Kategorie: Greifen

Die Grundbewegung bei Lagenwechseln – oder: Wie trifft man Töne?

In diesem Beitrag möchte ich ihnen einmal ein sehr wichtiges Prinzip erklären, das Sie an verschiedenen Aspekten des Instrumentalspiels immer wieder entdecken können.

Es geht um die Tatsache, dass eine einfache, eher grobmotorische Bewegung oft zu genaueren Ergebnissen führt, als eine Ausführung der gleichen Bewegung mit vielen einzelnen feinmotorischen Aktionen.

Nehmen wir einmal an, Sie haben sich eine Weile mit Griffarten innerhalb der ersten Lage auf Ihrem Instrument befasst. Sie haben sich Ihre Hand eingerichtet. Sie haben die Handstellung gefunden, die Ihnen ein Greifen all der vorgegebenen Töne innerhalb dieser Lage ermöglicht. Das ging einher mit einer ganz bestimmten Haltung des Unterarms und der ganzen Hand. Sie haben herausgefunden, was für diese Stellung die optimale Daumenstellung ist.

Und Sie haben sich daran gewöhnt, welche Noten Sie mit welchen Fingern spielen. Auch dieses will zunächst erlernt sein. Nicht nur, dass man beim Abspielen von Noten schnell den richtigen Finger parat haben muss; man sollte auch die Töne, die unter den Fingern auf dem Griffbrett liegen, so weit kennen, dass man sich genau erinnern kann, wie sie sich anhören.

Was bei Ihnen nun nach dem Einüben der ersten Lage eingetreten ist, ist Folgendes. Dadurch, dass Sie sich eine bestimmte Handstellung und bestimmte Stellungen Ihrer Finger eingeübt haben, entstand in Ihnen ein ganz bestimmtes Gefühl für diese Zusammenhänge. Sie haben ganz bestimmt gemerkt, wie es für Sie von mal zu mal selbstverständlicher wurde, das Instrument zu nehmen und die Hand in genau diese Stellung zu bringen. Auf dieses Spielgefühl können Sie sich mehr und mehr verlassen. Es entsteht mit Hilfe Ihres Tast- und Ihres kinästhetischen Sinns. Sie ertasten die richtigen Töne nicht nur; Sie haben auch ein Gefühl dafür, welche Stellung Ihre Hand und Ihr Arm in Bezug auf Ihre gesamte Körperhaltung einnimmt.

Gleichzeitig verknüpft Ihr Gehirn diese Informationen mit den ganzen anderen wahrgenommenen Gegebenheiten, wie dem Notenbild der Töne oder dem, was am Ende das Instrument hörbar von sich gibt.

Dies alles zusammen gibt Ihnen nun die Möglichkeit, dass Sie sich, bevor Sie in Aktion treten, eine genaue Vorstellung Ihres Einsatzes machen können. Und mit Hilfe dieser genauen Vorstellung, gelingt Ihnen das genaue Treffen der von Ihnen eingeübten Passage auch von Mal zu Mal besser.

Ihre Gliedmaßen werden Ihnen umso besser folgen, je genauer Ihre Vorstellung von dem ist, was Sie tun werden.

Aber kommen wir zurück zu den Lagenwechseln.

Wenn man also in einer Handstellung genau die Zuordnung der einzelnen Finger eingeübt hat, macht es dann nicht Sinn, diese Stellung in anderen Lagen genauso weiter zu verwenden? Es macht Sinn!

Sehen Sie sich einmal im Video an, was die direkte Konsequenz dieser Regel ist. Sehen Sie, dass die Lagenwechsel in den unteren Halslagen auf allen vier Streichinstrumenten im Grunde gleich funktionieren.

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Fassen wir also noch einmal zusammen:

  • Die einfachste Möglichkeit, in verschiedenen Lagen Töne genau zu treffen besteht darin, dass man die Handstellung zum Hals und Griffbrett des Instrumentes beibehält.
  • Durch das Verschieben der ganzen Hand einschließlich der Stellung des Armes und der Stellung des Daumens gegenüber dem Finger bleibt die Hand in ihrer Form. Sie können sich also weiterhin auf das Gefühl der Abstände Ihrer Finger verlassen!
  • Das Verschieben der Hand ohne die Stellung des Daumens zu den Fingern zu verändern ist in den unteren Halslagen der Instrumente möglich. Bei allen Instrumenten sind das die Lagen 1 bis 3.
  • Die scheinbar grobe Bewegung des ganzen Arms von einer Lage zur Anderen hat eines solche Ruhe in sich, dass letztlich das Treffen der Töne nur mit dieser Bewegung am leichtesten gelingt.
  • Üben Sie die Stellung der verschiedenen Lagen bei sich dadurch ein, dass Sie Töne, die in verschiedenen Lagen mit verschiedenen Fingern vorkommen abwechselnd in diesen Lagen spielen und genau darauf achten, wie Ihre Hand sich als Ganzes von der einen zur anderen Lage bewegt.

Wenn Sie diese Grundlage bei Ihrem Spiel beherzigen, werden Sie sehr bald sehen, wie sich die Treffsicherheit in Ihrem Lagenspiel einstellt. Man kann also durchaus sagen dass hier in der „Ruhe die Kraft“ liegt.

Und damit wünsche Ich Ihnen wieder einmal gutes Gelingen an Ihrem Instrument. Machen Sie es gut bis zum nächsten Mal.

Felix Seiffert

Flageolett auf Streichinstrumenten – wie funktioniert das?

Flageolett? Haben Sie schon einmal davon gehört? Bestimmt, oder? Wer sich mit Streichinstrumenten auseinandersetzt kommt zwangsläufig irgendwann damit in Berührung. Aber was ist ein Flageolett? Wie kommen diese Töne zustande? Warum tippt man dabei nur eine Saite leicht an und es klingt so fein und „flötenartig“?

Erster Ansatz: Beginnen wir einmal mit der Herkunft des Namens. „Flageolett“ wurde eine frühe, in Frankreich gebaute, Form der Blockflöte genannt. Sie hatte vier Grifflöcher vorne und zwei hinten für die Daumen. In der Barockmusik fand dieses Instrument einigen Gebrauch, setzte sich aber nicht dauerhaft gegen die heute immer noch gebräuchliche Form der barocken Blockflöte durch.

Wenn man eine besondere Spielweise auf einem Streichinstrument als „Flageolett“ bezeichnet, kann es sich dabei wohl nur darum handeln, einen Klang zu produzieren, der irgendwie „flötenartig“ daher kommt. Aber was ist „flötenartig“?

