Saitenwechsel am Cello – Zwei Regeln und Du kommst klar

Beim Saitenwechsel am Cello brauchst Du die richtige Perspektive um die Stellung des Bogens zu beurteilenAus dieser Sicht kannst Du beurteilen, ob der Bogen richtig steht

Tut Dir manchmal der Arm weh, wenn Du ein Stück spielst, und dabei viele Saitenwechsel am Cello vorkommen? Ist es genau dann schwierig, wenn Du Dich mit dem Bogen gerade an der Spitze viel in Saitenwechseln bewegen musst?
Merkst Du auch manchmal dass es beim Wechseln der Saite merkwürdig kratzt oder dass sich die Saite nicht leicht und klangvoll anstreichen lässt? Verkrampft sich Deine Hand dabei?

Dann bist Du hier richtig: Lies weiter! Wir müssen uns über Saitenwechsel am Cello unterhalten.

Saitenwechsel am Cello – ist das so schwer?

  • Nein, schwer ist es nicht, wenn man zwei grundlegende Dinge beachtet.
    Streiche jede Saite gerade an, damit sie auch leicht in Schwingung gebracht werden kann.
  • Stelle Dich mit dem Bogengewicht, vor allem aber mit der Bogengeschwindigkeit auf die jeweilige Saite ein.

Klingt einfach gell? Es spricht sich sehr leicht aus. Aber Du wirst gleich sehen: Die Sache hat es in sich!

Du hast ganz bestimmt gemerkt, dass Du, wenn Du am Cello sitzt aus Deiner Perspektive kaum eine Kontrollmöglichkeit hast, um zu beurteilen, ob Dein Bogen gerade quer, d.h. im 90° Winkel zur Saite streicht.

Bogen aus Sicht des Spielers 1

Steht der Bogen so gerade?

Bogen aus der Sicht des Spielers 2

Oder vielleicht so? Weißt Du es?

Du kannst dies eigentlich nur richtig beurteilen, wenn Du von vorne und oben auf Dein Cello schaust. Dann kannst Du sehen ob der Bogen gerade steht. Am besten Du besorgst Dir einen Spiegel oder ein Partner schaut Dir beim Spielen zu und korrigiert Dich, bis Du es spüren kannst.

Beim Saitenwechsel am Cello brauchst Du die richtige Perspektive um die Stellung des Bogens zu beurteilen

Aus dieser Sicht kannst Du beurteilen, ob der Bogen richtig steht

Aber gehen wir einmal davon aus, Du hast es jetzt auf einer Saite geschafft. Du hast beispielsweise auf der D-Saite ein gutes Gefühl dafür bekommen und kannst den Bogen gerade hinstellen. Jetzt wird es interessant, die Bewegung zu kennen, die Dein Arm mit dem Bogen machen muss, wenn er einen Saitenwechsel am Cello vollzieht.

Am besten Du siehst Dir einmal das Video an:

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Jetzt hast Du es mitbekommen. Die Bewegung muss sich an die Stellung Deines Cellos anpassen. Da das Cello gegen Dich gelehnt ist, stehen die Saiten schräg im Raum, und deshalb geht die Bewegung Deiner Bogenhand beim Saitenwechsel auch schräg im Raum.

Merke Dir bitte die folgende Regel für den Seitenwechsel am Cello:

  • Beim Wechseln auf eine höhere Saite macht Deine Bogenhand eine Bewegung nach schräg vorne oben.
  • Beim Wechseln auf eine tiefere Saite macht die Spitze Deines Bogens ebenfalls eine Bewegung nach schräg vorne oben.

Ob die Bewegung so eingestellt ist, wie sie sein sollte, kontrollierst Du am besten mit einem Spiegel oder einen Partner, der aus der richtigen Perspektive die Sache beurteilen kann und Dich korrigiert.

Das Bogengewicht beim Saitenwechsel am Cello

Die Bewegung der Hand ist aber nur eines: jetzt kommt es darauf an, dass Du auf egal welcher Saite mit dem richtigen Gewicht des Armes streichst.

Du hast es ja im Video schon gesehen. Mit der Höhe des Ellbogens kannst Du beim Streichen das Gewicht verändern oder eben so einstellen, dass der Ton gut klingt. Wenn Du nun die Saite wechselst, solltest Du daher zusehen, dass zunächst einmal das Gewicht des Bogens auf der neuen Saite ebenso groß ist, wie auf der vorherigen.

Jetzt wirst Du wahrscheinlich fragen: „Aber ist es nicht so, dass die verschiedenen Saiten ein unterschiedliches Bogengewicht brauchen?“
Hier möchte ich Dir schon recht geben. Aber eines muss ich noch dazu sagen: Der Unterschied ist gar nicht so groß. Zunächst ist es daher besser, wenn Du einfach einmal das Gewicht gleich lässt und damit eine ruhige Saitenwechselbewegung herausbekommst.

Und wie geht diese Bewegung?

Einfacher als du Denkst, nur musst Du sie auch tatsächlich so machen:
Bewege Dich mit Deinem Ellbogen genau mit dem Bogen mit! Steigt also zum Beispiel der Frosch beim Wechsel auf eine höhere Saite nach vorne und oben, dann macht der Ellbogen diese Bewegung mit.
So erreichst Du es, dass Du auf der neuen Saite mit dem gleichen Bogengewicht weiter streichen kannst wie auf der Saite, auf der Du vorher gespielt hast. Eventuell wirst Du merken, dass die neue Saite nämlich ganz gut anspricht mit diesem Bogengewicht.

