Kolophonium – was weiß ich über Kolophonium?

Wir reden im ganzen Blog über den schönen Ton, und wie man ihn auf einem Streichinstrument erzeugen kann. Wir streichen über Saiten, bemühen uns um den richtigen Zug des Bogens, um die rechte Gewichtung des Arms. Wir bemühen uns um perfekte Intonation.

Aber über eine wesentliche Sache haben wir überhaupt noch nicht geredet. Etwas, ohne das alles nichts ist.

Und was ist es?

Womit behandeln wir unseren Bogen, damit überhaupt ein Ton aus dem Instrument heraus kommt?

Richtig: das Kolophonium

Aber was ist das eigentlich?

Wollen wir kurz etwas ausholen: Kolophonium, ist im Prinzip Harz, das aus Nadelhölzern gewonnen wird. Besser gesagt handelt es sich hier um den festen Bestandteil von Baumharz, der übrig bleibt, wenn man aus demselben das Terpentinöl herausdestilliert. Kolophonium ist immer durchsichtig (oder zumindest durchscheinend) und von gelblich-brauner bis sehr dunkler Farbe.

Seinen Namen hat es übrigens von der antiken Stadt Kolofon (in der heutigen Türkei), die ein berühmter Umschlagspunkt für eben dieses Produkt gewesen sein soll.

Kolophonium ist ein sehr festes, und je nach Beschaffenheit mehr oder weniger klebriges Harz, dass durchaus für verschiedene Zwecke verwendet wird.

So dient es zum Beispiel als Flussmittel beim Löten.

Auch verwenden es Balletttänzer um ihren Tanzboden rutschfest zu machen. (eine recht klebrige Angelegenheit – Kolophoniumstaub auf dem Fußboden. Die Erfahrung der Tänzer wird jeder Streicher einmal machen, wenn er sein gutes Stück Kolophonium aus Versehen fallen lässt. Es zerbricht in viele tausend Teile)

Eine weitere Verwendungsmöglichkeit lernte ich im Kunstunterricht. Wenn man Kolophonium in Terpentin auflöst, kann man es mit einem Blasrohr auf eine frische Kohlezeichnung sprühen, die damit fixiert wird. Es legt sich wie ein feiner sich verfestigender Film über die ganze Zeichnung und die Kohle sitzt für immer unverrückbar auf dem Blatt Papier fest.

Außerdem wurde Kolophonium im sogenannten Aquatinta Verfahren verwendet. Druckplatten von Radierungen werden hier mit Kolophoniumstaub rau gemacht, wodurch auf den entsprechenden Flächen eine Grauschattierung möglich ist. Ohne diese Methode gäbe es bei Radierungen nur schwarze und weiße Bereiche.

Und – wir wollen es nicht vergessen:

Es ist das Mittel, das dazu dient, die Haare eines Bogens so klebrig und griffig zu machen, dass sie in der Lage sind, eine Saite anzustreichen und einen guten Ton auf ihr hervor zu bringen.

Hast Du einmal versucht, einen nagelneuen Bogen, oder zumindest einen, der gerade frische Haare bekommen hat, über die Saiten Deines Instrumentes zu ziehen?

Na was hast Du gehört?

Genau! Gar nichts.

Haare für sich sind zwar unter dem Mikroskop betrachtet etwas rau. Sie haben Schuppen, wie man dort genau erkennen kann.
Aber nie und nimmer sind sie für sich alleine in der Lage, die Saiten eines Instrumentes in Bewegung zu bringen.

Die Bogenhaare müssen griffig gemacht werden, klebrig, sodass sie die Saite mitnehmen. Kolophonium wird auf die Haare gestrichen. Und dabei pulverisiert es und setzt sich auf die Haare.

Beim Anstreichen einer Saite treten nun im mikroskopischen Bereich Reibungstemperaturen von 70 bis 90 Grad Celsius auf, sodass sich beim Spielen kurzzeitig das Kolophonium schmilzt und sich mit dem Bogenhaar verbindet. So entsteht eine Einheit aus Bogenhaar und Kolophonium, mit der der Bogen sehr präzise eine Saite anstreichen kann.

Kommen wir zur Differenzierung verschiedener Kolophoniumarten.

Bei der Herstellung kann der Härtegrad des Kolophoniums beeinflusst werden. Und so gibt es härtere und weichere Sorten.