Es wird sich um einen feinen vielleicht auch etwas dünnen Klang handeln. Er wird recht konstant klingen und er wird wohl auch nicht vibriert werden, so wie das ja bei Blockflöten auch nicht üblich ist.

Zweiter Ansatz: Kommen wir zu dem Vater vieler mathematischen Grundlagen, die im Altertum herausgefunden und formuliert wurden – Pythagoras.

Dieser Herr fand mit Hilfe eines Monochordes (eines Klangkastens, auf dem eine Saite gespannt war, bereit damit die verschiedensten Experimente anzustellen) heraus, dass eine Saite in ihrer doppelten Schwingungszahl schwingt, sobald man sich in ihrer Mitte am Schwingen hindert.

Noch einmal genau: Stellen Sie sich vor, dass eine Saite einen Schwingungsbauch hat wenn man sie anstreicht oder -zupft. Halten Sie nun genau in der Mitte dieses Schwingungsbauches, also genau auf halber Strecke zwischen den Enden der Saite, einen Finger auf die Saite und hindern Sie sie demnach genau an dieser Stelle am Schwingen, wird sich der Schwingungsbauch in zwei Teilschwingungen aufteilen. In diesen Teilschwingungen schwingt die Saite nun in ihrer halben Saitenlänge. Und Pythagoras fand heraus, dass die Schwingungszahl einer Saite ich dann verdoppelt, wenn sich die Saitenlänge bei gleichbleibender Spannung der Saite halbiert. Und mit diesr Verdoppelung der Schwingungszahl erklingt die Oktave des vorherigen Tons.

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Dritter Ansatz: kommen wir zum Praktischen.

Messen Sie einmal die Länge Ihrer Saiten vom Sattel bis zum Steg. Dies ist die „schwingende Saitenlänge“. Und nun legen Sie genau den Punkt fest, an dem die Saite halbiert ist. Vielleicht machen Sie sich mit einem weichen Bleistift an dieser Stelle eine kleine Markierung auf das Griffbrett. Keine Sorge, der lässt sich leicht wieder weg radieren.

Streichen Sie nun abwechselnd die leere Saite und ihren Flageoletton, den Sie dadurch erzeugen, dass Sie mit dem Finger leicht auf die markierte Stelle der Saite tippen. Sie werden merken, dass die Saite nun vor und hinter dem Finger zu schwingen anfängt. Sie kennen es ja: wenn Sie eine Saite normal abgreifen, dann schwingt immer nur der Teil der Saite, der zwischen dem Finger und dem Steg liegt. Nur dieser Teil wird durch das Anstreichen angeregt.
Streichen Sie hingegen ein Flageolett an, schwingt immer die ganze Saite, und damit eben auch der Teil der Saite, der hinter dem Spielfinger liegt.

Und damit kommen wir auch zu der grundsätzlichen Forderung für das Ausführen von Flageolettönen: die alte Regel, dass die Finger unterhalb eines Spielfingers auf dem Griffbrett liegen bleiben und sozusagen den Spielfinger beim Niederhalten der Saite unterstützen, entfällt!

Tippen Sie bitte nur mit dem Spielfinger auf genau dies Stelle an der sich die Saite halbiert. Nur so kann die ganze Saite schwingen. Übrigens spielt man auf der Geige und der Bratsche das Flageolett gerne mit dem 4. und auf Cello und Kontrabass gerne mit dem 3. Finger. Gewöhnen Sie sich das am besten gleich an.

Noch etwas: Wenn eine Saite in ihrer Teilschwingung erklingt, ist sie um einiges auf Bogendruck empfindlicher als sonst. Streichen Sie also eine Saite im Flageolett an, achten Sie bitte auf einen sehr schnell gestrichenen Bogen, der gleichzeitig sehr leicht über die Saiten streicht. Gewöhnen Sie sich daran dass die Saite wirklich komplett anders unter dem Bogen reagiert als sonst. Sie können auch einmal versuchen die Saite so nah am Steg anzustreichen, wie Sie es sonst nie wagen würden. Sie werden merken, dass nun die Saite sehr schön klar und deutlich klingt.

Probieren Sie es aus!

Und damit wünsche ich ihnen wieder gute Experimente auf Ihrem Instrument.

Felix Seiffert

Greifen auf dem Kontrabass – die Geographie des Griffbretts

Die Reihe von Beiträgen über die Griffweise auf den verschiedenen Instrumenten wäre nicht komplett ohne den Kontrabass.

Der Kontrabass, das wurde ja schon in einigen Beiträgen thematisiert, ist nur bedingt der Violinfamilie zuzuordnen. Seine Form und auch die Stimmung seiner Saiten rührt von der Gambenfamilie her, einer Instrumentengattung die in der Renaissance und der Barockzeit, neben der Violinfamilie bestand hatte. Etwa ab dem Zeitalter der klassischen Musik wurden diese Instrumente aber nicht mehr benutzt, da sie aufgrund ihres eher leisen und feinen Klangs nicht in das Klangbild eines damals modernen Orchesters passten.

So setzte sich letztlich die Violinfamilie durch. Nur als es darum ging, dass man ein großes Bassinstrument brauchte, einen Kontrabass, der seine Stimme noch einmal eine Oktave tiefer spielt als das Violoncello, da gab die Violinfamilie ein solch großes Instrument nicht her.

Und dies hat folgenden Grund: Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden ein großes Bassinstrument bauen, das klingen soll wie eine Violine. Das Instrument sollte den gleichen Abstand der Saiten zueinander haben, also von einer Saite zur nächsten 5 Töne. (die bekannte Stimmung in Quinten, die Geige, Bratsche und Cello besitzen)

Können Sie sich vorstellen, dass das mit der Hand eines „normalsterblichen“ Menschen überhaupt nicht mehr möglich ist, auf einem solchen Instrument eine Tonleiter zu greifen, ohne ständig mit der Hand zwischen verschiedenen Lagen hin und her zu rutschen? Genau dieses ist nämlich der Fall, weshalb den Bassisten die Bauart der Gambe sehr entgegen kommt.

Die Gambe ist in Quarten gestimmt. Möchten Sie ausgehend von einer leeren Saite eine Tonleiter bis hinauf zur nächsthöheren leeren Saite spielen, haben Sie noch zwei Töne dazwischen zu greifen. Und das schafft ein Bassist. Dies ist ein wichtiger Grund, warum der Kontrabass als Relikt der Gambenfamilie zum Streichorchester dazu stieß.

