E-Cello als Zweitinstrument

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Dieses Thema enthält 14 Antworten und 5 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Felix Seiffert Felix Seiffert vor 1 Woche, 4 Tagen.

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  • #10812
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    Andreas
    Teilnehmer

    Hallo,
    ich spiele seit 5 Jahren Cello als Spätberufener der Ü50-Generation und bin am überlegen, ob ich mir als Zweitinstrument ein E-Cello zulegen soll, gerade auch aktuell wieder wegen der extremen Temperaturen und Schwankungen der Luftfeuchtigkeit, besonders bei mir unterm Dach, was ja schon im Forum diskutiert wurde. Es geht mir aber auch ums spätabendliche Üben (ohne die Nachbarn zu stören), platzsparendes Einpacken für den Urlaub, abgesehen von zusätzlichen soundtechnischen Möglichkeiten. Bei der Diskussion „E-Cello Griff“ vor 5 Monaten kamen ja schon Probleme mit dem Klang von billigeren E-Celli nebenbei zur Sprache. Ich möchte auch gar nicht den Klang (akustisches versus elektrisches Cello) vergleichen, ich würde nie mein akustisches Cello hergeben wollen. Hat jemand Erfahrungen mit (besseren) E-Celli als Zweitinstrument gemacht? War das eine zusätzliche Hilfe und Bereicherung, oder war es eher hinderlich für die Weiterentwicklung der Spieltechnik auf dem akustischen Cello?

  • #10813
    Esther
    Esther
    Teilnehmer

    Hallo Andreas,

    herzlich willkommen in der wohl eher kleinen Runde der (auch) E-Cello-Interessenten. Das Thema E-Cello ist schon mal kurz unter „…hallo aus dem Allgäu :)“ angesprochen worden – ist aus der Überschrift nicht unbedingt zu erkennen …
    Ich habe vor etwa 10 Jahren (auch als Spätberufene ohne jegliche musikalische Vorbildung) mit dem Cello angefangen und mir vor knapp zwei Jahren ein E-Cello (Yamaha SVC 110) zugelegt. Die Gründe dafür waren ähnlich wie Deine: Mitnahme in den Urlaub, leises Üben und irgendwann mal ein paar technische Spielereien.
    Genau diesen Zweck erfüllt das E-Cello bei mir voll und ganz, weshalb ich es ganz klar als Bereicherung sehe.
    Aber mein akustisches Cello bleibt das Hauptinstrument mit dem ich übe, das ich in den Unterricht mitnehme, auf dem ich im Ensemble spiele. Und ich käme auch nicht auf die Idee z. B. barocke Stücke auf dem E-Cello zu spielen. Deshalb denke ich, dass das gelegentliche Spielen auf einem E-Cello dem „normalen“ Cello-Spiel keinen Abbruch tut. Die beiden Instrumente fühlen sich doch zu unterschiedlich an.
    Noch etwas zur Qualität: das Yamaha-Cello würde ich jetzt nicht in die Kategorie „billig“ einstufen, aber ganz ohne Nachbessern ging es bei mir nicht. Ich habe das E-Cello meinem skeptischen Geigenbauer gezeigt. Mit der Passgenauigkeit der Wirbel war er zufrieden. Allerdings hat er mir den Steg angepasst, das Griffbrett abgezogen und den Obersattel (Kunststoff) gegen einen aus Holz ausgetauscht.
    Vielleicht hilft dir diese Information weiter.

  • #10814
    Claudia
    Claudia
    Teilnehmer

    Lieber Andreas, auch ich habe mir ein Yamaha Silent Cello bei Thomann gekauft. Du kannst es 30 Tage lang ohne Angabe von Gründen kostenfrei zurückgeben. Die Gründe waren die gleichen wie bei dir. Es funktionierte ziemlich gut, wenn du allerdings ganz präzise spielen willst, dann ist es nicht das Richtige! Der Unterschied war nur minimal, führte aber dazu, dass ich auf meinem akustischen Cello mit der Intonation nicht mehr ganz so glücklich war. Letztendlich geht es beim Spielen darum, ein Gefühl für das Instrument zu entwickeln. Das Spielgefühl auf dem Yamaha Cello hat das Spielgefühl an meinem akustischen Cello gestört. Wie Esther schon schreibt, auch Thomann hat mir empfohlen, weitere Anpassungen bei einem Geigenbauer vornehmen zu lassen. Ich habe mich letztendlich gegen das Instrument entschieden und es nach 30 Tagen zurückgegeben. Hoffe, ich konnte dir helfen, viele Grüße, Claudia

  • #10827
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    Andreas
    Teilnehmer

    Vielen Dank für Eure sehr hilfreichen Informationen. Ich muss dann wohl mal meine eigenen Erfahrungen machen und ein E-Cello selber in die Hand nehmen und es ausprobieren. Mich würde noch interessieren, wie beständig die Saiten und Wirbel Eurer E-Celli bei Schwankungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit waren. Verstimmt sich ein E-Cello leichter? Kann man, wenn sich die Saiten gelockert haben, notfalls einen Steg wieder selber justieren, oder sitzt der eh fest?

