E-Cello als Zweitinstrument

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Dieses Thema enthält 7 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Felix Seiffert Felix Seiffert vor 1 Tag, 4 Stunden.

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  • #10812
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    Andreas
    Teilnehmer

    Hallo,
    ich spiele seit 5 Jahren Cello als Spätberufener der Ü50-Generation und bin am überlegen, ob ich mir als Zweitinstrument ein E-Cello zulegen soll, gerade auch aktuell wieder wegen der extremen Temperaturen und Schwankungen der Luftfeuchtigkeit, besonders bei mir unterm Dach, was ja schon im Forum diskutiert wurde. Es geht mir aber auch ums spätabendliche Üben (ohne die Nachbarn zu stören), platzsparendes Einpacken für den Urlaub, abgesehen von zusätzlichen soundtechnischen Möglichkeiten. Bei der Diskussion „E-Cello Griff“ vor 5 Monaten kamen ja schon Probleme mit dem Klang von billigeren E-Celli nebenbei zur Sprache. Ich möchte auch gar nicht den Klang (akustisches versus elektrisches Cello) vergleichen, ich würde nie mein akustisches Cello hergeben wollen. Hat jemand Erfahrungen mit (besseren) E-Celli als Zweitinstrument gemacht? War das eine zusätzliche Hilfe und Bereicherung, oder war es eher hinderlich für die Weiterentwicklung der Spieltechnik auf dem akustischen Cello?

  • #10813
    Esther
    Esther
    Teilnehmer

    Hallo Andreas,

    herzlich willkommen in der wohl eher kleinen Runde der (auch) E-Cello-Interessenten. Das Thema E-Cello ist schon mal kurz unter „…hallo aus dem Allgäu :)“ angesprochen worden – ist aus der Überschrift nicht unbedingt zu erkennen …
    Ich habe vor etwa 10 Jahren (auch als Spätberufene ohne jegliche musikalische Vorbildung) mit dem Cello angefangen und mir vor knapp zwei Jahren ein E-Cello (Yamaha SVC 110) zugelegt. Die Gründe dafür waren ähnlich wie Deine: Mitnahme in den Urlaub, leises Üben und irgendwann mal ein paar technische Spielereien.
    Genau diesen Zweck erfüllt das E-Cello bei mir voll und ganz, weshalb ich es ganz klar als Bereicherung sehe.
    Aber mein akustisches Cello bleibt das Hauptinstrument mit dem ich übe, das ich in den Unterricht mitnehme, auf dem ich im Ensemble spiele. Und ich käme auch nicht auf die Idee z. B. barocke Stücke auf dem E-Cello zu spielen. Deshalb denke ich, dass das gelegentliche Spielen auf einem E-Cello dem „normalen“ Cello-Spiel keinen Abbruch tut. Die beiden Instrumente fühlen sich doch zu unterschiedlich an.
    Noch etwas zur Qualität: das Yamaha-Cello würde ich jetzt nicht in die Kategorie „billig“ einstufen, aber ganz ohne Nachbessern ging es bei mir nicht. Ich habe das E-Cello meinem skeptischen Geigenbauer gezeigt. Mit der Passgenauigkeit der Wirbel war er zufrieden. Allerdings hat er mir den Steg angepasst, das Griffbrett abgezogen und den Obersattel (Kunststoff) gegen einen aus Holz ausgetauscht.
    Vielleicht hilft dir diese Information weiter.

  • #10814
    Claudia
    Claudia
    Teilnehmer

    Lieber Andreas, auch ich habe mir ein Yamaha Silent Cello bei Thomann gekauft. Du kannst es 30 Tage lang ohne Angabe von Gründen kostenfrei zurückgeben. Die Gründe waren die gleichen wie bei dir. Es funktionierte ziemlich gut, wenn du allerdings ganz präzise spielen willst, dann ist es nicht das Richtige! Der Unterschied war nur minimal, führte aber dazu, dass ich auf meinem akustischen Cello mit der Intonation nicht mehr ganz so glücklich war. Letztendlich geht es beim Spielen darum, ein Gefühl für das Instrument zu entwickeln. Das Spielgefühl auf dem Yamaha Cello hat das Spielgefühl an meinem akustischen Cello gestört. Wie Esther schon schreibt, auch Thomann hat mir empfohlen, weitere Anpassungen bei einem Geigenbauer vornehmen zu lassen. Ich habe mich letztendlich gegen das Instrument entschieden und es nach 30 Tagen zurückgegeben. Hoffe, ich konnte dir helfen, viele Grüße, Claudia

  • #10827
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    Andreas
    Teilnehmer

    Vielen Dank für Eure sehr hilfreichen Informationen. Ich muss dann wohl mal meine eigenen Erfahrungen machen und ein E-Cello selber in die Hand nehmen und es ausprobieren. Mich würde noch interessieren, wie beständig die Saiten und Wirbel Eurer E-Celli bei Schwankungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit waren. Verstimmt sich ein E-Cello leichter? Kann man, wenn sich die Saiten gelockert haben, notfalls einen Steg wieder selber justieren, oder sitzt der eh fest?