Aber kommen wir jetzt ganz konkret zur Greifweise auf dem Kontrabass. Das Instrument muss sehr groß sein, damit die tiefen Saiten genügend klang entwickeln können. Die Saitenlänge eines Basses in normaler Größe beträgt etwas mehr als einen Meter. Nun kann man sich vorstellen, dass dadurch die Abstände der einzelnen Halbtöne auf dem Griffbrett ebenfalls sehr groß sind.

Die Spreizfähigkeit der menschlichen Hand ist aber bei allen Unterschieden zwischen den verschiedenen Spielern doch gewissen Grenzen unterworfen. So ergibt sich am Kontrabass eine Greifweise, die sich in der Zuordnung der Finger zu den einzelnen Tönen in ganz massiver Weise von den anderen Instrumenten unterscheidet.

Aber sehen Sie sich die Sache einmal im Video an.

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Fassen wir also noch einmal zusammen:

Aufgrund der Größe des Instruments und insbesondere der Länge der schwingenden Saiten ergibt sich auf dem Kontrabass nur die Möglichkeit, zwischen dem 1. und 4. Finger einen Ganzton abzugreifen.

Um dieses zu bewältigen, müssen der 1. und der 2. Finger in einen großen Abstand gebracht werden. Anatomisch ähnelt dieses Griffbild dem der weiten Lage am Cello. Der 1. Finger hat einen größeren Abstand zum 2. als die übrigen Finger untereinander. Dieser Größere Abstand bewirkt aber, dass die Töne, die diese beiden Finger greifen können, im Halbtonabstand zueinander stehen. Der zweite Halbton wird nun zwischen dem 2. und dem 4. Finger gegriffen. Der 3. Finger bleibt in dieser Greifweise ohne Funktion.

Da der Kontrabass in Quarten gestimmt ist, reichen diese Griffmöglichkeiten aber aus, um einige Tonarten in einer Lage durchzuspielen.

1. Lage: der erste Finger steht einen Ganzton über der leeren Saite. Auf der D-Saite wäre das der Ton e. Der zweite Finger steht auf dem f und der vierte Finger auf dem fis. Bis zur nächsten Saite, der G-Saite, besteht jetzt nur noch ein Halbtonabstand. Aber damit ist die Tonfolge Ganzton – Halbton – Ganzton und auch die Tonfolge Ganzton – Ganzton – Halbton zwischen zwei leeren Saiten spielbar.

Möchten wir allerdings ausgehend von der leeren Saite die Tonfolge Halbton – Ganzton – Ganzton abgreifen, muss die ganze Hand in die „halbe Lage“ gebracht werden. Hierzu rutschen Sie einfach mit der ganzen Hand einen Halbton zurück, sodass jetzt der 1. Finger im Halbtonabstand zur leeren Saite steht. Befinden Sie sich wieder auf der D-Saite, greift nun der erste Finger das es, der zweite Finger steht auf dem e und der vierte Finger auf dem f. Diese halbe Lage ist aufgrund seiner Handstellung öfter dann gefragt, wenn viele Töne mit b Vorzeichen in den Noten stehen.

Wenn sie möchten, dann drucken Sie sich doch auch hier wieder die zum Download bereitgestellte Grifftabelle zum selbst Ausfüllen aus. Ich denke dass es immer besser ist, sich eine Grifftabelle selbst zu erschließen, indem man die Töne von Hand einträgt. So prägt sich die Sache gleich ganz anders ein, als wenn man immer wieder auf ein vorgefertigtes Stück Papier schaut.

Grifftabelle Kontrabass erste und halbe Lage – Partitur

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und viel Spaß mit dem Kontrabass, falls Sie jetzt einen Ihr eigen nennen und sofort die Sache um setzen und damit viele viele Möglichkeiten für sich erschließen.

Machen Sie es gut bis nächst Woche

Felix Seiffert

Die Bratsche – was weiß ich über die Bratsche?

Als ich die Artikel dieses Blogs neulich einmal durchsah, entdeckte ich mit Schrecken, dass hier noch fast überhaupt nichts über die Bratsche geschrieben steht.

Warum führt dieses Instrument sogar hier, wo es doch ausdrücklich um alles vier Streichinstrumente geht, so ein verstecktes Dasein? Warum tritt sie so wenig in Erscheinung?

Das scheint mal wieder typisch zu sein für dieses Instrument, das ja sowieso das Image des eher belächelten Instrumentes für unterbemittelte Musiker trägt. Über kaum ein Instrument und deren Spieler werden im Orchester so viele Witze gerissen, wie über die Bratsche.

Wie kommt das eigentlich?

Was hat es mit diesem Instrument auf sich?

Wenn wir den Namen des Instrumentes betrachten, kommen wir schon darauf. „Viola da Braccio“ heißt das Instrument in Italien. Ihre kleinere Schwester heißt „Violino da Braccio“ „Viola“, scheint mir dabei wohl das Ursprungswort des Instrumentes zu sein und  „Violino“ die Verkleinerungsform. Aha, ist die Viola wohl das ursprüngliche Instrument?

Wahrscheinlich eher nicht, denn erwähnt werden beide Instrumente in der alten Literatur zusammen. Wichtig ist aber der Zusatz „da Braccio“. Braccio ist das Italienische Wort für „Arm“. Das Instrument wird auf dem Arm getragen.

Daher stammt wohl der Name “Bratsche“. In meiner Wahlheimat Bayern, gibt es das umgangssprachliche Wort für die Hände, die „Bratzen“. Woher diese Bezeichnung wohl kommt?

Halten wir also einmal fest: es handelt sich um das größere der beiden auf dem Arm gepielten Instrumente.

Wenn wir uns das Instrument betrachten, fällt abgesehen von seiner Größe als erstes auf, dass es wesentlich tiefer klingt. Die Stimmung der Saiten lautet c, g, d‘ und a‘. Vergleicht man das mit der Stimmung der Geige (g, d‘, a‘ und e“), dann sieht man, dass ihre unteren drei Saiten mit den höchsten drei Seiten der Bratsche übereinstimmen.

Man hat also der Geige eine tiefere Saite hinzugefügt und die Oberste weg gelassen. Damit das Instrument mit diesen tiefen Saiten klingen kann, muss es größer sein, als die Geige. Und jetzt passiert etwas merkwürdiges: Im Grunde müsste dieses Instrument aufgrund seiner Tonlage noch wesentlich größer sein, um einen der Geige wirklich ähnlichen Ton produzieren zu können. Da aber die menschliche Armlänge gewisse Grenzen aufweist, mussten sich die Geigenbauer auf eine gewisse Größe beschränken.

