Die erste Lage am Cello – sind eigentlich zwei Lagen

Die erste Lage am Cello

Hast Du schon begonnen am Cello? Hast Du schon Deine erste Melodie gespielt? Dann schwirrt dir bestimmt der Begriff „Die erste Lage“ im Ohr.

Dann hast Du Dich dabei sicherlich gefragt: „Welche Finger greifen da eigentlich welche Töne?“

Eventuell hast Du es ganz intuitiv gemacht und einfach einmal die Melodie, die Du gehört hast, egal wie, auf dem Griffbrett gegriffen und dazu die Töne angestrichen.

Ganz gleich wie Du es gemacht hast: Du hast bestimmt sehr schnell herausgefunden, dass die einzelnen Töne relativ weit voneinander entfernt liegen und dass man die Finger ziemlich gut spreizen muss um die Töne zu erreichen.

Versuchst Du es wie auf der Geige, nämlich dass Du die Töne einer Tonleiter hintereinander weg einfach jeden mit einem neuen Finger greifst, dann wirst Du sehr schnell verzweifeln. So kommst Du nicht weiter. Die Töne liegen viel zu weit auseinander.

Lass uns daher einmal genau hinsehen und einen Weg finden, wie man das machen kann.

Die erste Lage – Das System

Wie Du gerade oben gesehen hast, funktioniert es einfach nicht, am Cello jeden Ton der Tonleiter mit einem neuen Finger greifen zu wollen.

Eventuell weißt Du ja, dass Melodien hier im Abendland meist im diatonischen Tonsystem (zum Beispiel in Dur oder moll) klingen. Und in diesem System stehen in der Tonleiter die Töne im Ganzton- und manchmal auch im Halbtonabstand.

Kennst Du Dich mit dem Tonsystem nicht aus, dann schau Dir doch diesen Blogartikel an: Dur – was bedeutet das eigentlich? 

Wie wäre es denn wenn wir mit den Fingern einfach im Halbtonabstand greifen? Dann wäre es für die Hand sehr viel angenehmer. Es hat allerdings den Nachteil, dass wir nun nich mehr jeden nächsten Ton in der Tonleiter mit dem nächsten Finger greifen können. Es erfordert ein etwas anderes Denken. Du musst Dir in der ersten Lage angewöhnen, bei manchen Tonschritten einen Finger zu überspringen. Aber das lernst Du sehr schnell wenn Du einmal die ersten Tonleitern und Stücke in der betreffenden Tonart auf dem Cello spielst.

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Aber das ist es auch schon, was wir am Cello machen: Unsere Hand steht so auf dem Griffbrett, dass mit den 4 Fingern genau vier Plätze belegt sind, die im Halbtonabstand stehen. Du kannst das auf diesem Bild sehen. (Diese Grafiken sind übrigens aus dem Intensivkurs Cello entnommen. So werden dort sämtliche Zusammenhängen auf dem Cellogriffbrett gezeigt. Ziehe einfach die Maus über das Bild oder tippe auf Deinem Mobilgerät darauf, dann erscheinen die Noten unter den gegriffenen Tönen)

Die erste Lage im Enggriff

 

Betrachten wir einmal die Namen der Töne, die wir auf der D-Saite greifen. Der 1. Finger spielt ein e, der 2. Finger ein f, der 3. Finger ein fis und der 4. Finger ein g.

Nun hat die Sache allerdings einen Nachteil. Wie Du vielleicht bemerkt hast, kann die Hand so nicht alle Halbtöne abgreifen, die auf dem Cello vorhanden sind. An zwei Stellen stehen bei dieser Art zu greifen einfach keine Finger.

Und aus diesem Grund gibt es am Cello noch eine zweite Griffart, den sogenannten Weitgriff. Beim Weitgriff, spreizt Du Deinen 1. Finger einfach um einen weitern Halbtonschritt weiter ab und kannst so den Ton greifen, der zwischen dem normalen Platz des ersten Fingers und der leeren Saite steht.