  • #10831
    Felix Seiffert
    Felix Seiffert
    Keymaster

    Hallo Andreas,

    kürzlich war eine Teilnehmerin bei mir in einem Workshop mit einem E-Cello

    Es war das Yamaha SVC 110.

    Da ich noch nie E-Celli probiert hatte ging ich dran – und war überrascht. Dieses Instrument hat ein Handling wie ein „richtiges“ Cello. Es liegt gut zwischen den Beinen, hat den Halsansatz an der richtigen Stelle sodass ich mich sofort darauf zu Hause fühlen konnte. Meiner ansicht nach ist das eine wirkliche Alternative um nachts zu üben oder im Urlaub.

    Aber: Yamaha ist keine Billigmarke.

    viel Erfolg bei Deinen Überlegungen

    Felix

  • #10834
    Esther
    Esther
    Teilnehmer

    Hallo Andreas,
    mein E-Cello verstimmt sich nicht mehr oder weniger als mein akustisches. D. h. ich muss vor dem Spielen ganz normal über die Feinstimmer stimmen. Im Winter hat sich schon mal der eine oder andere Wirbel gelockert, aber mit etwas Wirbelseife ließ sich das Problem beheben.
    Das Yamaha hat für den Steg eine Aussparung, so dass Du ihn bei Bedarf selbst ausrichten kannst. Bei Anlieferung sind Steg und Saiten nicht fest montiert – es ist also vorgesehen, dass man den Steg selbst aufstellt.
    Falls Du jetzt ans Ausprobieren gehst, berichte doch mal von Deinen Erfahrungen.

  • #10976
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    Andreas
    Teilnehmer

    Hallo,
    okay, ich berichte gerne wie gewünscht von meinen Erfahrungen. Ich war jetzt in einem Musikgeschäft, die ein E-Cello Yamaha SVC 210 zum Testen hatten, was zwar etwas futuristisch aussieht, sich aber durch die faltbaren Beinstützen zum Transport gut verkleinern lässt und auch an den Wirbeln schön stimmen lässt durch die Schneckenmechanik. Die Bespielbarkeit fand ich vollkommen unproblematisch, ich kam sofort zurecht. Allerdings würde ich, wie Ihr ja schon erwähnt habt, den Steg und das Griffbrett anpassen lassen müssen, die Saiten waren mir zu nahe am Griffbrett, was dann zum Schnarren führte. Den Sound empfand ich über einen Verstärker richtig toll, über den direkt angeschlossenen Kopfhörer ganz okay, evtl. lag das aber auch am Kopfhörer, mit dem ich nicht so gut klarkam. Im Laden lag noch ein billigeres E-Cello, da konnte man im Vergleich sofort hören und spüren, wie richtig gut das Yamaha-Cello ist. Ich scheue mich aber momentan noch, das Yamaha-Cello zu kaufen, wenn ich damit gleich wieder zum Geigenbauer müsste. Aber es lässt mich gedanklich auch nicht ganz los. Mal sehen, wie ich mich endgültig entscheide. Danke nochmal für Eure Tipps.

    • #11059
      Felix Seiffert
      Felix Seiffert
      Keymaster

      Hallo Andreas,

      genau den Eindruck hatte ich auch, dass nämlich die Yamaha Geräte etwas solides sind. Hier hatte ich auch das Gefühl, sofort richtig damit umgehen zu können. Und das ist meiner Ansicht nach, was zählt.

      Ich weiß nicht, wofür Du das Gerät nutzen willst. Ich würde es mir zum Beispiel kaufen um üben zu können ohne Nachbarn zu belästigen und um ein leicht transportables Gerät für den Urlaub zu haben. Und da wäre es ehrlich gesagt (auch wenn jetzt der „verrückte Fachmann“ redet) gar nicht so wichtig wie fein die Nuancen sind, die am Kopfhörer heraus kommen. Ob ich den richtigen Ton spiele und ob der gut anspricht bekomme ich schon mit.

      viele Grüße

      Felix

  • #11086
    nice
    nice
    Teilnehmer

    Hallo Andreas, ich bin die Teilnehmerin, deren E-Cello Felix ausprobiert hat. Ich bin immer noch sehr verliebt in mein Yamaha-Cello und habe schon wesentlich schlechtere akkustische Celli gehört bzw. in der Hand gehabt. Ich war auch mit meinem E-Cello noch nicht beim Geigenbauer und die Saiten schnarren auch nicht. (Es ist aber das SVC 110, vielleicht ist das beim 210 anders, das ist ja etwas anders gebaut)
    Der Sound hängt natürlich stark von der Qualität des Kopfhörers bzw. Verstärkers ab. Der mitgelieferte Kopfhörer ist qualitativ unbefriedigend, finde ich.
    Normales Verstimmen der Saiten wird den Steg nicht umwerfen, der sitzt bombenfest. Allerdings ist das erste Einrichten natürlich, weil man den Steg selbst einbauen muss, ein wenig heikel. Bei mir hat ihn Felix nachjustiert 🙂 Wenn Du aber von Deinem akkustishen Cello weißt, wie der Steg sitzen musst, wirst Du ihn vermutlich gut richten können.
    Aucb im Ensemble konnte ich gut mit meinem Sound gut mithalten.
    Das einzige, was ich bisher geändert habe, ist die A-Saite – die war mir zu schrill.
    Ich bin gespannt auf Deine Erfahrung und grüße herzlich
    Nicole