Und aufgrund dieses Kompromisses büßt die Bratsche etwas vom klaren und durchdringenden Charakter des Geigentons ein und bekommt ihren etwas herben, rauchigen Ton. Dieses ist aber gerade das spezifische Merkmal, das den Ton der Bratsche ausmacht.

Wenn Sie einmal eine Bratsche in der Hand haben und vielleicht die Geige gewohnt sind, werden Sie als erstes ganz deutlich merken, dass Sie ein schwereres und größeres Instrument auf Ihrer Schulter liegen haben. Die schwingende Saitenlänge, (das ist der Abstand vom Steg, bis zum Obersattel) ist bei der Bratsche um einiges größer.

Die schwingende Saitenlänge beträgt bei der Geige ungefähr 33 cm und bei der Bratsche schwankt sie je nach Modell von 36 bis sogar 43 cm. Sie sehen schon, die Geigenbauer verwenden durchaus verschiedene Modelle. Es wird bei der Bratsche viel mit der Größe herumexperimentiert. Zwar gilt die grundsätzliche Annahme, dass ein größeres Instrument auch besser klingt. Andererseits ist es nicht für jeden Spieler geeignet. Und deswegen lassen sich die Geigenbauer alle möglichen baulichen Tricks einfallen, damit auch ein kleineres Instrument einen großen und schönen Bratschenton bekommt. Und – sie haben oft Erfolg damit. So kommt es, dass es durchaus verschiedene Größen von Bratschen gibt, die gut klingen. Als Bratscher sollte man sich daher sehr genau überlegen, was für ein Instrument für einen wirklich geeignet ist.

Aber was muss nun eine Bratschist auf seinem Instrument anders machen, um es zum Klingen zu bringen? Sehen Sie sich einmal das folgende Video an. Es sind vor allem zwei Dinge, die man auf diesem Instrument beachten sollte.

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Es sind also diese zwei Komponenten, die beim Bratsche Spielen wirklich anders sind.

Da das Instrument insgesamt größer ist, liegen die zu greifenden Töne auch weiter auseinander als auf der Geige. Man verwendet aber grundsätzlich gesehen keine andere Greifweise als die der Geige, wie jetzt zum Beispiel beim Cello. Nein, man muss sich einfach an die größeren Griffe gewöhnen. Außerdem muss man den Arm weiter ausstrecken, um die Töne zu erreichen, schließlich ist das Instrument ja insgesamt länger.

Der wesentliche Punkt im Streichen besteht nun darin, dass Sie die längeren, schwereren und daher auch etwas trägeren Saiten mit mehr Bogengewicht angehen müssen. Gerade in diesem Punkt liegt aber auch das Reizvolle am Bratschenspiel. Wenn man es als Geiger kennt, wie leicht man einen Ton mit dem Bogen „zerdrücken“ kann, dann wird man es schätzen lernen, wenn man sich einmal mit voller Seele in die C-Saite hineinlegen kann.

Hören Sie sich einmal den Beginn des Streichquartetts „Aus meinem Leben“ von Friedrich Smetana an, dann wissen Sie, was ich meine. Oder hören sie sich die „Arpeggione Sonate“ von Franz Schubert an. Dieses Stück wird zwar genauso auf dem Cello gespielt, aber ich sagen Ihnen, Sie werden den Bratschenton lieben.

Aber wissen Sie eigentlich, woher die Bratschenspieler dieses Image des leicht unterbemittelten und immer ein wenig zu trägen Spielers mitbekommen haben?

Schon in der Mannheimer Hofkapelle, dem Orchester des Kurfürsten Karl Theodor, war es so, dass man dem jungen Geigenspieler, zunächst einmal im Orchester den Platz in der Bratschenstimme zuwies. Die Bratschenstimme ist in der Orchesterliteratur zumindest in der Barockzeit und der frühen Klassik weniger virtuos gestaltet, sodass hier der Orchesterspieler sich leichter in das Orchesterspiel einfügen konnte. Somit war damals die Bratsche sozusagen das „Lehrlingsinstrument“. Können Sie sich vorstellen, was diese Stellung für ein Licht auf das Berufsbild der Bratscher wirft?

Aber eine Sache ist interessant daran. Wenn man die Geschichte des Instrumentalspiels betrachtet, bemerkt man, dass es gerade in der Barockzeit und der Klassik wesentlich selbstverständlicher war, mehrere Instrumente zu spielen. Das ein Geiger damals auch Bratsche spielte, war völlig normal. Eine Spezialisierung, wie wir sie heute betreiben war damals undenkbar.

Und so möchte ich Sie auch gerne anregen: sofern sie Geige spielen: Probieren sie es doch auch mit der Bratsche. Sie werden es ganz bestimmt nicht bereuen. Und – Bratscher sind in Laienorchestern meistens in der Unterzahl und daher stets willkommen.

Machen Sie es gut, und haben Sie viel Vergnügen bei Ihren Experimenten an der Bratsche

Felix Seiffert

Was machen Ihre Finger? oder: Befolgen Sie gerne Regeln, die Sie nicht einsehen?

Sie spielen seit geraumer Zeit auf Ihrem Instrument. Nun kommen Sie in die Situation, in der Sie sich wundern, warum eine Passage einfach nicht sauber klingen will, oder warum Ihre Finger einfach nicht im Rhythmus laufen wollen. Und das passiert Ihnen nicht nur bei einer einzigen Passage, nein das passiert Ihnen ständig.

Sie tüfteln herum und finden es einfach nicht heraus.

Kennen Sie das?

Es ist zum Verzweifeln. Sie glauben schon fast daran, dass Sie einfach nicht begabt genug für Ihr Instrument sind. (Was einem da nicht alles im Kopf herum geht)

Aber ziemlich sicher haben Sie bei der ganzen Sache nur ein winziges Detail übersehen, das Ihnen diese ganzen Mühen bereitet hat.
Und dieses Detail übersehen sehr viele Anfänger. (Definieren wir hier mal Anfänger als Spieler, die mit Ihrem Instrument seit weniger als drei Jahren umgehen)
Sie übersehen es, weil sie hier, angeleitet durch ihren Lehrer, eine Handlung vollziehen müssen, die sie nicht einsehen können.
Irgendwie geht es doch auch ohne diese „Schikane“ die ihnen ihr Lehrer auferlegt. Und wer tut schon gerne Sachen, die er nicht einsieht.

Können Sie sich denken, um was es geht?

