Cello lernen – die Geographie der ersten Lage

Liebe Leser,

Gehen wir einmal davon aus, dass Sie gerade Ihr Cello in den Händen halten und Ihre ersten Gehversuche hinter sich haben. Sie haben auf leeren Saite gestrichen und haben vielleicht auch ein paar Töne auf einer Saite gegriffen. Dabei haben Sie eine gute Handstellung für sich herausgefunden.

Aber wenn Sie nun Stück für Stück in Ihrem Arbeitsheft voranschreiten, ist das vielleicht doch ein bisschen langweilig, finden Sie nicht auch.

Wie wäre es denn, wenn wir hier an dieser Stelle uns einfach einmal anschauen, welche Töne Sie auf welcher Saite unter den Fingern haben? Dann könnten Sie doch ganz gut auf eigene Faust Stücke ausprobieren.

Kommen wir also auch beim Cello zu unserer Geografie des Griffbretts. Mit Ihrer Grifftabelle Cello erste Lage, die Sie sich hier herunterladen können, und die Sie sich im Laufe dieses Blogartikels ausfüllen werden, haben Sie im Prinzip die ganze Orientierungsarbeit für die erste Lage schon gemacht.

Etwas Übung wird es natürlich noch noch brauchen, bis Sie selbstverständlich und schnell die Noten umsetzen und lesen. Aber Sie werden sehen, es ist halb so wild.

Unterscheiden Sie am Cello bei der ersten Lage bitte folgende Gegebenheit: Im Prinzip gibt es am Cello zwei Griffarten.

Da das Instrument wesentlich größer als eine Geige ist, sind auch die Saiten
länger und dementsprechend die Abstände der einzelnen Töne. Und dies bringt es mit sich, dass wir mit unseren Fingern nicht mehr wahlweise Halb- oder Ganztöne abgreifen können.
Unsere Finger stehen deshalb am Cello, zumindest in den unteren Lagen, grundsätzlich im Halbtonabstand.
Eine Ausnahme: in der sogenannten „weiten Lage“ steht der 1.Finger im Ganztonabstand zum 2. Alle übrigen Finger stehen aber weiterhin im Halbtonabstand zueinander.

Und was das nun für Konsequenzen für die Töne hat, die Sie nun auf dem Griffbrett abgreifen können, das erfahren Sie hier im Video:

Fassen wir also noch einmal zusammen, um was es geht.

  • in der ersten Lage steht der erste Finger einen Ganzton über der leeren Saite.
  • Daraus ergibt sich für den 4 Finger der Ton eine Oktave über der tieferen leeren Saite.
  • Auf der A-Saite greifen Sie daher die Töne: a (leere Saite), h (1.), c‘ (2.), cis‘ (3.) und d‘ (4. Finger)
  • Auf der D-Saite sind es: d (o), e (1), f (2), fis (3) und g (4).
  • Auf der G-Saite greifen Sie folgende Töne: G (0), A (1), B (2), H (3) und c (4)
  • Und auf der C-Saite: C (0), D (1), Es (2), E (3), und F (4)

Sicherlich haben Sie bemerkt, dass wir mit diesen beiden Griffarten noch nicht, wie bei der Geige, in der Lage sind, alle Töne zu greifen, die zwischen zwei Saiten liegen.

Tatsächlich fehlt zwischen dem Ton, den wir mit dem vierten Finger greifen und der nächsthöheren leeren Saite noch ein Halbton, den wir in unserer engen und weiten Lage gar nicht greifen können.

Und selbst wenn wir den greifen können, fehlt uns immer noch der Ton der leeren Saite selbst, den wir ja auf der Geige und Bratsche mit dem 4. Finger verhältnismäßig bequem erreichen.
Sie sehen schon, ganz so einfach ist das beim Cello nicht. Jedes Instrument bringt so seine kleinen Vor- und Nachteile mit sich.

Am Cello können Sie in einer Handstellung nicht so viele Töne greifen, das ist wahr. Andererseits ist die ganze Handstellung am Cello anatomisch einfacher. Sie brauchen die Hand nicht so sehr verdrehen, wie bei Geige und Bratsche.

Einerseits tut man sich in dieser Handstellung leichter, andererseits muss man auch öfter die Lage wechseln, da einfach nicht so viele Töne in einer Lage spielbar sind. Was ist Ihnen nun lieber?

Als einer, der in der Kindheit beides gelernt hat, nämlich Geige und Cello, sage ich einmal: Ich glaube es hebt sich gegenseitig auf. Was Sie bei einem Instrument evtl. als schwierig empfinden, birgt immer auch einen Vorteil in sich.

Und damit wünsche ich Ihnen viel Erfolg auf Ihrer Entdeckungsreise auf dem Cello

Ihr Felix Seiffert

4 Kommentare

  1. Ihr Blog schickt der Himmel, herzlichen Dank! So kann ich meine Zeit sinnvoll verbringen und Ihre Tipps ausprobieren und umsetzen und mich gut ins Cello „einleben“, bis ich Unterricht nehmen kann. Ihr Blog ist sehr schön strukturiert aufgebaut, ihre Videos sehr schön nachvollziehbar und ich mag Ihre ganze Art. Vielen Dank! So ein Blog ist selten und wirklich eine Bereicherung.

    • Felix Seiffert

      Hallo,

      vielen Dank für die Blumen. Ja, so manches kann man schon aus dem Blog herauslesen, nur ersetzt er halt keinen Unterricht, da bien Blog nunmal keine Schule mit klar gestellten Übungen sein kann.

      ganz herzliche Grüße

      Felix Seiffert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*