Wenn sie das aber nicht tut, dann veränderst Du einfach leicht die Bogengeschwindigkeit. Da ja die tiefen Saiten etwas schwerer ansprechen, streichst Du sie einfach weniger schnell an. Auf hin und her gestrichene gleiche Noten bezogen bedeutet das, dass Du einfach weniger Bogenweg pro Note zurück legst. Die Bewegung ist dann auf den tieferen Saiten etwas kleiner. Wahrscheinlich klingt es so recht gut.

Die Übung

Um das auszuprobieren habe ich Dir im Video eine kleine Übung vorgemacht. Sieh diese Übung bitte nicht sportlich, dass Du sozusagen schnell und klar die Sache durchspielen musst. Sieh es bitte als eine Übung für Dein Gefühl und dafür dass Du auch in scheinbar extremen Situationen das Gespür im Bogen nicht verlierst.

Die Übung ist ganz einfach: Streiche zunächst auf D-Saite ein paar kleine Noten hintereinander. Stell Dir zum Beispiel Achtel oder Sechzehntel vor, eigentlich ist es ganz egal. Sie sollen angenehm spielbar sein.

Zunächst beginnst Du die Übung in etwa zwischen Mitte und Schwerpunkt Deines Bogens. Auf der Saite wählst du eine Kontaktstelle im oberen Drittel zwischen Steg und Griffbrett, also näher am Griffbrett. Hier sollte es sehr mühelos sein, die Noten anzustreichen. Vielleicht spielst Du vier Noten in dieser Position.

Spüre bitte noch einmal in Deinen Arm hinein. Es sollte wirklich mühelos gehen. Sieh Dir dabei einmal die Höhe Deines Ellbogens an. Fühlt es sich so auch gut an? Wenn Du das in einer schönen Position gespielt hast, dann bewegst Du Deinen ganzen Arm zur A-Saite. Du weißt ja, nach schräg vorne oben. Nimm Deinen Ellbogen unbedingt mit. Die Höhe des Ellbogens soll im Verhältnis zur Höhe der Bogenhand gleich bleiben. Ich habe es Dir ja im Video gezeigt.

Und nun streichst Du auf der A-Saite die gleichen vier Noten. Na, wie fühlst es sich an? Spüre einmal ob bei Dir und Deinem Cello die A-Saite irgendwie leichter anzustreichen geht. Wenn ja, dann streich ein bisschen mehr. Am Ende soll es sich genauso frei in der Bewegung anfühlen wie vorher auf der D-Saite.

Dann geht es hinunter zur G-Saite. (Wobei das Wort „hinunter“ beim Seitenwechsel am Cello ja nicht ganz richtig ist, das weißt Du ja) Also die Spitze macht die Bewegung noch schräg oben vorne und Dein Arm richtet sich dem entsprechend ein. Hat der Ellbogen jetzt immer noch die gleiche Höhe in Bezug auf die Bogenhand? Sehr gut. Jetzt streichst Du wieder. Ich schätze mal, jetzt musst Du etwas kleinere Striche machen. Die Saite geht nämlich etwas schwerer. sollte sie so gar nicht wollen, dann schau doch bitte noch einmal ob Du wirklich gerade streichst. Geht es jetzt? Sehr gut.

Und nun geht es in der gleichen Bewegung hinunter zur C-Saite. Bestimmt machst Du hier die kleinsten Striche. Aber wenn Du die Prozedur von oben wirklich genau befolgst, sollte sich jetzt auch die C-Saite frei anstreichen lassen.

Ja, ich kann mir vorstellen dass das eine Weile braucht bis Du es wirklich selbstverständlich hin bekommst, so die Saite zu wechseln, dass die Saiten wirklich ansprechen. Aber es lohnt sich. Du wirst damit belohnt dass Du immer geschickter auf dem Cello unterwegs bist und Dich nicht durch die verschiedene Beschaffenheit der Saiten in ein Handicap gerätst.

Natürlich kannst Du die Übung ausweiten. Zum Beispiel machen gegriffene Töne die Sache auf den verschiedenen Saiten nicht einfacher. Du kannst ja mal auf jeder Seite den gleichen Finger verwenden. Dann wirst Du es schon sehen.

Oder Du versuchst es an einer anderen Stelle des Bogens. Zum Beispiel in der oberen Hälfte. Pass bitte hier auf, dass Du nicht zu viel auf die Saite drückst. Auch dort braucht die Saite nicht mehr Gewicht als an der bequemen Stelle an der Du zuerst die Übung gespielt hast. Dir wird bestimmt eine Menge einfallen.

Möchtest Du mehr zum Thema Streichen auf dem Cello lesen, dann empfehle ich Dir diesen Blogartikel: Gefühlvoll streichen mit Kraft

Und nun lasse ich Dich damit ein wenig experimentieren. Ich wünsche Dir vor allem viel Freude dabei und wünsche Dir einen leichten Strich, der trotzdem einen voll klingenden Ton hervorbringen kann.

Viel Erfolg dabei
Felix Seiffert

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