Versuchen wir es einmal so:

Möchten Sie saubere Töne greifen, brauchen Sie für Ihre Finger die richtige Orientierung auf dem Griffbrett. Übrigens ist das saubere Treffen von Tönen auf einem Griffbrett eines Streichinstruments Millimeterarbeit. Sie müssen es also irgendwie zustande bringen, Ihre Finger auf den Millimeter genau auf einen Punkt zu stellen. Und nun gibt es je nach Instrument und Griffart durch aus verschiedene Stellen, an denen Ihr Finger zu liegen kommt. Schon in der ersten Lage haben Sie beispielsweise für jeden Finger auf jeder Saite mindestens zwei verschiedene Stellungen. Diese Stellungen sollten Sie zielsicher treffen können.

Dämmert es?

Ein weiteres Argument:

Je nachdem, was Sie für ein Instrument spielen, werden Sie in der Lage sein, dass Ihre Finger mehr oder weniger Kraft aufwenden müssen, um die Saite auf das Griffbrett zu drücken und den Ton nun sauber und klangvoll abzugreifen. Dies fällt natürlich bei einer Geige nicht so sehr ins Gewicht wie beispielsweise bei einem Cello oder einem Kontrabass. Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass dies durchaus ein Faktor ist, der die Geläufigkeit der Finger beeinflusst.

Die Geläufigkeit Ihrer Finger ist entscheidend davon abhängig, wie viel Kraft Sie aufwenden müssen um die Saite abzugreifen. Es geht ja darum einerseits pünktlich eine Saite zu greifen, aber auch schnell und energisch die Finger auch wieder von der Saite weg zu bekommen, wenn Sie einen anderen Ton spielen wollen.

Kommen Sie jetzt drauf?

Noch ein kleiner Hinweis um das Rätsel zu lösen: Klavierspieler tun genau dieses nicht!

Nebenbei tun sich daher auch manche Pianisten genau mit diesem Punkt schwer, wenn Sie ein Streichinstrument erlernen wollen.

Immer noch nicht klar, worum es geht?

Und jetzt das Dümmste:

Wenn Sie erfahrenen Instrumentalisten zusehen, wie sie Melodien ausformen und mit Vibrato spielen, dann werden Sie sehen, dass jetzt diese Regel außer Kraft gesetzt worden ist. Dinge gibt‘s! Aber wenn Sie einmal genau hin sehen, dann werden Sie merken, dass eben jene Profis in dem Moment, wo sie schnelle Läufe spielen, diese Technik doch wieder anwenden.

Aber jetzt wird es wohl Zeit für das Video

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Meine eindringliche Bitte an Sie:

Bitte nehmen Sie diese Regel wirklich ernst.
Es wird Sie bestimmt einiges an Überwindung kosten, bis Sie sich das Liegenlassen der Finger unterhalb des Spielfingers eintrainiert haben. Aber Ihre gesamte Geläufigkeit und Ihre Intonation hängen entscheidend von diesem Umgang mit Ihren Fingern ab.

Steht bereits einer Ihrer Finger auf dem Griffbrett (nehmen wir zum Beispiel einmal den 1. Finger) dann ist es für einen anderen Finger um ein Vielfaches leichter einen anderen Ton zu treffen. Es stellt sich ein ganz bestimmtes Gefühl für den Abstand dieser beiden Finger auf dem Griffbrett ein. Der Sinn, der dies ermöglicht, wir Ihr „kinästhetischer Sinn“ genannt. Es ist der Bewegungssinn, der Ihnen ermöglicht, Körpererfahrungen zu machen und auch abzuspeichern. Mit Hilfe dieses Sinns, „kennen Ihre Finger“ das Gefühl wenn Sie beispielsweise ein e‘ mit dem 1. und ein fis‘ mit dem 2. Finger greifen. Sie können sich nun auf das Treffen dieser Töne wesentlich besser verlassen, als wenn Sie versuchen würden, diese Töne im „Adlersuchsystem“ einzeln auf dem Griffbrett zu erhaschen. Können Sie es sich jetzt vorstellen?

Also achten Sie beim Üben bitte einmal auf Folgendes:

  • Finger, die unterhalb eines Spielfingers liegen sollten grundsätzlich mit diesem Spielfinger zusammen die Saite niederhalten. Die Finger sollten dabei auf den zu der aktuellen Tonart passenden Plätzen stehen.
  • Wenn Sie eine Bewegung vom 1. zum 3. Finger machen, sollten Sie spüren, wie der 2. mit dem 3. Finger zusammen auf die Saite aufklopfen. Ds gleiche gilt natürlich auch für alle anderen erdenklichen Fingerkombinationen.
  • Auch das Abheben der Finger sollte energisch mit allen Fingern gleichzeitig stattfinden.
  • Manchmal, wenn Sie in einer Melodie die Saite wechseln kann es sein, dass einer oder mehrere Finger auf einer Saite stehen bleiben, während sich der Finger der als nächstes gebraucht wird, auf die neue Saite begibt. Auch dieses fördert die Intonation, da auch hier die Finger die genauen Abstände zueinander spüren können.

Sie merken schon, ich bin hier derjenige, der mit Engelszungen versucht, Sie zu dieser scheinbar so umständlichen Greifweise zu überreden. Aber ich tu es gerne, schließlich werden Sie sich nach einiger Zeit sehr gerne daran erinnern, dass Sie es damit geschafft haben Ihre Hand gut und sicher auf dem Griffbrett zu positionieren.

Und damit wünsche ich Ihnen wieder einmal:

Viel Erfolg und viel Vergnügen bei Ihren Experimenten!

Felix Seiffert

Ein einfaches Stück auf der Geige – experimentieren Sie gerne?

Jetzt haben Sie so viel Theorie mitbekommen. Nun wollen wir es doch einmal ganz praktisch angehen. Wie wäre es, wenn wir zusammen einmal ein einfaches Stück einüben.

Im Wesentlichen geht es mir dabei darum, das Sie sehen, welche verschiedenen Teilbewegungen bei einem Stück miteinander koordiniert werden, und wie hernach daraus ein einfaches Stück wird.

Und Sie werden sehen, dass die Sache dadurch dermaßen einfach wird, dass Sie sie ohne weiteres selbst am Instrument heraus bringen können, und nicht einmal einen Lehrer brauchen, der es Ihnen unmittelbar zeigt. Sehen wir uns dieses mal das Stück auf der Geige an. Was man dann auf einem anderen Instrument anders machen muss, darauf soll dann der nächste Blogartikel eingehen.

