Die Strichrichtung – kommst Du mit Ab- und Aufstrich wirklich klar?

Strichrichtung!

Kennst Du diese Situation?

Du spielst ein Stück oder eine Etüde. Dabei hast du allerhand zu tun, um Deine Finger richtig zu platzieren, die Töne sauber zu greifen. Es gibt auch noch den Rhythmus, den Du einhalten willst. Und dabei vergisst Du völlig, dass in Deinem Stück auch noch Angaben für die Strichrichtung stehen.

Dabei kommst Du irgendwann so richtig in die Zwickmühle. Entweder stehst Du an einem Ende des Bogens und kommst nicht mehr weiter, oder Deine Saitenwechsel kommen dabei auch noch völlig durcheinander.

Aus dem Ruder gelaufen!

Es gibt schon viel zu koordinieren auf einem Streichinstrument, daran gibt es nichts zu deuteln.

Ein Grund mehr, hier in der Frage der Strichrichtung, zu einer wirklichen Klärung zu kommen.

Fangen wir einmal so an:

Weißt Du, was „Abstrich“ bedeutet?

 

Dieser Begriff erschließt sich eigentlich nur dann richtig, wenn man an eine Geige oder Bratsche denkt. Hier ist es völlig klar: du streichst beim Abstrich „hinab“

Was „hinab“ allerdings wirklich alles bedeuten kann, das erfährst Du im Video.

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Gibt es eine Gemeinsamkeit bei allen Instrumenten bezüglich der Frage der Strichrichtung, egal, wie sie gehalten werden? Gibt es eine allgemein verfügbare Definition von Ab- und Aufstrich?

Ich meine schon:

Beim Abstrich entfernt sich die Bogenhand vom Instrument.

Beim Aufstrich läuft die Bogenhand auf das Instrument zu.

So einfach ist das.

Und so kompliziert: Sieh Dir unten einmal die viel Spezialfälle an, bei denen Du mit dem Bogen besonders aufpassen musst.

Vier Situationen

 

Im Normalfall streichst Du jede Note hin oder her. Auf einen Abstrich folgt ein Aufstrich und so weiter. Diese Regel ist so einfach, dass es schon fast lächerlich erscheint, sie überhaupt aufzustellen.
Es gibt aber Situationen, bei denen Du tatsächlich leicht durcheinander kommst, wenn Du nicht genau aufpasst.

Du hast es nämlich mit vier verschiedenen Saiten zu tun. Und auf jeder dieser Saiten liegt der Bogen in einem anderen Winkel auf dem Instrument. Außerdem gibt es Bindungen und andere Dinge, bei denen von der Regel des Ab und Auf abgewichen wird.

Aber im Einzelnen:

Situation 1 – Du wechselst den Ton, aber nicht den Bogen

Man nennt dies die Bindung. In Noten sieht sie so aus:

Bindung

Bindung

Stell Dir vor, Du singst eine Melodie auf einer Silbe. In Kirchenliedern kennst Du das zum Beispiel beim „Amen“. Auf dem „A“ von Amen singst du mehrere Töne. Sie verschmelzen quasi ineinander, da der Vokal immer weiter gesungen wird.

Auf einer Blockflöte beispielsweise würdest Du jetzt mehrere Töne hintereinander greifen, ohne den Luftstrom abreißen zu lassen. Du bläst nicht mehr jeden Ton neu an. Heraus kommt auch eine Bindung.

Und auf dem Streichinstrument: Hier bleibt der Ton ebenfalls am Klingen, während Du die Töne wechselst. Du streichst einfach mit dem Bogen weiter, ohne anzuhalten oder die Strichrichtung zu ändern. Den Wechsel des Tons machst Du nur mit den Fingern Deiner Greifhand. Du legst einen oder mehrere andere Finger auf, oder hebst sie ab. So verschmelzen die Töne ebenfalls ineinander und es entsteht eine Bindung. Die Strichrichtung bleibt bei allen gebundenen Tönen gleich.