  • #11088
    Avatar
    Andreas
    Teilnehmer

    So, ihr Lieben, Ihr habt es tatsächlich geschafft, mich zu überzeugen! Heute habe ich in einem großen Musikhaus ausgiebig das Yamaha SVC 110 testen können, das von Euch ja überwiegend gelobt wurde, und … bin mit dem selbigen wieder nach Hause gefahren. Ich bin schlichtweg begeistert, habe gleich meine Begleitmusik über mein Tablet direkt ans Cello angeschlossen und über den mitgelieferten Kopfhörer, der mir jetzt erst einmal absolut langt, gespielt, bis gerade, sonst war wegen der Nachbarschaft um 21.30 Uhr Schluss. Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

  • #11090
    Esther
    Esther
    Teilnehmer

    Hallo Andreas,
    es freut mich, dass du wohl das Richtige für dich gefunden hast. Mich würde interessieren, ob du in dem Musikhaus eine Empfehlung für einen passenden Verstärker bekommen hast.
    Vermutlich wirst du jetzt erstmal das leise Spielen auskosten, aber falls mit der Zeit noch technische Erweiterungen dazukommen, wäre das bestimmt auch für uns interessant.

  • #11091
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    Andreas
    Teilnehmer

    Hallo Esther,
    ich war jetzt bei einem so richtig großen Musikhaus mit einer enormen Auswahl an Verstärkern. Zum genauen Testen der Verstärker in der Gitarrenabteilung hatte ich aber keine Zeit. Mir wurde von der Streicherabteilung gesagt, es werden prinzipiell von E-Streichern gerne Verstärker für akustische Gitarren („Akustik-Verstärker“) genommen, aber man müsse einfach ausprobieren, was einem liegt. Direkt bei den E-Streichinstrumenten stand ein Marshall-Verstärker (AS50D Akustik Gitarren Combo), an dem gleich mein E-Cello angeschlossen wurde. Im Streicher-Proberaum standen noch 2 Acus-Verstärker, die auch bei E-Streichern sehr beliebt seien. Da ich den genannten Marshall-Verstärker vom Gitarre-Spielen seit über 10 Jahren kenne und kostenlos von Bekannten ausleihen kann, werde ich persönlich erst einmal damit meine ersten E-Cello-Erfahrungen sammeln.

  • #11092
    Esther
    Esther
    Teilnehmer

    Danke für deine Info. Die Acus-Verstärker kosten schon einiges, aber der Marshall-Verstärker ist ein interessanter Tipp. Da werde ich nach den Ferien mal schauen, ob in der Musikschule vielleicht so ein Teil rumsteht …

  • #11482
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    Andreas
    Teilnehmer

    Nach 3 Wochen mit meinem E-Cello kann ich nur sagen, dass ich die richtige Wahl getroffen habe. Ich hatte ja befürchtet, dass ein E-Cello manche technischen Fehler wegbügeln und zum schludrigen Spielen einladen könnte. Das ist aber zumindest bei meinem E-Cello nicht der Fall. Man muss z. B. genauso auf die Bogenhaltung und auf die Strichstelle achten. Für mich ist der Wechsel zum Spielen auf meinem akustischen Cello kein Problem. Bezüglich Verstärker wurde mir auch vorgeschlagen, einen Preamp, also z. B. ein Multieffektgerät mit Fußschaltern zu kaufen, besonders wenn man bereits einen Lautsprecher oder eine PA zur Verfügung hat. Das ist für mich aufgrund der zahlreichen zusätzlichen technischen Möglichkeiten (Loop etc.) und des geringeren Tragegewichts eine interessante Alternative. Hat jemand von Euch bereits Erfahrungen bei Kombination E-Cello mit Preamp gesammelt?

    • #11630
      Felix Seiffert
      Felix Seiffert
      Keymaster

      Hallo Andreas,

      bezüglich von Effektgeräten kann ich Dir leider gar nichts sagen.

      Abrer eines schon: Das E-Cello ist von seiner Grundstruktur her ein ganz normales Cello (zumindest das von Yamaha, das ich kürzlich gesehen habe). Nur hat es eben keinen eigenen Resonanzkörper. Aber die Saiten sind die gleichen, der Steg und die ganze Ansprache ist die gleiche wie bei einem normalen Cello. Von daher wird hier auch nichts „verziehen“. Du musst darauf genauso exakt spielen.

      viele Grüße

      Felix Seiffert

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