Wenn man mit einem Instrument beginnt, wählt man zunächst Stücke, die in Ihren Anforderungen auf jeden Fall bewältigbar sind. Auf jeden Fall sollten sie aber gleich von vornherein Spielfreude aufkommen lassen. Sie sind ja nicht am Instrument angetreten um erst einmal durch das Tränenreich ewiger Fingerübungen zu gehen, sondern Sie wollen ja wohl gleich von Anfang an musizieren.

Und da habe ich in einer alten, aber immer noch aktuellen Violinschule ein ungarisches Kinderlied gefunden, das mit für diesen Zweck sehr geeignet scheint.

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Sie werden lachen, es kommt nur mit vier verschiedenen Tönen aus. Das heißt, Sie können sich auf dem Griffbrett die Finger auf einer Saite sehr schon in Position bringen, und lernen gleichzeitig einen recht schwungvollen Strich.

Lassen wir uns einmal mit den Tönen, die Sie greifen, beginnen. Am Besten Sie nehmen zunächst einmal Ihre Geige in der Gitarrenhaltung. Können Sie sich noch an den Blogartikel erinnern, in dem es darum ging, wie man auf der Geige zu einer guten Handstellung findet?

Hier finden Sie ihn, falls Sie noch einmal nachlesen möchten.

Wenn Sie nun das Stück beginnen wollen, dann machen Sie einmal diese Übung dazu. Setzen Sie 3 Finger auf die D-Saite Ihres Instruments auf und verschieben Sie die Hand, damit sie in Bewegung bleibt. Nun halten Sie in dem Moment in der Bewegung inne, in dem Sie mit dem 3. Finger den Ton g‘ erreichen. Dieser Ton liegt genau eine Oktave über der leeren G-Saite, sodass Sie ihn nun durch Vergleichen kontrollieren können. Wenn Sie sich nicht so ganz sicher sind, dann kleben Sie sich doch einen Punkt auf das Griffbrett, oder machen Sie eine kleine Markierung mit dem Bleistift, die Sie jederzeit wieder entfernen können.

wie das geht? Hier die Lösung

So, und wenn Sie nun diese Stelle erreicht haben, dann ziehen Sie noch Ihren ersten Finger etwas nach hinten um den Ton e‘ zu greifen. Auch hierfür könnte man wieder einen Punkt auf das Griffbrett kleben. Sie werden aber gleich ganz leicht merken, dass man sehr gut beim Spielen hört, ob man den richtigen Ton trifft.

Mit dieser kleinen „Trockenübung“ haben Sie nun einmal Ihre Greifhand in die richtige Stellung gebracht. Und nun geht es an das Lied. Das Stück besteht aus Viertelnoten, die ungefähr das Tempo von Schritten bei einem Spaziergang haben und halben Noten, die doppelt so lang sind.

Spielen Sie nun das Stück einfach ab, wie im Video beschrieben. Die Folge der Finger steht über den Noten gedruckt, sodass Sie sich gleich von vornherein ganz nebenbei einprägen, welcher Finger welche Note spielt.

Zupfen Sie also auf der D-Saite und greifen Sie:

0 – 1 – 2- 3 – 3 – 3 – 3 und so weiter, bis Sie durch das Stück durch sind. Und das Ganze machen Sie ein paar mal, bis Ihnen das Stück geläufig wird. Sie werden merken, es fällt Ihnen von mal zu mal leichter.

Dieses ist auch nötig, denn Sie wollen ja am Ende das Stück auch mit dem Bogen streichen. Und dabei ist es hilfreich, wenn man sich nicht auf jedes Detail seiner Aktion voll konzentrieren muss. Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten beim Autofahren ständig neu überlegen, in welche Richtung Sie nun den Schaltknüppel bewegen müssen um in den nächsten Gang zu kommen. Sie haben doch weiß Gott besseres zu tun, oder?

Apropos Bogenbewegung:

Streichen Sie das Stück doch einmal mit dem Bogen, ohne mit den Finger zu greifen.

Sie erinnern sich ja noch an den Bogengriff. Nehmen Sie das Instrument nun in Spielhaltung, und setzen Sie den Bogen auf. Können Sie sich noch erinnern an die Übung mit dem Aufsetzen und dem Rollen auf den Saiten?

Setzen Sie nun den Bogen auf und spüren Sie, wie angenehm es ist, wenn sich das Armgewicht mit dem Bogen auf die Saiten stützt.

Streichen Sie nun zwei kleine Schwungstriche im Abstrich und im Aufstrich, und danach zwei lange Striche bis zu Spitze. Die Übung endet dann wieder mit zwei kurzen Strichen. Streichen Sie sie nicht zu kurz, sie sollen schon richtig mit Schwung durch gestrichen werden.

Im Prinzip streichen Sie diese Prozedur einfach vier mal hintereinander und schon haben Sie das Stück gestrichen.

Sie können es aber auch in einer „Endlosschleife“ so oft wiederholen, bis Ihnen diese Bewegung vollkommen selbstverständlich durch den Arm läuft. Merken Sie den Schwung, den Sie im Arm haben und im Bogen? So soll es sein.

Was bleibt am Schluss? Na wenn Sie die beiden Komponenten so ausgiebig geübt haben sollten Sie die ganze Sache einmal zusammensetzen. Bringen Sie dazu Ihr Instrument in Spielhaltung.

Setzen Sie nun auch wieder Ihre Finger auf die D-Saite und verschieben Sie die Hand, um beweglich zu sein Halten Sie nun wieder auf dem richtigen Platz an.

Setzen Sie den Bogen auf, und es kann los gehen.

Greifen und Steichen Sie jetzt einfach zusammen. Sie glauben nicht das es geht? Probieren Sie es! Sie werden sehen, es kann gar nicht daneben gehen, weil Sie die Teilbewegungen schon so weit in Ihrem Unterbewusstsein haben, dass es einfach laufen muss.

Und wenn nicht? Dann wieder holen Sie noch einmal ohne greifende Finger und zupfen Sie die Tonfolge noch einmal (aber jetzt in Spielhaltung) durch.

Also, wenn es jetzt nicht geht. Haben sie es gemerkt? Irgendwie hat das Koordinieren doch etwas zu tun mit Selbstüberlistung. Oder was meinen Sie?

Viel Vergnügen bei Ihren eigenen Experimenten

wünscht Ihnen

Felix Seiffert

p.S.: gehören Sie auch zu der Spezies Mensch, die so ein Stück gerne von Noten spielt? Hier bekommen Sie sie zum Ausdrucken. Ungarisches Kinderlied für Geige

 

Geographie auf der Geige Teil 2 – die dritte und vierte Griffart in der ersten Lage

Im letzten Blogbeitrag haben wir uns um die Töne gekümmert, die auf der Geige in der ersten und der zweiten Griffart zu greifen sind.

