Flageolett spielen auf Deinem Streichinstrument?

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Flageolett - hoch virtuos

Bestimmt hast Du schon einmal diese feinen, silbrigen Töne gehört, die wie von Zauberhand von Streichinstrumenten klingen? Sie nennen sich Flageolett. Konntest Du die Flageolettöne schon selbst ausprobieren?

Lass uns in diesem Blogartikel auf die Reise zum Flageolett gehen und erforschen, was ist das, ein Flageolett. Wie kannst Du es spielen, wie findest Du die Töne und wie streichen sie sich am besten an?

Hast Du Dein Instrument zur Hand? Dann lass uns loslegen!

Dein erstes Flageolett

Bevor wir sachlich ergründen, was das überhaupt ist, nimm doch einmal Deine Geige, Deine Bratsche, Dein Cello oder Deinen Bass zur Hand.

Die Saiten Deines Instruments haben eine fest definierte Länge. Ergründe zunächst, wo auf dem Griffbrett genau die Mitte der Saite liegt. Vielleicht nimmst Du ein Maßband zur Hand, vielleicht geht es auch so. Male gerne an der gefundenen Stelle einen Punkt oder einen kleinen Strich mit einem weichen Bleistift auf das Griffbrett. (der lässt sich leicht wieder radieren oder er greift sich sowieso ab)

Fertig? Dann nimm das Instrument in seine Spielhaltung und streiche zunächst eine leere Saite an. Damit wir uns hier besser auskennen: alle Instrumente haben eine D-Saite, mit der kann man gut beginnen.

Nachdem Du den Ton der leeren Saite gehört hast, tippe jetzt die Saite, an dem vorher ausgemachten Punkt, mit einem Finger leicht an und streiche den Ton. Der Bogen lässt sich sehr leicht über die Saite führen. Streiche leicht und zieh den Bogen schnell über die Saite!

Was hörst Du? Dein erstes Flageolett. Gar nicht schwer, gell?

Lass uns gemeinsam erkunden, was das eigentlich ist, ein Flageolett.

Flageolett. Was ist das für ein Name?

Mich erinnert der Klang eines Flageoletts irgendwie an eine Flöte.

In der Tat gab es in der Barockzeit eine kleine Flöte namens Flageolett. Diese Flöte wurde laut Musikgeschichte, erstmals im 16. Jahrhundert gebaut und bis ins 19. Jahrhundert hinein, gespielt. Es gab sogar richtige Virtuosen dieses Instruments. Wenn Du Dich damit auseinandersetzen willst, empfehle ich Dir diesen Wikipedia Eintrag.

Und wie funktioniert Flageolett?

Schwingung der ganzen Saite (das ist noch kein Flageolett)
Die Schwingung in der 1:1 Reinform
Zweigeteilte Schwingung (das erste Flageolett)
Teilung der Schwingung in zwei Hälften

Weißt Du, was Du in unserem Experiment gerade gemacht hast? Du hast eine Saite mit dem Finger nur angetippt. Sie klang aber nun ganz anders als ihr ursprünglicher Ton. Wenn Du es gehört hast: sie klang eine Oktave höher.

An der Stelle, an der Dein Finger die Saite berührte, konnte sie nicht schwingen. Dein Finger hat sie daran gehindert. Aber weil sie nun genau an der Hälfte ihrer Länge am Schwingen gehindert wurde, brachte das die Saite dazu, in zwei Teilen zu schwingen.

Du kannst es Dir gerne beim eigenen Spielen ansehen. Die Saite schwingt gleichermaßen vor und hinter Deinem Finger. Dein Finger erzeugt beim Flageolett einen sogenannten Schwingungsknoten, und nun oszilliert die Saite in zwei halben Schwingungen.

Übrigens: notiert sieht es so aus: Über dem Ton siehst Du eine kleine 0 und den Finger, mit dem Du den Ton antippst. Jetzt weißt Du, dass Du diesen Ton als Flageolett spielen sollst. Die kleine 0 soll dabei meiner Ansicht nach ausdrücken, dass ja die ganze Saite schwingt, obwohl Du sie mit dem Finger berührst.

Ganz nebenbei: probiere einmal, den Finger an dieser Stelle richtig zu greifen. Du hörst dann den gleichen Ton, nur in der Klangfarbe eines normal gegriffenen Tons.

Fingersatz einfaches Flageolett
Notation des Flageolett

Ein wenig Pythagoras gefällig?

Ja, in der Tat war es Pythagoras, der seinerzeit schon an einem Monochord die physikalischen Regeln der Schwingungslehre erkundet hat. Stell ihn Dir als Zaungast einer Schmiede vor.

Dort hörte er die Töne, die durch die Schmiedehämmer erzeugt wurden. Sie klangen dann am besten, wenn die Hammergewichte in ganzzahligem Verhältnis zueinander standen.

Das physikalische Phänomen: Die halbe Saite schwingt in der doppelten Schwingungszahl.

Das musikalische Phänomen: Die doppelte Schwingungszahl eines Tones hören wir als Oktave.

Es geht aber noch weiter. Man kann eine Saite nicht nur in Hälften teilen, sondern logischerweise auch dritteln, vierteln, fünfteln usw.

Schau es Dir gerne im Film an:

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Mehr Informationen

Flageolett auf dem Drittel der Saite

Dreiteilung einer Saitenschwingung Flageolett in der Quinte
Schwingung gedrittelt

Möchtest Du kennenlernen, wie die Saite klingt, wenn ihre Schwingung in Drittel aufgeteilt ist? Wenn Du jetzt Geige oder Bratsche spielst, hast Du es leicht. Nimm in der ersten Lage den 4. Finger. Das ist der Ton, der gegriffen genauso klingt wie die leere Saite über der, die Du jetzt gerade spielst.