Eines musst Du Dir nur merken: Nach der letzten Note, die unter dem Bindebogen steht, drehst Du den Bogen um. Dies nicht zu beachten ist übrigens eine Ungenauigkeit, die Schüler immer wieder in die Lage bringt, dass sie sich am Ende wundern, warum ihre Strichrichtung nicht stimmt.

Situation 2 – Du wechselst den Ton, bindest nicht, behältst aber trotzdem die Strichrichtung bei

Ja, auch das gibt es.

Man nennt es die „abgesetzte Bindung“. Es gibt Situationen, in denen man den Bogen „korrigieren“ will. Man will eine bestimmte Strichrichtung bei einem Ton haben. Bestimmte Punkte in der Musik verlangen mitunter einen bestimmten Strich. Auf die Gründe will ich später gerne einmal eingehen.

Aber stell Dir vor. Du willst bei einem bestimmten Ton mit einer bestimmten Strichrichtung herauskommen. Wenn Du aber die Regeln des Hin und her einhältst, dann funktioniert es einfach nicht. Es ist ein Ton zu viel den Du spielen musst.

Hier bietet es sich an, einen Ton in einer Strichrichtung zu streichen, anzuhalten, und dann noch einmal in der gleichen Richtung weiter zu streichen.

Sie kann so aussehen:

Oder auch so:

Bindung Staccato

Bindung im Staccato

Oder auch so:

Strichangabe

Angabe der Strichrichtung

Situation 3 – Du bindest über mehrere Saiten

Kann man dabei durcheinander kommen?

Man kann!

Aber eigentlich geht es ganz einfach. Du musst Dir nur klar machen, was Du beim Binden über mehrere Saiten tust.

Du streichst mit dem Bogen Deinen ersten Ton an. Während Du nun streichst, näherst Du dich mit dem Bogen der Saite an, auf der der zweite Ton zum Klingen kommt. Du rollst während des Streichens zur neuen Saite hin. Irgendwann erreicht Dein Bogen die neue Saite, streicht dabei immer noch weiter, und der neue Ton kommt zum Klingen. Du streichst ihn jetzt auch in der gleichen Strichrichtung an, wie den vorherigen Ton.

Situation 4 – Du wechselst die Saite und den Bogen

Jetzt wird es für manchen knifflig.

Eigentlich ist es wieder so einfach: Du streichst einen Ton. Beim Streichen näherst Du Dich mit dem Bogen der Saite an, auf der der nächste Ton gestrichen wird. Wenn der nächste Ton dran ist, bist Du mit dem Bogen schon an der nächsten Saite dran. Du streichst den neuen Ton an und wechselst dabei die Strichrichtung.
Soweit die Theorie.

Dennoch liegt genau hier die Crux verborgen. Hier kommen die meisten Spieler durcheinander. Es ist manchmal gar nicht einfach, auf der neuen Saite jetzt genau die Strichrichtung zu kennen. Der Bogen liegt nun in einem anderen Winkel auf dem Instrument und so wird die Sache unklar. Vielleicht ist die Entscheidung auch einfach nicht so schnell zu treffen.

Daher würde ich Dir folgenden Trick vorschlagen:

Du vollziehst den Wechsel mit „Denkpause“. Spiele den ersten Ton. Nähere Dich dabei mit dem Bogen der Saite an, auf der der nächste Ton gespielt wird. Am Ende des Tons stehst Du bereits auf der neuen Saite.

Und jetzt machst Du die Pause. Du überlegst Dir genau, in welche Richtung der Bogen jetzt weiter streichen sollst. Du stellst Dir lebhaft vor, wie Du ihn in diese Richtige Richtung streichst.

Und wenn Dir das klar ist, dann streicht Du los. Jetzt wird es bestimmt in die richtige Richtung gehen.

Und damit wünsche ich Dir gutes Gelingen und viel Klarheit mit Deiner Strichrichtung.

Felix

p.S.: Sag mal, welches Rezept hast Du denn parat im Bezug auf die Strichrichtung? Vielleicht magst Du es unten im Kommentarfeld anbringen und allgemeine Diskussion darüber mit anregen.

19 Kommentare

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