Nun lassen sich allerdings mit diesen beiden Griffarten noch nicht wirklich alle Töne abgreifen, die es auf dem Griffbrett innerhalb der ersten Lage gibt. Sollten Sie im letzten Beitrag die Grifftabelle herunter geladen, ausgedruckt und ausgefüllt haben werden Sie bestimmt bemerken, dass Sie auf dem Griffbrett durchaus noch weiße Flecken haben, also Bereiche, auf denen Sie greifen, und auf denen irgendwelche Töne liegen, die Sie bislang noch nicht gegriffen haben.

Haben Sie die Grifftabelle noch nicht heruntergeladen, und möchten das jetzt noch tun?

Dann hier:

Geographie auf der Geige. Oder: Was für Töne spiele ich da eigentlich?

Wenn Sie sich diese Grifftabelle ansehen, werden Sie merken, dass eine Position, die Sie noch nicht gegriffen haben, die Stelle zwischen dem Platz des ersten Fingers und der leeren Saite ist. Ja, hier gibt es noch einen Ton, den Halbton zwischen den besagten Tönen. Auf der A-Saite wäre das der Ton b‘ (zwischen a‘ und h‘ gelegen), auf der D-Saite der Ton es‘.
Diese Töne erreichen Sie , indem Sie den ersten Finger beim Greifen nach hinten zum Sattel hin ziehen. Sie können das am besten nachvollziehen, wenn Sie den beigefügten Videobeitrag einmal ansehen.

Die Griffart, die diese Fingerstellung möglich macht, nennt man die „dritte Griffart“. Sie greifen mit dem ersten Finger auf eben diesem tiefen Platz, mit dem 2. Finger ebenfalls auf seinem tiefen Platz, danach steht der dritte Finger auf seinem ganz normalen Platz und der vierte Finger ebenfalls. Auf diese Weise sehen Sie dass alle Ihre Finger nun in einem Ganztonabstand zueinander stehen.

Nebenbei etwas Merkwürdiges. Wenn Sie mit Ihren Fingern auf der E-Saite stehen, brauchen Sie für den ganz normalen Ton f“ den tiefen ersten Finger. Sie brauchen also die dritte Griffart, um hier den Ton f“ ohne Vorzeichen greifen zu können. Wenn Geige auf ihrem Instrument anfangen, greifen sie zunächst Übungen und Stücke in der ersten und zweiten Griffart. Die Stücke sind dann immer so angelegt, dass dieser Ton f“ gar nicht vorkommt. Statt dessen kommt immer der Ton fis“ vor, den die Geiger mühelos in der ersten Griffart spielen können.

Am besten Sie sehen sich jetzt das Video einmal an.

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Ein weiterer Ton, den Sie bislang nicht greifen konnten steht an dem Platz zwischen dem dritten und dem vierten Finger. Sie erinnern sich ja sicherlich, dass der vierte Finger immer im Ganztonabstand zum Dritten stand. Und natürlich gibt es zwischen diesen beiden Positionen noch einen Platz. Diesen fehlenden Ton könnten Sie zum Beispiel dadurch greifen, dass Sie den vierten Finger einfach nah zum Dritten stellen. Dies wird auch ab und zu getan, wenn es musikalisch sinnvoll ist. Die vierte Griffart jedoch setzt darauf, dass der dritte Finger um einen Halbton nach oben gestellt wird, und nun zum Platzt des vierten Fingers im Halbtonabstand steht. Wie die Töne, die Sie dann greifen können, heißen, haben Sie ja auch im Video gesehen.

Sie brauchen diese Griffart immer dann, wenn Sie eine Dur- Tonleiter spielen, und mit dem ersten Finger als Grundton beginnen wollen. Eins werden Sie merken: Diese Griffart liegt sehr gut in der Hand. Die Anatomie der Hand ist wirklich so angelegt, dass merkwürdiger Weise der Halbtonabstand zwischen 3. und 4. Finger sehr leicht zu bewerkstelligen ist. Probieren Sie es aus. Sie werden merken, dass es um vieles unangenehmer ist, den 1 und 2. Finger im Halbtonabstand zu halten als dieses.

Und mit diesen vier Griffarten haben Sie nun die Möglichkeit, alle Töne und Halbtöne zwischen der leeren tiefsten Saite und dem vierten Finger auf der höchsten Saite zu greifen. Sie haben damit die Möglichkeit grundsätzlich jede Tonart zu greifen.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Felix Seiffert

Geographie auf der Geige. Oder: Was für Töne spiele ich da eigentlich?

Liebe Leser,

Da lesen Sie einen Blog rund ums Geigen und über die anderen Streichinstrumente. Und Sie kümmern sich darum, wie richtig gestrichen wird, wie man zu einer Haltung findet und so weiter.

Aber was hier im Blog noch gar nicht vorgekommen ist, ist doch die ganz einfache Frage: Was für Töne spielt man denn eigentlich wo und mit welchen Fingern? Und wie sehen diese Töne in den Geigennoten aus.

Zeit, um einmal gründlich Orientierungsarbeit zu leisten. Meinen Sie nicht auch?

Wenn man ein Streichinstrument beginnt, läuft das in den allermeisten Fällen so, dass man sich erst einmal um die erste Lage bemüht. Die erste Lage ist die Stellung der Hand, in der der erste Finger einen Ton über der leeren Saite steht. Man kann somit ausgehend von der leeren Saite eine Tonleiter beginnen.

Nun haben die Töne einer Tonleiter ja bekanntlich auch unterschiedliche Abstände (Halb- und Ganztöne) und daher gibt es auf der Geige auch verschiedene Stellungen der Finger untereinander. Man bezeichnet dies als „Griffarten“.

Wiederum in den allermeisten Fällen beginnt der Geiger mit der ersten Griffart, in der der 2. und 3. Finger im Halbtonabstand zueinander stehen und alle übrigen Finger untereinander, sowie der erste Finger zur leeren Saite im Ganztonabstand.
Dies ist eine anatomisch sehr nahe liegende Griffart. Sie liegt deshalb sehr bequem in der Hand, weil die beiden mittleren Finger ohnehin nicht so ganz leicht auseinander stehen wollen, wie die Übrigen.

Nun lassen sich in dieser Griffart nicht alle Töne und Halbtöne auf der Geige spielen, aber eine wichtige Tonleiter ist doch damit zu schaffen, nämlich die Dur- Tonleiter, die auf einer leeren Saite anfängt. Und damit kann man einen sehr schönen Einstieg ins Geigenspiel hinbekommen.

