Schnelles Greifen Teil 5 – das Überblicken von Rhythmen

Dass das Spielen von schnellen Noten eine ganze Menge mit Kopf- oder Vorstellungsarbeit zu tun hat, haben Sie ja in den letzten Folgen über das „schnelle Greifen“ bereits gemerkt.
Ein Bewegungsablauf wird dann schnell, wenn die Vorstellung über das, was da ablaufen soll, wirklich da ist.
Aus diesem Grund haben Sie zum Beispiel das Blickfeld erweitert, und nicht mehr nur die Tonhöhe des einzelnen Tons, sondern ganze Figuren im Ablauf der verschiedenen Tonhöhen betrachtet.

Nun bestehen Töne allerdings nicht nur aus ihrem Klang oder eben ihrer Tonhöhe. Wenn Sie ein Weiteres nicht überblicken, werden Sie trotz der oben erlernten Fähigkeiten in Ihrem Spiel immer wieder ins Stocken kommen.

Können Sie sich vorstellen, um was es geht?

Richtig! Es geht um den Rhythmus.

Haben Sie sich einmal Gedanken gemacht, was das eigentlich ist? Rhythmus?

Wenn ich meine Schüler frage, ob Sie dafür eine Definition haben, dann höre ich oft Dinge wie: Länge der Noten; Dauer der Töne.

Ja, richtig! Aber richtig zündend finde ich diese Definitionen trotzdem nicht. Rhythmus hat definitiv etwas mit der Länge von Tönen zu tun, aber dennoch ist das Wesen dessen, was Rhythmus sein soll, meiner Ansicht nach, nicht wirklich beschrieben.

Irgendwie hat doch Rhythmus etwas zu tun mit einer Gestalt. Rhythmus selbst gibt der Musik Gestalt, würde ich einmal sagen, Gestalt, in der sich die Musik in der Zeit ausdrückt?

Zu allgemein?

Die Verhältnisse der Töne in ihrer Länge zueinander lassen sie in einer bestimmten Gestalt erscheinen. Die Römer hatten in ihren Gedichten für diese rhythmischen Motive Namen. Wer Lateinunterricht genossen hat, erinnert sich vielleicht noch an Versmaße wie Jambus, Trochäus, Daktylus, und ähnliche.

Gedichte waren nicht in Reimform geschrieben sonder der Rhythmus musste stimmen. Das war das Wichtigste.

Und so könnte man auch in der Musik den Rhythmus als die Zuordnung der einzelnen Noten begreifen. Rhythmus, die Gestalt der Musik in der Zeit.

Wenn ich das Ganze einmal mit der Malerei vergleiche, dann fällt mir ein Vergleich ein.

Wenn ich an die Tonhöhe denke, dann denke ich gleichzeitig bei der Malerei an Farbe.

Und wenn ich an Rhythmus denke?

Dann denke ich bei der bildenden Kunst an die Form.

So könnte man sagen: die Form der Musik gestaltet sich in ihrem zeitlichen Ablauf.

Aber nach diesen Abschweifungen ins Allgemeine zurück zur nackten Realität unserer Stücke, die wir rhythmisch korrekt, aber auch schnell genug darbieten wollen.
Tatsache ist, dass viele Spieler nicht in das richtige Tempo geschweige denn den richtigen Rhythmus finden, weil die den Rhythmus ihrer Stücke nur unklar erfassen.

Sehen Sie sich einmal im Video anhand von (zugegeben) sehr einfachen rhythmischen Figuren an, wie man sich dem Problem nähern könnte.

Und so funktioniert es:

Auch wenn man ganze Rhythmen überblicken will sollte man sich zunächst über die Länge der einzelnen Noten Klarheit verschaffen. Man kommt bei der Analyse eine Rhythmus einfach nicht darum herum.
Machen Sie sich klar, in welchem zeitlichen Verhältnis die Noten stehen. Also ist vielleicht eine Note doppelt oder halb so lang wie eine andere? Am Besten Sie messen das ganze mit einem Metronom aus. Schauen Sie, wie die Sache in metronomisch genaue Taktschläge passt.

Wenn Sie sich nun in dieser Weise Klarheit über die Sache verschafft haben, dann suchen Sie sich ein Wort oder eine andere Vorstellung zu diesem Rhythmus. Ein paar Wörter habe ich Ihnen ja im Video schon gesagt. Dies sind aber wirklich nur Beispiele, und ich möchte Sie gerne anregen, möglichst viele eigene Wörter für Ihre Vorstellung von Rhythmen zu finden.

Wichtig ist, dass Sie beim Spielen damit von der isolierten Betrachtung der Länge jeder einzelnen Note weg kommen, und die rhythmische Gestalt in ihrer Gesamtheit betrachten. So kommen Sie voran. Jetzt kleben sie beim Spielen nicht mehr an der einzelnen Note.

Übrigens kann man in vielen Etüden immer gleiche Rhythmen finden. Viele Etüden sind bei den Streichinstrumenten gradezu dafür komponiert, dass man verschiedene Rhythmen in den Bewegungsablauf bekommt. Sehen Sie sich ruhig einmal ein paar Etüdenhefte an. Sie werden das sofort erkennen.

Viel Vergnügen beim Herausfinden Ihrer eigenen Wörter oder Bilder zu den verschiedenen rhythmischen Motiven wünscht Ihnen

Felix Seiffert

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