Wieder tippst Du sanft mit dem Finger drauf, übrigens nur mit diesem einem Finger. Lass bitte alle anderen weg, sie stehen schließlich nicht auf dem Schwingungsknoten und würden die Saite nur komplett am Schwingen hindern. Und jetzt streich los, mit schnellem leichtem Bogen.

Ich bin neugierig. Klingt es? Wenn nicht, dann bastle ein wenig an der Stellung des Fingers. Ein Flageolett lässt sich nur hervorzaubern, wenn man genau den Knotenpunkt der Schwingung trifft. Und – streiche nahe am Steg, das hilft der Saite.

Aber jetzt! Weißt Du, welchen Ton Du jetzt hörst? Nach Pythagoras schwingt die Saite nun dreimal so schnell wie die leere Saite. Du hörst die Quinte über ihrer Oktave. Im Fall der D-Saite hörst Du jetzt ein hohes A.

Übrigens ist am Cello dieser Platz nicht mehr in der ersten Lage zu erreichen. Es ist wie bei der Geige der Ton, der gegriffen genauso klingt, wie die leere Saite darüber. Aber diesen Ton findest Du zum Beispiel in der 2. Lage mit dem 4. Finger oder in der 4. Lage mit dem 1. Finger. Probiere es einmal.

Und am Kontrabass findest Du das Drittel der Saite, wenn Du auf der D-Saite das a greifst (4. Finger in der 3. Lage).

Merkwürdig? Im Gegensatz zum ersten Flageolett auf der halben Saite hörst Du jetzt nicht mehr den Ton, der klingen würde, wenn Du an dieser Stelle “richtig” greifst. Es klingt ein anderer Ton. Und aus diesem Grund verwendet die Notenschrift hier andere Notenköpfe. Sie drücken meiner Ansicht nach aus, dass Du zwar an der Stelle des angegebenen Tons im Flageolett greifen sollst. Allerdings sollst Du Dich nicht wundern, wenn der Ton anders klingt als das, was hier als Note aufgeschrieben ist.

Diese Notenschrift sieht dann zum Beispiel so aus:

Notation Flageolett
Notenköpfe bei Flageolett

Einer geht noch

Vierteilung der Saite, Flageolett in der doppelten Oktave
Schwingung in 4 Teile geteilt

Lass uns noch das Viertel greifen.


Das ist der Punkt, an dem egal auf welchem Instrument auf der D-Saite das G steht. Bei Geige und Bratsche ist das in der ersten Lage der 3. Finger, am Cello ist es der 4. Finger in der ersten Lage. Nur der Kontrabass muss zum G eine halbe Lage hinauf auf der D-Saite.


Gelingt es? Du hörst jetzt “die Oktave von der Oktave”. Nein wirklich: Du hörst jetzt auf der D-Saite ein noch höheres d.

Und was hast Du davon?

Du lernst Dein Instrument von einem anderen Aspekt her kennen. Du lernst die Knotenpunkte der leeren Saite kennen und hast damit sehr genaue Ankertöne auf deinem Griffbrett. Wenn ein Flageolett zu Stande kommt, weißt Du definitiv, dass Du an dieser Stelle richtig greifst. Das ist ein richtig guter Anhaltspunkt für Dein sauberes Greifen. Davon bin ich überzeugt.


Du bekommst ein Gefühl dafür, wie leicht sich eine Saite in ihren hohen Schwingungen anstreichen lässt. Das macht Dich feinfühlig für Dein Streichen. Du merkst schon, Flageolettöne auf Deinem Instrument zu erkunden, hebt Dich auf eine neue Ebene bei Deinem Streichinstrument.


Und eine Menge Spaß macht es auch noch!

Fazit

Flageolett auf dem Streichinstrument wirkt zunächst wie ein Wunder. Es klingt flötenartig zart, und dennoch voll im Klang. Diesem Phänomen liegt sehr einfache Physik zugrunde. Die Aufteilung einer schwingenden Saite in Teilschwingungen. Wir erzeugen sie, indem wir die Saite an den sogenannten Schwingungsknoten am Schwingen hindern. Dein Gewinn dabei, außer viel Spaß und einer neuen Erfahrung: Du gewöhnst Dich sehr genau an bestimmte Ankertöne auf dem Griffbrett. Deine Sicherheit nimmt zu. Und damit wünsche ich Dir viel Freude mit Deinen Experimenten an Deinem Instrument. Herzlichst Felix Seiffert

Rückmeldungen

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  1. Felix, geht am Cello auch “künstliches Flageolett” wie auf der Geige?
    Da kann ich ja jeden Ton als Flageolett (Doppeloktave, da 1/4 Schwingung) spielen, wenn ich die darunter liegende Quart mit dem ersten Finger fest greife und den Flageolettgriff mit dem 4. Finger.
    Hm, ja: mit Daumenaufsatz wäre am Cello eine Quart drin, oder? Bloß mein Daumen spielt da nicht mit.

    1. Hallo Christina,
      auf jeden Fall geht auch künstliches Flageolett. Zum Beispiel gibt es eine sehr berühmte Stelle im letzten Satz des Saint Saens Konzertes in a-moll. Es wird so gegriffen, dass der Daumen der Standfinger ist und der 3. Finger geht darüber ins Flageolett. Der Griff sieht genauso aus wie der Oktavgriff im Daumenaufsatz, nur eben auf einer Saite und mit einem nur angetippten Greifen des 3. Fingers.