saite. Auf der D-Saite wäre das der Ton e. Der zweite Finger steht auf dem f und der vierte Finger auf dem fis. Bis zur nächsten Saite, der G-Saite, besteht jetzt nur noch ein Halbtonabstand. Aber damit ist die Tonfolge Ganzton – Halbton – Ganzton und auch die Tonfolge Ganzton – Ganzton – Halbton zwischen zwei leeren Saiten spielbar.

Möchten wir allerdings ausgehend von der leeren Saite die Tonfolge Halbton – Ganzton – Ganzton abgreifen, muss die ganze Hand in die „halbe Lage“ gebracht werden. Hierzu rutschen Sie einfach mit der ganzen Hand einen Halbton zurück, sodass jetzt der 1. Finger im Halbtonabstand zur leeren Saite steht. Befinden Sie sich wieder auf der D-Saite, greift nun der erste Finger das es, der zweite Finger steht auf dem e und der vierte Finger auf dem f. Diese halbe Lage ist aufgrund seiner Handstellung öfter dann gefragt, wenn viele Töne mit b Vorzeichen in den Noten stehen.

Wenn sie möchten, dann drucken Sie sich doch auch hier wieder die zum Download bereitgestellte Grifftabelle zum selbst Ausfüllen aus. Ich denke dass es immer besser ist, sich eine Grifftabelle selbst zu erschließen, indem man die Töne von Hand einträgt. So prägt sich die Sache gleich ganz anders ein, als wenn man immer wieder auf ein vorgefertigtes Stück Papier schaut.

Grifftabelle Kontrabass erste und halbe Lage – Partitur

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und viel Spaß mit dem Kontrabass, falls Sie jetzt einen Ihr eigen nennen und sofort die Sache um setzen und damit viele viele Möglichkeiten für sich erschließen.

Machen Sie es gut bis nächst Woche

Felix Seiffert

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