  • #10831
    Felix Seiffert
    Felix Seiffert
    Keymaster

    Hallo Andreas,

    kürzlich war eine Teilnehmerin bei mir in einem Workshop mit einem E-Cello

    Es war das Yamaha SVC 110.

    Da ich noch nie E-Celli probiert hatte ging ich dran – und war überrascht. Dieses Instrument hat ein Handling wie ein „richtiges“ Cello. Es liegt gut zwischen den Beinen, hat den Halsansatz an der richtigen Stelle sodass ich mich sofort darauf zu Hause fühlen konnte. Meiner ansicht nach ist das eine wirkliche Alternative um nachts zu üben oder im Urlaub.

    Aber: Yamaha ist keine Billigmarke.

    viel Erfolg bei Deinen Überlegungen

    Felix

  • #10834
    Esther
    Esther
    Teilnehmer

    Hallo Andreas,
    mein E-Cello verstimmt sich nicht mehr oder weniger als mein akustisches. D. h. ich muss vor dem Spielen ganz normal über die Feinstimmer stimmen. Im Winter hat sich schon mal der eine oder andere Wirbel gelockert, aber mit etwas Wirbelseife ließ sich das Problem beheben.
    Das Yamaha hat für den Steg eine Aussparung, so dass Du ihn bei Bedarf selbst ausrichten kannst. Bei Anlieferung sind Steg und Saiten nicht fest montiert – es ist also vorgesehen, dass man den Steg selbst aufstellt.
    Falls Du jetzt ans Ausprobieren gehst, berichte doch mal von Deinen Erfahrungen.

  • #10976
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    Andreas
    Teilnehmer

    Hallo,
    okay, ich berichte gerne wie gewünscht von meinen Erfahrungen. Ich war jetzt in einem Musikgeschäft, die ein E-Cello Yamaha SVC 210 zum Testen hatten, was zwar etwas futuristisch aussieht, sich aber durch die faltbaren Beinstützen zum Transport gut verkleinern lässt und auch an den Wirbeln schön stimmen lässt durch die Schneckenmechanik. Die Bespielbarkeit fand ich vollkommen unproblematisch, ich kam sofort zurecht. Allerdings würde ich, wie Ihr ja schon erwähnt habt, den Steg und das Griffbrett anpassen lassen müssen, die Saiten waren mir zu nahe am Griffbrett, was dann zum Schnarren führte. Den Sound empfand ich über einen Verstärker richtig toll, über den direkt angeschlossenen Kopfhörer ganz okay, evtl. lag das aber auch am Kopfhörer, mit dem ich nicht so gut klarkam. Im Laden lag noch ein billigeres E-Cello, da konnte man im Vergleich sofort hören und spüren, wie richtig gut das Yamaha-Cello ist. Ich scheue mich aber momentan noch, das Yamaha-Cello zu kaufen, wenn ich damit gleich wieder zum Geigenbauer müsste. Aber es lässt mich gedanklich auch nicht ganz los. Mal sehen, wie ich mich endgültig entscheide. Danke nochmal für Eure Tipps.

    • #11059
      Felix Seiffert
      Felix Seiffert
      Keymaster

      Hallo Andreas,

      genau den Eindruck hatte ich auch, dass nämlich die Yamaha Geräte etwas solides sind. Hier hatte ich auch das Gefühl, sofort richtig damit umgehen zu können. Und das ist meiner Ansicht nach, was zählt.

      Ich weiß nicht, wofür Du das Gerät nutzen willst. Ich würde es mir zum Beispiel kaufen um üben zu können ohne Nachbarn zu belästigen und um ein leicht transportables Gerät für den Urlaub zu haben. Und da wäre es ehrlich gesagt (auch wenn jetzt der „verrückte Fachmann“ redet) gar nicht so wichtig wie fein die Nuancen sind, die am Kopfhörer heraus kommen. Ob ich den richtigen Ton spiele und ob der gut anspricht bekomme ich schon mit.

      viele Grüße

      Felix

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