Führ dir einmal vor Augen, was so eine Geigensaite für ein Gewicht hat, im Verhältnis zu einer Cello- oder gar einer Kontrabasssaite. Kannst Du Dir jetzt vorstellen, dass das Kolophonium für die großen Bassinstrumente wesentlich weicher und klebriger sein muss, als das für die kleinen Geigen? Größere Saiten haben viel mehr Trägheit als kleine Geigensaiten.

Und aus diesem Grund wird man bei Geigen ein eher härteres Kolophonium verwenden.

Cellokolophonium dagegen wirkt schon deutlich klebriger. Und wenn man das für Kontrabässe ansieht, so ist das so weich, dass man bei manchen Sorten sogar mit dem Fingernagel einen Abdruck hinein drücken kann.

Je dicker die Saite, die in Schwingung gebracht werden muss, desto weicher muss das Kolophonium beschaffen sein.

Aber wie wendest Du nun das Kolophonium richtig an? Dazu sieh dir einmal diesen kleinen Film an.

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Fassen wir kurz zusammen:

  • Verwende das Kolophonium möglichst oft. Ich habe unter den vielen Schülern, die ich bisher betreut habe, zu 90% erlebt, dass sie zu wenig Kolophonium auf ihrem Bogen hatten. Das Gegenteil bringen die wenigsten zustande. Meine Empfehlung: verwende es vor jedem Üben!
  • Reibe den Bogen zuerst an der Spitze und am Frosch ein, und streiche mit dem Kolophonium dann mehrfach über die ganze Länge des Bogens.
  • Du wirst es mit der Zeit herausgekommen, genau zu spüren, ob Du genug Kolophonium auf Deinen Bogen aufgebracht hast. Ich spüre es an der Art, wie zäh sich das Kolophonium über die Haare streichen lässt. Alles Erfahrungssache!
  • Hat Dein Bogen ganz neue Haare, dann wirst du zuerst eine Menge Kolophonium aufbringen müssen. Der Bogen wird danach etwas Zeit brauchen, bis er ganz präzise streicht und einen wirklich guten Kontakt mit der Saite herstellt. Dies ist die Einspielphase des Bogens. Jetzt muss ich das Kolophonium erst in die Haare hinein „schmelzen“.
  • Danach tritt eine Phase ein, in der Du relativ wenig Kolophonium brauchst. Streiche den Bogen trotzdem täglich ein, aber eben vorsichtig.
  • Wirst Du nach ein paar Monaten feststellen, dass Du immer mehr Kolophonium brauchst, um den Bogen überhaupt zum Anstreichen zu bringen, ist die Zeit gekommen, in der Dein Bogen neue Bogenhaare braucht.
  • Aber auch das Kolophonium verbraucht sich nicht nur. Es wird mit der Zeit immer spröder, da sich die feuchten, klebrigen Bestandteile mit der Zeit verflüchtigen. Ich selbst verwende ein Stück Kolophonium nie länger als ein Jahr.

Eineine Aufstellung einiger Kolophoniumsorten, die ich gerne verwende oder getestet habe findest Du im kostenlosen Mitgliederbereich, in den Du Dich auf der BogenBalance Startseite eintrgen kannst.

Fazit:

Kolophonium ist ein oft unterschätztes Mittel, eine gute Tonansprache mit dem Streichinstrumenten hin zu bekommen.

Viele Spieler wundern sich über ihren mangelnden Ton, vernachlässigen aber gleichzeitig das richtige Kolophonieren ihres Bogens. Dabei wäre es doch so einfach.

Kolophonium sollte nicht älter als ein Jahr sein. Es wird mit der Zeit spröder und verrichtet seinen Dienst daher immer schlechter.

herzlichst

Felix Seiffert

Und nun eine Bitte an Dich: Sei doch so gut, und berichte Du von Deinen Erfahrungen mit Kolophonium. Welchen Sorten verwendest Du? Wie gehst du mit Deinem Kolophonium um? Wie kommst Du damit zurecht?

Und… wenn dir der Artikel gefallen hat, benutze doch einen der unten stehenden Social Media Buttons und sorge für Verbreitung dieser kleinen Abhandlung. Ich wäre Dir sehr dankbar.

Ach eines hätte ich noch:

vor Kurzem erreichte mich eine Nachricht von sehr netten Bekannten. Sie hatten in der Türkei auf einer Speisekarte ein Gericht gefunden, und fragten mich, ob das nicht genau der richtige Nachtisch für Cellisten sei. Auf der Speisekarte gab es einen „Reispudding mit Kolophonium“.

Na, ich wünsche guten Appetit!

15 Kommentare

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