Antwort auf: Kein Geigenbauer in der Nähe – Bogen zum selbst behaaren?

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#23038
Rachel
Teilnehmer

Schon lange wollte ich ein Feedback geben zu den beiden Bögen, die ich bestellt habe. Ich hatte ja den einen günstigeren bestellt und den teureren Viennabow.

Da sie ja, als sie kamen, natürlich noch „nackt, also ohne Kolophonium waren, habe ich es so gemacht, wie ich es auch mit meinem ersten Bogen gemacht habe: ich habe das Kolophonium mit einer Raspel zu Staub zermahlen und dann den Staub auf den Bogen aufgetragen. Mein erster Eindruck war: Die Bögen klingen beide besser als meine erster, wahrscheinlich minderwertiger Holzbogen. Doch dann bekam ich ein Kolophonium- (und wahrscheinlich Anfänger-) Problem. Als ich dachte, es wird wieder Zeit, Kolophonium aufzutragen, da man das bei neuen Bögen ja öfter machen muss, bemerkte ich, dass das angeraspelte Kolophonium sehr scharfkantige Stellen bekommen hatte. Ich wollte natürlich nicht gleich die neuen Haare damit kaputt machen, legte es also zur Seite und benutzte ein ganz frisches Stück Kolophonium, welches ich mir gleich mitbestellt hatte. Doch danach klang der Bogen gar nicht mehr gut – beide Bögen klangen nicht mehr gut. An den Saiten war viel Kolophonium, am Bogen keine Ahnung wie viel (ich dachte immer: besser zu viel als zu wenig), und ich bekam schon Panik, dass nun das eingetreten sein könnte, was ich schon hier im Forum und auch schon anderswo gelesen hatte: dass man keine zwei verschiedene Kolophonium-Arten übereinander auftragen solle, weil das ggf. alles kaputt macht (Verseifungseffekt).

Verzweifelt suchte ich im Internet nach einer Aussage, ob dies ein Mythos ist oder wirklich stimmt, fand auch diverse Diskussionen darüber in Streicherforen, und die allgemeine Aussage tendierte dahin, dass es wohl nur in Ausnahmefällen mal „schlimm“ ist, und zwar bei Vermischung von lärchenbasiertem und pinienbasiertem Kolophonium (bitte korrigiert mich gerne, falls Ihr es besser wisst, bzw. hier andere Erkenntisse habt), und in der Regel wechselt man ja schon mal das Kolophonium, bzw. ein Musiklehrer trägt vielleicht seines auf den bedürftigen Bogen seines Schülers auf etc. Also dachte ich, ok, wenn das nicht das Problem ist, dann liegt es wohl an mir (dass ich ggf. mit den neuen Bögen, die etwas anders in der Hand liegen, anders den Bogen aufsetze, unsauber streiche oder dergleichen), oder aber daran, dass nun wirklich eindeutig zu viel Kolophonium auf dem Bogen ist. Ich konzentrierte mich jetzt mal auf einen der Bögen, den teureren. Ich entschied mich, jetzt zu spielen, was das Zeug hält, ohne nachzukolophonieren, und ich säuberte auch am laufenden Band die Saiten. Ungefähr eine Viertelstunde lang hörte sich das Spiel gut an, dann waren die Saiten doch wieder „eingestaubt“, ich musste sie säubern, und die Töne klangen vor dem Säubern irgendwie „matt“ oder gar nicht mehr (als Anfängerin dachte ich eher, dass es so klingen würde, wenn zu WENIG drauf ist…aber das Gegenteil war wohl der Fall), und auch teilweise quietschig. Ich war sehr unzufrieden, vor allem, weil es vor Wochen (mit dem alten Bogen) schon alles einmal viel besser klang und ich doch jetzt extra den teuren Bogen kaufte und so weiter und so fort.

Ich lud sogar in meiner Verzweiflung einen Cellisten aus Bremerhaven ein (ich erwähnte ja schon mal, dass hier weit und breit keine Musikschule ist, die Streicher unterrichtet und auch kein Geigenbauer), weil ich dachte, ein Profi schaut vielleicht einmal drauf und weiß gleich, was das Problem ist, mit dem ich mich als totale Laiin herumquäle, aber der wollte doch glatt 160 EUR haben (weil er auch eine halbe Stunde Anfahrt hat), und das war es mir dann doch nicht wert. Lange Rede, kurzer Sinn, nach einigen Stunden Spielen und NICHT kolophonieren sahen die Saiten irgendwann besser aus und es klang auch wieder besser. War doch doch eindeutig ein ZUVIEL gewesen, was ich erst herunter spielen musste. Heute dann im Intensivkurs hatte ich den Eindruck, jetzt sollte ich vielleicht doch mal wieder… und strich ganz vorsichtig nur 2x über den Bogen. Und auch jetzt hört es sich schon wieder komisch an.

Also um eine neue Diskussion zu beginnen: Wie viel Kolophonium ist zu viel? Gibt es da eine Faustregel? Wie hört es sich an, wenn man auf jeden Fall Kolophonium benutzen muss und wie, wenn es zu viel ist? Ich kenne das von meinem Tenorpsalter anders. Da soll ich vor jeder Stunde Spiel den Bogen kolophonieren. So als Regel, wie man auch den Bogen spannt und entspannt. Aber das ist auch ein anderer Bogen (und Violin-Kolophonium).

Zur Info: das, was ich jetzt benutze ist Hidersine 3C Kolophonium. (Ich dachte erst, vielleicht ist das so dermaßen schlecht, aber glaube mittlerweile nicht, dass es daran liegt, sondern an meinem Umgang damit).