Schnelles Greifen Teil 6 – Rhythmus als Mittel, Schnelligkeit zu trainieren

Nun haben wir doch schon so viele Artikel über das Spielen von schnellen Noten gelesen. „Was soll man denn nun noch alles tun“, werden Sie sich wohl langsam fragen.

Nun, ein letztes Mal noch möchte ich Sie mit diesem Thema belästigen. Vielleicht geht es dabei aber um eine der wichtigsten Methoden, mit denen man sich schnelles Spielen eintrainieren kann.

Haben Sie einmal einen Marathonläufer gefragt, wie er zu seiner Leistung kommt?

Bestimmt wird er Ihnen antworten: „Ich laufe jeden Tag 42 Kilometer, und das geht von Tag zu Tag besser. Und wenn ich einen sehr guten Tag habe, und an dem auch noch der Wettbewerb stattfindet, dann gewinne ich.“

Wird er Ihnen das antworten?

Ich glaub es kaum.

Wer kann das schon, immer wieder große Strapazen auf sich nehmen, Dinge, die einen überfordern, und glauben, am Ende geht es leicht? Nein, ein Marathonläufer bereitet sich ganz anders auf die Sache vor. Er wird in ganz anderen Intervallen laufen, verschiedenste andere Dinge machen und den Höhepunkt seiner Leistung durch gute Vorbereitung genau an dem Zeitpunkt abrufen, an dem er ihn braucht.

Wie er das genau macht, kann ich Ihnen nicht genau sagen, aber das ist auch für unsere Zwecke gar nicht so wichtig. Eine Lauftechnik, die es gibt, um auf Geschwindigkeit zu kommen, dürfte uns beim Streichinstrument allerdings doch zu Denken geben.

Der Läufer bekommt Geschwindigkeit dadurch hin, dass er in Intervallen immer wieder zwischen ruhigem und schnellem Laufen wechselt. Das ruhige Laufen ist dabei so eine Art „Normalzustand“. Im ruhigen Laufen fühlt er sich wohl; in diesem Tempo könnte er sich stundenlang so weiter bewegen. Falls Sie laufen, kennen Sie vielleicht den Zustand. Im schnellen Intervall hingegen fordert der Läufer für eine kurze Zeit alles, was er an Geschwindigkeit aufbringen kann.

Und was passiert? Mit der Zeit wachsen Ihm die Kräfte. Mit der Zeit wird insgesamt sein „ruhiges Lauftempo“ in der Geschwindigkeit steigen. Das geschieht nebenher, fast von selbst.

Aber nun zu uns Musizierenden:

Wie oft haben Sie versucht, eine Stelle zu spielen, die einfach nicht werden wollte? Wie oft mussten Sie abbrechen und sind damit einfach nicht mehr weiter gekommen?

Nun geht es bei unserem Spielen nicht nur um die Kraft, schnell zu spielen, sondern es geht mindestens genauso im sehr feine Abstimmung der Bewegungen rechts und links.

Lassen Sie uns an diese Koordination der Bewegungen mit dem Prinzip des „rhythmisieren Übens“ angehen!

Sie erinnern sich bestimmt an den Artikel, in dem es darum ging, dass mit jeder Bewegung, die man für einen Ton unternimmt, zugleich die Vorbereitung für den Nächsten Ton mit in den Bewegungsablauf genommen wird. Das Prinzip hierzu lautete, dass man für den nächsten Ton alles das vorbereitet, was nur irgendwie geht.

Nun und genau dieses kann man sich sehr gut einüben, wenn man von Zeit zu Zeit in der Bewegung innehält und bei sich nachforscht, ob denn diese Vorbereitungsbewegung für den Ton bereits erfolgt ist.

Spielen sie einen schnellen Lauf und kontrollieren Sie in der Pause zwischen zwei Tönen, ob der Finger für den nächsten Ton bereits auf dem Griffbrett liegt und der Bogen auf der Saite, auf der dieser Ton gespielt wird.

Einfach?

Zu durchdenken schon, aber sehen Sie einmal, wie dies in der Praxis funktioniert.

Und so funktioniert es im Einzelnen:

  • Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Lauf von schnellen Noten. Zerlegen Sie diesen Lauf einfach in kleine Abschnitte von je zwei Noten und machen Sie nach jedem Abschnitt eine kleine Pause. Ich würde dabei die Pause so lang machen wie zwei Noten, das ergibt einen guten Rhythmus, mit dem sich die Sache durchspielen lässt.
  • Machen Sie zuerst diese Pause nach der 1., der 3., der 5. Note und so weiter. Danach legen Sie die Pause jeweils einen Ton weiter, sodass sie hinter der 2., der 4. Note und so weiter liegt.
  • Um die Sache noch flüssiger zu bekommen machen Sie danach nur noch nach jeder vierten Note eine Pause. Auch hier sollten Sie die Pause der Reihe nach hinter alle Noten der jeweiligen Vierergruppen legen.
  • Beginnen Sie also mit der Pause nach der ersten Note der Gruppe. Üben Sie die Passage so durch, bis es Ihnen nichts mehr ausmacht, das Stück in diesem Rhythmus zu spielen.
  • Danach verlegen Sie die Pause hinter die zweite Note. Verfahren Sie genauso
  • Schritt drei und vier verlangen die Pause nun nach der dritten und nach der vierten Note.

Sie werden wahrscheinlich bei einer oder mehreren dieser Varianten bemerken, dass es Ihnen besonders schwer fällt, hier durch zu kommen. Diese Varianten verlangen Ihre besondere Aufmerksamkeit. Hier finden Sie bestimmt Stellen, an denen Ihre Vorstellung noch nicht ganz mit dem Fluss der Noten mitkommt. Üben Sie diese Stellen besonders. Sie werde merken, dass dies Ihnen am meisten weiter hilft.

Und damit wünsche ich Ihnen viel Erfolg, und vor allem viel Freude bei Ihrem Musizieren auf dem Streichinstrument.

Felix Seiffert

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