Antwort auf: Mehr Kraft im Bogenarm

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Felix Seiffert
Verwalter

Hallo Kirsten,

ja das Streichen in der oberen Hälfte ist so eine Sache. Ich möchte Dir hier noch einen anderen Aspekt mitgeben. In den meisten Fällen ermüdet es uns sehr, gerade auf dem Cello in der oberen Hälfte zu streichen, weil wir nicht im Stande sind, die Bewegung des Arms nicht von der Gabe von Gewicht auf den Bogen zu trennen. Klingt kompliziert, ich weiß.

Aber stell Dir vor, Du streichst in der untern Hälfte. Hier hast du immer das Gefühl, dass es nicht viel Mühe macht, Dein Armgewicht auf den Bogen und damit auf die Saite fallen zu lassen, weil Deine Bogenhand nah genug an der Kontaktstelle des Bogens mit der Saite ist. Du kannst dich da relativ frei bewegen.

Anders wird es, je mehr Du an die Spitze kommst. Jetzt kann es sehr leicht sein, dass Du denkst, Du musst „Druck“ geben, damit der Bogen die Saite noch anstreicht. Und damit ist bei Dir sehr schnell der Punkt überschritten und Du gibst zusätzlichen Druck auf den Bogen, der erstens nicht nötig ist, und zweitens die Muskeln die den Arm heben oder auch hinunter drücken können gegeneinander verkrampfst. Und dann hast du in Deiner Armbewegung ein Element, das die Bewegung gleichzeitig hemmt, und Du ermüdest. Diese Erfahrung musste ich leider im Studium machen, und einen Weg finden , sie Zug um Zug zu lösen.

Bitte glaub mir: Deine Ermüdung resultiert aus einer unnötigen Kraftanstrengung heraus.Das ist das, was ich mit meinen Schülern immer wieder bearbeite und zu lösen versuche.

Wenn Du Dich einmal an ein Bügelbrett stellst und Dein Bügeleisen nach rechts und links bewegst, dann kannst Du etwas von der Leichtigkeit erahnen, die man im Arm spüren kann, wenn die Gewichtgabe des Bogenarms richtig eingestellt ist. Es klingt paradox aber so fühlt es sich an. Das Bügeleisen ist von selbst schwer. Du musst es nicht auf die Wäsche drücken. Jetzt kannst Du das Eisen weit nach rechts bewegen und Du hast auch bei ausgestrecktem Arm so gut wie keine Druckspannung. Fast genauso leicht ist es, wenn der Bogenarm richtig eingestellt ist.

Vielleicht versuchst Du es einmal und holst Dir eine Ahnung, wo es hin gehen kann. Und dann musst Du Dich natürlich an eine innere Forschungsarbeit machen und herausbekommen, wie viel Gewicht Du mit dem Bogen tatsächlich brauchst und wie Du das mit größter Leichtigkeit schaffst.

Ich wünsch Dir alles Gute dabei, es lohnt sich!

Felix