Streichen lernen im Workshop

Geige im Workshop lernen, oder ein anderes Streichinstrument; kann man das? Und warum eigentlich?
Heutzutage trifft man immer wieder Menschen, die sich sagen: „Also Geige oder ein anderes Streichinstrument zu lernen, das hab ich mir ja schon immer gewünscht. Aber ich bin schließlich zu alt, und dieses mühsame Studium alleine…..“ Ja, es geht vielen so. Oft sind wir beruflich so gefordert, dass uns dies, und noch ein paar familiäre und häusliche Dinge nicht leicht machen, einen Freiraum zum Musizieren zu finden. Hinzu kommt die Tatsache, dass es eine gewisse Weile dauert, und ausdauernden Übens bedarf, bis man schließlich zum ersehnten Resultat kommt, nämlich mit Anderen zusammen zu musizieren. Und schon ist man so weit, dass der heimlich gehegte Wunsch sehr rasch wieder in die Kiste der „in diesem Leben leider nicht erfüllbaren Wünsche“, verstaut wird.

Anfangsunterricht in der Gruppe

Anfangsunterricht in der Gruppe, auf dem Cello …

Nun, diesen Prozess des Lernens und die Mühe, die es macht, ein Instrument zu lernen, kann man zwar nicht außer Kraft setzen, aber man kann zu Formen des Unterrichtens suchen, die es einem Lernenden ermöglichen, dieses gemeinsame Musizieren gleich von Anfang an zu praktizieren. Was spricht dagegen, in einer größeren Gruppe die Grundbegriffe des Streichens erklärt zu bekommen? Immerhin sind bestimmte Grundbegriffe für alle Instrumente die gleichen, und es lernt sich doch in der Regel leichter, wenn man sieht, wie andere um einen herum ebenfalls an der Bewältigung dieser Anfangshürden wachsen. Man hat so nicht nur den Lehrer (der „es schon kann“) um sich, sondern sieht , wie es sich um ganz normale Prozesse handelt, die im Grunde jeder erlernen kann.

Zum Beispiel ist es sehr gut möglich, Grundbewegungen, die zur Tonbildung am Streichinstrument führen, gleichzeitig an allen vier Streichinstrumenten zu erklären. Immerhin haben ja die Instrumente der Geigenfamilie sehr viele Dinge gemeinsam. Sie haben vier Saiten. Die Physik des Anstreichens einer Saite ist im Prinzip bei allen Instrumenten gleich. Ich sage im „Prinzip“ da es aufgrund der verschiedenen Größe der Instrumente schon Differenzen in den Kräfteverhältnissen gibt. Aber die Grundlage des Streichens ist bei allen Streichinstrumenten gleich. Das Prinzip des Abgreifens von Tönen durch das Auflegen von Fingern auf die Saite zieht sich ebenfalls durch die ganze Familie der  Streichinstrumente.

… wie auf dem Kontrabass …

In den letzten Jahren wurde daher eine Fülle an Notenmaterial für den gemeinsamen Unterricht der verschiedenen Streichinstrumente entwickelt. Das Schöne: Gemeinsam lernt sich manches leichter. Und: gemeinsam musiziert kann schon vom ersten Ton an werden.
Immer wieder ist zu beobachten, dass sich Streichbewegungen unter den Spielern fortsetzen. Das heißt, bekommt ein Spieler heraus, wie eine bestimmte Passage geht, verbreitet sich dies unter den anderen Spielern. So wirken gute Streichbewegungen regelrecht „ansteckend“ unter den Teilnehmern eines Workshops. So kommt man schließlich zu dem Eindruck, dass sich das Lernen auf diese Weise leichter vollzieht. Zu sehen wie jemand neben mir als Teilnehmer mit einer Aufgabenstellung fertig wird, ist oft ein regelrechter Startschuss, selbst auch sehr einfach da hin zu kommen, dass es funktioniert. Nehmen wir zum Beispiel einen gut durchgezogenen Bogenstrich. Wie schwer ist das oft, wenn man es sich nicht richtig vorstellen kann. Und dann machen es die Teilnehmer um mich herum, und haben auch grad erst begonnen. So kann es doch gar nicht so schwer sein, und siehe da, es geht auch bei mir. Dieses Szenario lässt sich in der Gruppe des Öfteren beobachten, und macht die Sache so interessant.

… als auch auf Geige und Bratsche

Oft bemerkt man, dass innerhalb eines Workshops daher sehr freimütig gestrichen wird. Das übervorsichtige Streichen das im Einzelunterricht sehr oft beoobachtet wird, bleibt beim Lernenden zumeist aus, was wieder ein Vorteil ist. Das rührt daher, dass man in den gemeinsamen großen Klang eingebunden ist. Man hört mehr den Gesamtklang als sich selbst. Daher ist man zunächst nicht ganz so selbstkritisch und traut sich mehr zu streichen. Natürlich ist das nicht nur ein Vorteil. Es ist natürlich genauso wichtig, dass der einzelne Spieler, wenn er das Instrument  lernt, sehr genau bei sich selbst hin hört und auch in sich selbst hinein spürt. Dies kann ein Workshop nicht ersetzen. Daher ist es für das Lernen unbedingt wichtig, selbst zu üben, und auch individuelle Anleitung zu bekommen, besonders wenn es über das Anfangsstadium hinaus geht.
Zunächst ist allerdings eine Kombination aus Workshops und eigenem Üben durchaus eine gute Möglichkeit, um mit viel Freude gleich von Anfang an ins Volle zu greifen. Ein gelungener Start kann so auf jeden Fall gesetzt werden. Damit, geneigter Leser, sei hiermit eines hervorgehoben. Ein Lernen eines Streichinstruments in einer Gruppe, zumal in einer Großen, kann und will nicht einen individuellen Unterricht auf dem jeweiligen Instrument ersetzen. Bestimmte Dinge lassen sich wirklich wenn nicht sogar ausschließlich so doch besser im Einzelunterricht bewältigen. Aber gerade in der Anfangsphase stellt der Unterricht in Form eines Workshops eine sehr schöne Möglichkeit dar, einen gelungenen Start zu vollziehen.

mit freundlichen Grüßen
Felix Seiffert

3 Kommentare

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