Sehen Sie sich einmal das Video an, dort wird die Sache genau erklärt und vor allem werden Ihnen auch auf den verschiedenen Saiten die Töne in den Noten gezeigt.

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Und im zweiten Teil des Videos wurde die zweite Griffart gezeigt. Sie ist eben so sehr nötig, wie die Erste. Hier steht der zweite Finger tief, also nah am Ersten und Sie können daher auf der D-Saite den Ton f‘ spielen. Sie brauchen diese Griffart, wenn Sie eine Dur-Tonleiter mit dem dritten Finger beginnen wollen. Beispielsweise ist C-Dur beginnend mit dem dritten Finger auf der G-Saite nur so möglich.

Ich möchte Ihnen nun einen Vorschlag machen:

Wenn Sie Grifftabelle Geige erste Lage klicken, können Sie sich ein Blatt mit einer leeren Grifftabelle für die Geige herunter laden. Sehen Sie sich danach das Video noch einmal an und tragen Sie einfach die verschiedenen Töne in die Grifftabelle ein. Jede Saite der Geige wird hier durch eine Notenzeile dargestellt. Jede mögliche Halbtonposition ist ein Bereich, durch zwei Taktstriche rechts und links begrenzt. Die Sache sieht daher ähnlich aus, wie bei einer Gitarre mit Ihrem Bünden. Und der Ton der leeren Saite ist jeweils schon eingetragen.

Das ist kinderleicht, und Sie haben gleich für Ihre Übungen eine solide Anleitung an der Hand.

Fassen wir noch einmal kurz zusammen:

  • Die erste Griffart zeichnet sich dadurch aus, dass der Halbtonabstand zwischen dem 2. und 3. Finger liegt. Der 1. Finger steht im Ganztonabstand zur leeren Saite.
  • Die zweite Griffart unterscheidet sich von der Ersten nur durch die tiefe Stellung des 2. Fingers. Der Halbton steht zwischen den Fingern 1 und 2.

Und damit wünsche ich Ihnen eine gute Orientierungsarbeit und viel Erfolg bei Ihren Übungen.

mit freundlichen Grüßen

Felix Seiffert

Richtiges Greifen, oder wie Sie mit der weiten Griffart am Cello zurecht kommen

Spielen Sie Cello?

Finden Sie das Greifen auf diesem großen Instrument anstrengend?

Macht es Mühe?

Ja, das Cello ist ein großes Instrument, das kann man wohl sagen. Und darauf die einzelnen Töne wirklich zu treffen, das ist für machen schon eine kleine Herausforderung.

Und genau deshalb sollten Sie sich den folgenden Tip wirklich zu Herzen nehmen.
Ein sehr großer Prozentsatz aller Verkrampfungen und mangelnder Beweglichkeit beim Cellospiel resultiert aus einer falsch verstandenen Haltung der linken Hand.

Und dieses Problem kann man lösen! Damit müssen Sie nicht leben!

Und ich spreche da aus Erfahrung heraus, schließlich habe ich schon so etliche Schüler durch die Anfänge geleitet und dabei so einiges erlebt.

Aber eines kann ich auch sagen: Wenn man am Anfang die richtigen Grundlagen anlegt, erschafft man sich ein freudiges Leben mit dem Instrument, weil man sieht, hört und spürt, wie es wirklich weiter geht.

Aber nun zum Problem, das es zu lösen gilt:

Auf einem normalen Cellogriffbrett müssen Sie ihre Finger, um die jeweiligen Töne zu treffen, etwa 3 bis 3,5 cm voneinander entfernt aufstellen. Das klingt jetzt nicht besonders aufregend, aber machen Sie das mal auf einem Tisch. Sie werden merken, das ist gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass dabei die Finger auch noch frei und schnell beweglich bleiben sollen.
Dazu kommt noch die sogenannte „weite Lage“, eine Handstellung bei der die ersten beiden Finger auch noch den doppelten Abstand einnehmen.

Erkannt, worum es geht?

Wir müssen uns also etwas einfallen lassen, damit Sie sich trotz dieser Anforderungen eine bewegliche, und gefühlvolle Hand bewahren, und sogar schulen können.

Ich denke, jetzt ist es Zeit, dass Sie sich einmal den Film ansehen, in dem ich Ihnen das genau beschreibe.

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Und hier noch einmal die wesentlichen Punkte zum „mitschreiben“:

  • Die erste Grundlage: Sie brauchen eine Handstellung bei der die Finger lotrecht auf der schiefen Ebene des Griffbretts stehen. Stellen Sie die Finger so auf, dass es aussieht, als stände der erste Finger auf der höchsten Stufe einer gedachten Treppe. Sie erreichen diese Handstellung dadurch dass Sie den Arm leicht einwärts drehen (so als würden Sie auf Ihre Armbanduhr schauen).
  • Platzieren Sie Ihren Daumen so unter dem Hals, dass er gegenüber dem zweiten Finger steht. Nur so wird Ihre Hand in der Lage sein sich genügend für die weite Lage zu „öffnen“.
  • Nun strecken Sie den ersten Finger aus. Der richtige Tonabstand entsteht durch das „Strecken des Fingers“. Nicht die Spreizfähigkeit der Finger macht den Abstand, sondern das Strecken. Sie erinnern sich ja an oben, hier geht es um immerhin 7 cm Abstand zwischen den zu greifenden Tönen. Nicht mehr und nicht weniger fordert die weite Lage
  • Um sich richtig ausstrecken zu können, muss auch die Hand in den richtigen Winkel zum Cellohals gebracht werden. Nehmen Sie dazu den Ellbogen leicht nach vorn. Sie sehen auch im Video wie nun der erste Finger quasi in der Verlängerung des Unterarms steht. (so wie der erhobene Zeigefinger von Lehrer Lämpel)

Und wenn Sie diese Angaben beherzigen, werden Sie sich sehr bald über Ihr eigenes  Spiel freuen, bei dem Ihre Hand einfach richtig mitgeht und das macht, was Sie sich vorstellen. Und das, obe sie nun in der engen oder der weiten Lage auf dem Cello unterwegs sind.Vielleicht ist es so ähnlich wie wenn man zum ersten mal über richtig gutes Werkzeug verfügt, mit dem man seine Produkte herstellen will.

Viel Vergnügen bei Ihren Übungen und alles Gute beim Experimentieren, wünscht Ihnen

Ihr

Felix Seiffert

p.S.: und ich würde mich freuen, wenn Sie mir einmal von Ihren Resultaten Ihrer Übungen berichten würden.