Im Griffbild sieht das so aus:

Die erste Lage im Weitgriff

 

Nun greifen die Finger die folgenden Töne: Der 1. Finger greift ein es, der 2. Finger wieder das f, der 3. Finger das fis und der 4. Finger immer noch das g.

Du siehst schon, wir haben am Cello damit zwei Griffarten, den Enggriff und den Weitgriff. Die erste Lage funktioniert so wie alle Lagen hinauf bis zur Vierten.

Eine Sache wird hierbei allerdings auch klar. Die erste Lage hat ihren Namen nicht wegen der Stellung des ersten Fingers sondern sie definiert sich aus der Stellung aller anderen Finger. Wie Du auf den beiden oberen Griffbildern sehen kannst, bleiben nämlich die Finger 2 bis 4 und übrigens auch der Daumen bei der Angelegenheit auf ihrem Platz stehen. Der erste Finger hingegen nimmt zwei verschiedene Stellungen ein.

Halten wir also noch einmal ganz simpel fest: Greifst Du auf der D-Saite mit dem 4. Finger den Ton g, dann befindest Du Dich in der ersten Lage. So einfach ist das.

Jetzt haben wir aber leider immer noch nicht alle Töne gegriffen, die es auf dem Griffbrett im Bereich der ersten Lage gibt. Wenn Du Dir das Griffbild oben noch einmal ansiehst, wirst Du vielleicht bemerkten dass zwischen dem Ton, den der 4. Finger greift und der nächsthöheren leeren Saite noch einmal ein Halbton fehlt.

Wie können wir dem begegnen?

Ganz einfach: wir verschieben die ganze Hand um einen Halbton. Daraus ergibt sich nun dieses Griffbild:

Die erhöhte erste Lage im Enggriff

 

Hier greift der 1. Finger das f, der 2. Finger das fis, der 3. das g und der 4. Finger das gis.

Und sehr oft kommt die erhöhte erste Lage im Weitgriff vor, was Du hier sehen kannst.

Die erhöhte erste Lage im Weitgriff

 

Die Finger 2, 3 und 4 greifen hier die gleichen Töne wie im Enggriff, nur der 1. Finger greift wieder sein ursprüngliches e.

Nun kannst Du tatsächlich jeden Halbton zwischen der leeren C-Saite und dem Ton „dis“ auf der A-Saite greifen. Das Ganze nennt man landläufig die erste Lage, in Wirklichkeit sind es aber zwei Lagen nämlich die erste Lage und die erhöhte erste Lage.

Und nun meine Bitte an Dich:

Bitte sei so gut und übe tatsächlich nach dieser Methode: Ich habe in meinem Leben einfach zu viele Schüler gesehen, die versucht haben, das gis auf der D-Saite mit einem 4. Finger zu spielen, den sie einfach irgendwie an diesen Platz geschoben haben. Oder sie haben die erhöhte Lage irgendwie gemacht und dabei mit dem Daumen keinen ordentlichen Lagenwechsel in die erhöhte erste Lage vollzogen.

Das Resultat: Lebenslanges Defizit im sauberen Spielen von Tonarten. Ja, leider muss ich das so krass formulieren. Diese Schüler haben sich damit ihre Technik dermaßen eingeschränkt und leben damit mit tatsächlichen Defiziten, die sie nicht mehr so leicht lösen können.

Aber wie lernst Du es richtig? Mit gutem Unterricht, einem guten Schulwerk und am besten mit einem Lehrer, der Dir die Sache auch wirklich auf vernünftige Art zeigt. An dieser Stelle verzeih mir etwas Werbung: Im Intensivkurs Cello wird die Sache eingehend und so genau eingeübt, dass Du am Ende damit definitiv kein Problem mehr hast. Das verspreche ich Dir.

Aber ganz egal wie Du es Dir eintrainierst: Ich wünsch Dir gutes Gelingen damit. Wenn Du Dich mit dem Gedanken anfreundest, dass die erste Lage aus mehreren Stellungen besteht, dann wirst du ganz bestimmt zum sauberen Spielen in vielen Tonarten finden können.

herzlichst

Felix Seiffert

 

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